arm dran

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In Algerien gibt es den Beruf des Palmenbefruchters: Bestimmte Pflanzenteile müssen von der männlichen zur weiblichen Palme gebracht werden und dort oben in den Wipfeln eingesteckt werden. Das konnte man vor einigen Tagen in der ARD-Sendung “Weltreisen” anschauen. Dabei waren die 3 Gehilfen des Palmenbefruchts zu sehen: Während der Chef die Palm erstieg, saßen sie unten und unterstützten sein Vorhaben durch das Singen von Koransuren. So was fand ich ganz ulkig und dachte noch bei mir: Diese Afrikaner … Was ich bis heute Abend nicht wusste: Unsere Agentur für Arbeit ist noch viel schlimmer. In der Dokumentation “Die Armutsindustrie” (Film anschauen ARD-Mediathek) waren einige Fälle von jenen zu sehen, die nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auftauchen, z. B. weil sie einen 1-Euro-Job haben oder in einer “Vor-Qualifizierungsmaßnahme” steckten – immerhin 1,6 Millionen Menschen. Da stand dann der Mann, der 25 Jahre lang

für eine Spedition fuhr, in der Lagerhalle und packte Kartons. Der Firmenchef nannte das “Praktikum”. Ja, sagte er stolz, 8 bis 9 Praktikanten habe man jetzt. Früher, früher hätten das feste Mitarbeiter gemacht. Aber so Kartons packen, das sei ja man eine gute Erfahrung für Arbeitslose. Weil, man stelle sich das so einfach vor, einen Karton zu packen. Ja, ha!, das sei aber gar nicht so einfach!
Okay, soweit könnte man noch sagen: Rubrik “Firmen nutzen halt die Milliarden der Arbeitsagentur aus, um Personalkosten zu sparen”. Aber es geht noch schlimmer. Viel schlimmer. Da gibt es z. B. die Dekra Fortbildungsfirma “Toys Factory”. Da wird Spielzeug gespendet, z. B. Puzzels. Nun weiß man aber nicht, ob bei diesen gebrauchten Puzzelteilen alle da sind. Also lässt man die Arbeitslosen Puzzles legen. Stundenlang. Tagelang. Stolz erklärt die Dekra-Mitarbeiterin, dass man für ein besonders großes Puzzle mal 10 Tage gebraucht hätte. Und dann hätten doch tatsächlich 3 Teile gefehlt! Tja, die ganze Arbeit umsonst. Nebenan sitzen in einem Raum andere Arbeitslose. Sie stricken kleine Söckchen. Stolz hält die Dekra-Mitarbeiterin die Söckchen in die Kamera – die seien doch wirklich süüüß, oder? Ganz am Anfang, da hätte man mal sehen sollen, wie die Arbeitlosen mit roten Bäckchen da gesessen und gestrickt hätten! Das Schlimme ist: sie sagt das, ohne im geringsten zu merken, was sie redet! Sie sagt das, ohne das geringste Bewusstsein dafür, was in ihrer Maßnahme abläuft. Ich bin mir nicht sicher, was ich erschütternder finden soll … Vielleicht die 60 Millionen Euro, die alleine Dekra für derartige und andere Maßnahmen letztes Jahr erhalten hat? Und dieses Unternehmen ist nur eines von vielen.
Ich werde des Grübelns enthoben, denn nun geht es in “hochqualifizierten” Bereich. Die “Presseabteilung”! Ah, da stehen ein paar Computer. Und ein Drucker. Ja, es wird eine “Hauszeitschrift” gemacht. Stolz wird ein DIN-A-5-Heftchen in die Kamera gehalten. Witze seien darin zu finden. Und Rätsel. Ja, und das bekämen dann alle Mitarbeiter im Haus. Und demnächst gibt es wieder ein neues Heftchen …
Es ist so grauenhaft, was da passiert, und was von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen wird … Es ist zum auf die Palme gehen …
Bericht über die Dokumentation bei der Süddeutschen und bei der TAZ.

Im August soll eine erweiterte Fassung der Dokumentation im Ersten ausgestrahlt werden.
Wiederholungstermine: 17. 7. 09, EinsExtra, 0:00 Uhr – 18. 7., EinsExtra, 12:30 Uhr – 24. 7., EinsExtra, 5:35 Uhr

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