Politik
unvermeidlich
Warte nur – balde!
2Wenn man sich zu tagespolitischen Dingen in einem eher nicht-politisch orientierten Weblog äußert, geht man immer das Risiko ein, Teilen seiner Leserschaft auf den Schlips zu treten. Abgesehen davon gibt es, zum Glück, in unserem Land jeneseits von BILD und Unterschicht-Kanälen genügend Medien-Institutionen, die Informationen sauber und professionell aufbereiten – da kommt man sich als Privatmann eher mickrig vor.
Andererseits – wozu bloggt man, wenn man nicht gelegentlich ein paar persönliche – und damit auch einseitige – Gedankenschnipsel in die Runde werfen darf? Also tue ich das jetzt mal – man muss da ja nicht meiner Meinung sein …
Denn sie sehen es nicht
2Merkwürdig. In unserer medienbewegten Welt werden in jeder Sekunde unzählige Fotos zu jedem Ereignis ausgespuckt. Gleichgültig, wie wichtig es ist. Und von einer der größten Katastrophen, die wir in den letzten Jahren erlebt haben, erreichen uns lediglich Bilder dunklen Wassers, Sprudelbläschen an einem Rohr, einige Schlammklumpen. Ulrich Wickert stellt dazu dazu in der letzten Samstagsausgabe der SÜDDEUTSCHEN fest: Wenn es von einer Katastrophe keine Bilder gibt, dann existiert sie auch nicht in den Köpfen der Menschen. Natürlich wissen das die Marketingexperten von BP und den anderen Firmen. Die Katastrophe “unsichtbar” zu machen, das ist der eigentliche Zweck der eingesetzen Chemikalien: der Ölteppich wird in Tröpfchen verwandelt, die sich über eine größere Strecke auf dem Wasser verteilen können. Gleichzeitig schmettern die industrienahen Republikaner eine Gesetzesänderung ab: momentan kann ein Konzern nur bis zu einer Höchstgrenze von 75 Millionen Dollar belastet werden. Diese Grenze sollte auf 10 Milliarden erhöht werden. Dazu z. B. der – republikanische – Gouverneur von Alaska: Da könne ja jeder kommen. Ein Konzern wie BP, der gerne mal an die 20 Milliarden an Jahresgewinn einfährt, lächelt dazu nur. Natürlich innerlich. Äußerlich hat die Pressesprecherin ihr schickes Business-Kostüm gegen einen Overall eingetauscht. Denn sie weiß: Bilder überzeugen Menschen. Aber es müssen die richtigen Bilder sein. Bilder im Sinne ihres Konzerns …
Nun gut, mit Bildern kann ich nicht dienen. Aber mit ein paar Worten, um die Katastrophe nicht gar so unsichtbar zu machen, wie es der Pressesprecherin lieb wäre. Und vielleicht ist es auch mal wieder Zeit für einen Link zu Greenpeace … [Bildnachweis: marmota, unter CC]
Heilung unerwünscht – Die Lobby der Pharmaindustrie
10Chronisch Kranke sind eine der stärksten finanziellen Säulen der Pharmaimperien: Immer und immer wieder benötigen sie Medikamente, über Jahre, über Jahrzehnte. In der Tat, zynisch gewendet, eine sichere Einnahmequelle für diesen Industriezweig. Besonders groß ist jene Patientengruppe, die an Hautkrankheiten wie Neurodermitis leidet – geschätzt zwischen 5 und 10 % in den Industriestaaten. Vom Säugling bis zum Senior.
Die Armutsindustrie – Palmenbefruchtung in Deutschland
6In Algerien gibt es den Beruf des Palmenbefruchters: Bestimmte Pflanzenteile müssen von der männlichen zur weiblichen Palme gebracht werden und dort oben in den Wipfeln eingesteckt werden. Das konnte man vor einigen Tagen in der ARD-Sendung “Weltreisen” anschauen. Dabei waren die 3 Gehilfen des Palmenbefruchts zu sehen: Während der Chef die Palm erstieg, saßen sie unten und unterstützten sein Vorhaben durch das Singen von Koransuren. So was fand ich ganz ulkig und dachte noch bei mir: Diese Afrikaner … Was ich bis heute Abend nicht wusste: Unsere Agentur für Arbeit ist noch viel schlimmer. In der Dokumentation “Die Armutsindustrie” (Film anschauen ARD-Mediathek) waren einige Fälle von jenen zu sehen, die nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auftauchen, z. B. weil sie einen 1-Euro-Job haben oder in einer “Vor-Qualifizierungsmaßnahme” steckten – immerhin 1,6 Millionen Menschen. Da stand dann der Mann, der 25 Jahre lang (weiterlesen …)
Ein Freitag wie jeder andere …
0Nachrichten am Freitag, den 26. 6. 2009:
Eine Pop-Ikone der vergangenen Jahrzehnte ist verstorben, wahrscheinlich an Medikamentenmissbrauch. Fans trauern, CDs gehen weg wie warme Semmeln, man trägt sich in Kondolenzbücher ein, Webseiten tragen Schwarz, Fernsehen, Rundfunk, Twitter, Printmedien – sie alle haben ihr schillerndes Thema.
Einige Minuten später: Der Grenzstreifen zwischen Afghanistan und Pakistan. Ein Bauer mit seiner Familie kommt in sein Dorf zurück, das er vor eineinhalb Monaten wegen der Unruhen verlassen hatte. Er erzählt, dass sie ihre beiden Kühe mitgenommen hatten. Die seien aber unterwegs gestorben, da sie weder Wasser noch Nahrung geben konnten. Er erzählt es ruhig. Ohne Anklage. Eher wie eine Feststellung. Ein paar Kilometer weiter verteilt das Militär Säcke mit Brot und Reis. Einer der Versorgten huscht an der Kamera vorbei. Er strahlt in die Kamera. Seine hastig gesprochenen Sätze werden übersetzt: “Im Augenblick scheint das Leben wieder gut. Richtig gut!” Schnitt.
Informationsvernichtung – politisch gewollt
1Heise online berichtet, dass das ZDF etwa 80 % seiner Internet-Inhalte ausradieren wird. Ähnlich wird die ARD verfahren. Das tun die Sender nicht freiwillig. Diese Reduzierung von allgemein zugänglicher Information ist politisch gewollt. Der Hintergrund ist die starke Lobby von Verlagen und Privatmedien, denen werbefreie Information ein Dorn im Auge ist – schließlich kann man mit sowas ja gut Geld machen. Wobei “sowas” von diesem Wirtschaftszweig nicht geleistet werden wird, weil dazu schlicht die Infrastruktur und die Kompetenz fehlt (von Ausnahmen abgesehen, die es ja immer gibt). Das belegen die vergangenen 10 Jahre.
Schon klar – meist werden die GEZ-”Zwangsgebühren” und das “Seniorenflimmern” von ARD und ZDF im Netz negativ dargestellt. Ich selbst habe da einen anderen Standpunkt und will den auch gerne begründen. (Okay, so was wird jetzt nicht jeden interessieren – darum “verbanne” ich mal meine langatmigen Ausführungen auf die Fortsetzungsseite
). (weiterlesen …)
Framstag Sam
3Eigentlich ist es ja der pure Irrsinn, den die Politiker dieser Welt momentan fabrizieren: Man soll konsumieren auf Teufel komm’ raus, jenseits der Frage, ob da irgendwas sinnvoll ist oder nicht. Autos zum Beispiel. Völlig egal, ob man wirklich eins braucht – Hauptsache, man kauft es. Auf solche wahnwitzigen Ideen muss man erst mal kommen. Oder man übernimmt sie. Etwa aus dem Klassiker “Framstag Sam”. Eigentlich ist Sam von Beruf Science-Fiction-Autor, aber die Niederlande verbieten diese Literaturgattung. Also wirft er seine Zeitmaschine an und schreibt ein Buch über die Geschichte des Judentums. Zurück in der Gegenwart stellt er zu seiner Verblüffung fest, dass sich sein Werk unter dem Namen “Die Bibel” wirklich gut verkauft und sich im Laufe der Jahrhunderte so viele Tantiemen angesammelt haben, dass er nun zu den Ultrareichen gehört. Und damit hat er Anrecht auf einen zusätzlichen Wochentag, den Framstag.
An einige Besonderheiten muss sich Sam allerdings auch gewöhnen: Er wird von einem Polizeikommando überrascht, da er ein Auto fährt, das älter als 24 Stunden ist. Üblich ist es, morgens ein Auto zu kaufen und es abends verschrotten zu lassen. Oder man nimmt den besonderen Service in Anspruch, dass das Auto verschrottet wird, bevor man es überhaupt fährt. … In dem Buch stecken noch eine Reihe weiterer Ideen. Schauen wir mal, wann die z. B. in einem Parteikonzept der FDP auftauchen ![]()
(PS: Das Original ist auf Niederländisch 1968 erschienen, Anfang der 80-er Jahre dann in deutscher Sprache, heute vergriffen.)
Eine Lanze für Elke Heidenreich
2Ach Gottchen – man scheint beim ZDF tatsächlich beleidigt zu sein. Zuerst nimmt Marcel Reich-Ranicki den schönen bunten Plastik-Preis von ARD, ZDF, RTL und SAT1 nicht an – ts, ts, wo den doch sogar der Dieter Bohlen (!) genommen hat -, und dann schreibt Elke Heidenreich einen langen FAZ-Artikel, in dem sie sich der Meinung dieses Ignoranten anschließt. Für derartige Unbotmäßigkeiten gegen Obrigkeiten wie z. B. den ZDF-Intendanten muss man schleunigst den Zuschauer bestrafen und darüber nachdenken, wie schnell man Heidenreichs Sendung “Lesen!” absetzen kann. Ach ja, was ist das doch für ein provinzielles Häuflein, dass da die 7 Milliarden Euro jährlicher Gebühren verwaltet, falls sie als Strafaktion tatsächlich Heidenreichs Sendung kippen. Provinziell. Kleinkariert. Und dumm.
Denn das eigentliche Problem sind nicht die seichten Soaps, Casting-Shows oder Chart-Sendungen, in denen die Hofnarren jener Sender sich permanent gegenseitig mit Lob überschütten. (weiterlesen …)
Macht das Internet doof?
1Diese Woche widmet sich DER SPIEGEL einer Frage, die ja eigentlich nicht ganz so “gaga” ist: “Macht das Internet doof?”. Ganz schön clever, denn man erreicht den Kaufimpuls damit gleich bei drei Zielgruppen: Die einen, die generell der Meinung sind, dass das “neumodische Zeug” verdummt (weil sie es selbst nicht beherrschen), die anderen, die sich sofort provoziert fühlen (weil sie sich schon einen Tick zu stark mit ihren Online-Aktivitäten identifizieren) und schließlich noch jene, die an einer gescheiten Diskussion zu dieser Frage interessiert sind (siehe dazu auch Blog “medienlese“).
Um es direkt zu sagen: So richtig kommt keine der drei erwähnten Gruppen auf ihre Kosten. Es bleibt bei der sattsam bekannten Aufzählung von Informationsdiensten und -möglichkeiten, garniert mit ein paar Kästen zu Einzelansichten und der Schilderung inhaltsschwacher Beispiele. Es mag ja “nett” sein, wenn eine Firma beschließt, dass dienstagsvormittags kein Mitarbeiter Mails abrufen darf und das Personal darob frohlockt. Aber was soll denn der Erkenntnisgewinn bei der Schilderung derartiger Beispiele sein? Oder die abgedroschene Wiederholung der Multiplikation von PowerPoint-Vorträgen und Folien, gängig seit 2003 ein entsprechender Artikel erschien [1], und das Jammern, dass damit unsere Schüler verdummt würden?
Auch der Schwerpunkt “Hausaufgaben runterkopieren” belässt es bei der Darstellung stöhnender Lehrer und der Aufzählung einschlägiger Web-Adressen. Kein Wort dazu, was denn nun das eigentliche – nämlich: strukturelle – Problem ist. Plagiate können nur jenen (Bildungs-)Systemen gefährlich werden, die auf Repetition von Bekanntem ausgerichtet sind. Wenn das System hingegen auf das Verarbeiten von Information angelegt ist, also Verstehensprozesse in den Mittelpunkt rückt, sieht die Sache sofort anders aus.
Tja, und gar nicht erst erwähnt wird das, was meiner Ansicht nach einer der zentralen Punkte bei derartigen Themen sein müsste: Der Selbstbetrug vieler Web-Nutzer, die Informations-Häppchen für “Wissen” halten. Ich habe das in einem kleinen Aufsatz 2005 einmal die “Die Googleisierung der Bildung” genannt. In 5 Minuten wähnt man sich dank Google-Fundstellen als Fachmann für ärztliche Fragen (man hat die Zusammensetzung eines Medikaments entdeckt), als Fachmann in Unterhaltsfragen (jemand hat in einem Forum steif und fest erklärt, dass man nicht zahlen muss), als Fachmann in Mietrecht (klar kann man die Küche grün streichen, dazu gibt es einen EU-Beschluss). Jene, die zuvor gelernt haben, wie man Information verarbeitet, wissen derartige Häppchen einzuordnen und zu bewerten – und werden nach wie vor zu einer guten Zeitung oder einem guten Buch greifen, um sich echtes Hintergrundwissen anzueignen. Während jene, die neben Fun-Videos und Tralala-Liedchen auch mal ein Stück Text im Netz ergattern, mit stolzgeschwellter Brust zu ihrem Stammtisch … Aber lassen wir das.
Fazit: Thema wäre eine Diskussion wert, ein paar dünne Anregungen gibt der Artikel auch her – mehr aber auch nicht. Und die Antwort auf die Frage? Die könnte so aussehen:

Manchmal, aber nur manchmal ...
[1] Einige Artikel von Edward Tufte, z. B. PowerPoint Is Evil, 2003. Als Folge davon einige deutsche Artikel meist mit der Überschrift “Powerpoint macht dumm”, z. B. SZ Magazin Nr. vom 26.03.2004.
Musik-Lobby – Handshake mit der EU
0Nur mal eben zur Erinnerung, was demnächst bei der EU auf der Tagesordnung steht … Und, husch die Waldfee, ist die Privatsphäre aufgehoben, weil das ein Industriezweig gerne so hätte …
Artikel bei heise-online
netzpolitik.org
Musikindustrie, Phase II: Frag Deinen Abgeordneten
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Ständige Abmahnwellen und Prozesse gegen Jugendliche von Seiten einer milliardenschweren Industrie, die sich als “Opfer” darstellt, ist man ja fast schon gewohnt. Dass sich viele Argumente, die da vorgebracht werden, als reine Märchenstunde entpuppen, wenn sie statistisch analysiert werden, darüber habe ich bereits berichtet. Okay, trotzdem könnte man noch sagen: Soll sie halt machen, ich lad ja nix runter. Doch all dies ist Schnee von gestern, denn still und leise hat die Industrie mit “Phase II” begonnen: Die systematische Generalverdächtigung und Bespitzelung von jedem Surfer. In Form einer konzertierten Aktion führt sie dazu Musterklagen in Irland, schließt einen Kontrollpakt mit Frankreich, versucht, die EU einzuschwören, zwingt Provider zu Meldungen, will die Auskunftspflicht von der Straf- auf die Zivilebene erweitern usw. usw. usw. Die Liste, die SPIEGEL ONLINE heute unter dem Titel “Provider sollen Kunden überwachen, anschwärzen, abklemmen” veröffentlich, müsste eigentlich jedem demokratisch denkenden Menschen einen Schauer über den Rücken jagen. Müsste. Das Problem ist, dass unsere Abgeordneten in EU, Bund und Länder viel zu wenig von dieser Materie verstehen, um einer derart finanzstarken Lobby entgegen zu wirken.
Vielleicht ist aber gerade jetzt, 1 Jahr vor der nächsten Bundestagswahl, ein guter Zeitpunkt, um seinen Abgeordneten einmal dazu zu bewegen, Farbe zu bekennen? Oder sich zumindest mal kundig zu machen und seine Konzentration auf entsprechende Entwicklungen zu lenken.
Helfen kann dabei das Angebot “abgeordnetenwatch.de”, das Anfragen zu allen möglichen Themen an Abgeordnete weiterleitet – und auch deren Antworten veröffentlich! Darüber findet man auch rasch den Abgeordneten seines eigenen Wahlbezirks. Ebenfalls eine gute Anlaufstelle sind die Webseiten der Landtage, z. B. für Baden-Württemberg ist das diese, die die Homepageadressen der Abgeordneten nennen. Nicht übersehen sollte man die 99 EU-Abgeordneten Deutschlands, worunter sich eine Reihe aktiver und kritischer Leute befinden, deren Einfluss man nicht unterschätzen sollte. Aber sie müssen halt, z. B. durch E-Mails, mitbekommen, dass der Bereich des Datenschutzes eine Thema ist, das Wähler interessiert …
Nachtrag: 18 Stunden Rentenangst
0Man kann ja über die Vorteile der “Blogosphere” unterschiedlicher Ansicht sein, aber eine Funktion erfüllt sie auf jeden Fall: auf Informationen aufmerksam zu machen, die sonst – huschdi-wuschdi – im Meer der Daten verschwinden würden. Was den betroffenen Unternehmern und Politikern im Falle der mitternächtlichen Diskussion über Rentenberechnungen, über die ich gerade berichtet habe, ja auch ganz lieb wäre.
Aber jetzt, nur 18 Stunden nach der Sendung, finden sich bereits in einer Vielzahl von Blogs Beiträge darüber. So was finde ich gut und möchte daher einige der Blogs auch nennen:
Tage wie diese – Thomas goes .NET – Reporter positiver Nachrichten – Rastafari – Tuxpost – Mentalnet - NachDenkSeiten
Weiter so!
Rentenangst – “Halt Du sie dumm!”
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Sonntagabend. Anne Will. Meine 4. Talkshow zum Thema “Ypsilanti bricht Wahlversprechen”. Immerhin halte ich tapfer die halbe Sendung durch, denn mir geht es da wie den meisten in der Bevölkerung: Ein derart dreister Bruch(-Versuch) eines Versprechens, das man vor einer Wahl gegeben hatte, ist schon empörend. Doch da der Erkenntnisgewinn erwartungsgemäß gegen Null driftet, erledige ich erst mal meine Aufgabenplanung für die neue Wochen. Zurück im Wohnzimmer läuft eine Dokumentation in der ARD, die mich aufhorchen lässt: “Rentenangst”. Ingo Blank und Dietrich Krauß zeigen Stück um Stück auf, welche (Versicherungs-)Konzerne hinter dem Umbau unseres Systems stehen – immerhin geht es um Vertragsvolumen von rund 50 Milliarden Euro. Jährlich. Da kann man sich locker auch mal “Wissenschaftler” und Politiker kaufen, die dann von Anne Will zu Maybrit Illner hin und zurück pendeln. Die Reportage nennt die Namen. Nennt die Forschungsinstitute. Nennt die Geldgeber. Zeigt die Fehler in den Berechnungen. Zeigt, wie sich die Wirtschaft durch die Politik hat absichern lassen (deren Deckelung an Beiträgen wurde auf 11 % festgeschrieben), während die Quoten der Arbeitnehmer auch bei vorsichtiger Schätzung auf 28 % ansteigen werden. Und während bei der staatlichen Rentenversicherung der Vewaltungsaufwand gerade mal 1,4 % schluckt, können die privaten Versicherungsgesellschaften locker mal 20 % dafür berechnen, damit der Dienst-BMW der Vorstandsmitglieder finanziert wird. Und so weiter und so weiter.
Ob das alles so stimmt, wie es in dem Beitrag dargestellt wurde, das kann ich nun zwar nicht beurteilen (für mich klang es überzeugend). Aber wichtig wäre, verdammt noch mal, dass unsere Medien endlich aufhören, ständig über Grippe-Erkrankungen von Beck zu berichten oder die gespielte Empörung von Politikern 1000 mal mit der Kamera einzufangen. Stattdessen müsste man mal wieder anfangen, Journalisten einzustellen, die auch wirklich recherchieren und Themen verständlich und ausführlich darstellen. Und Programm-Macher auf den Chefsessel setzen, die nicht die Sendezeit der politischen Magazine unter dem Vorwand “Die Leute wollen so was nicht sehen” zusammen streichen …
Ach ja, die Sendung wurde zur “besten Sendezeit” um 23:30 Uhr bis 0:15 Uhr ausgestrahlt. Warum nur werde ich jetzt an ein Stück von Reinhard Meys – “Sei wachsam!” – erinnert?
Sie nennen es das Volk, aber sie meinen Untertanen.
All das Leimen, das Schleimen ist nicht länger zu ertragen,
Wenn du erst lernst zu übersetzen, was sie wirklich sagen:
Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm:
Halt du sie dumm, ich halt sie arm!
CSU-Aktion: Männer in Frauenkleidern
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Frauentag ist es! Im vergangenen Jahr hatte ich ja der Gewerkschaft der Polizei zu ihren diesbezüglich geschmackvoll dekorierten Seiten gratuliert. Heuer richte ich diese Glückwünsche stellvertretend für alle Frauen dieser Welt an die Frauen-Union, Sektion CSU, die mich zu einer URL mit dem Titel “www.schluss-mit-dem-unsinn.de” führte. Zuerst stutzte ich ja bei diesem URL-Namen – sollte sich die CSU in der Selbstauflösung befinden? Aber nein. Dort ist ein Kinospot zu sehen, in dem sich Männer Frauenkleider anziehen. Bevor man hier aber voreilige Schlüsse zieht (von wegen Linksruck der CSU oder so), sollte man genau hinhören. Zur Sicherheit hat das Ministerium eine zweite Fassung mit hochdeutschen Untertiteln zum Mitlesen herausgebracht. Jo mei, an Humor hams fei scho, die Bubn und Madeln in Bayern! (Okay, okay – mein Bayerisch ist miserabel, ich geb’s ja zu … Und damit da auch keine Missverständnisse entstehen: Den Film und die Aussage finde ich schon gut gemacht.)
Und da wir uns nun schon mal auf den Webseiten der Frauen-Union tummeln, gleich noch ein Tipp aus dem Bereich Druckerzeugnisse: Leitfaden “Mit Gelassenheit und Köpfchen zum Wahlerfolg!” Vielleicht wäre das ja eine empfehlenswerte Lektüre für Frau Ypsilanti gewesen. Zu spät … ![]()













