Macht das Internet doof?

Spiegel-Titel

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Diese Woche widmet sich DER SPIEGEL einer Frage, die ja eigentlich nicht ganz so „gaga“ ist: „Macht das Internet doof?“. Ganz schön clever, denn man erreicht den Kaufimpuls damit gleich bei drei Zielgruppen: Die einen, die generell der Meinung sind, dass das „neumodische Zeug“ verdummt (weil sie es selbst nicht beherrschen), die anderen, die sich sofort provoziert fühlen (weil sie sich schon einen Tick zu stark mit ihren Online-Aktivitäten identifizieren) und schließlich noch jene, die an einer gescheiten Diskussion zu dieser Frage interessiert sind (siehe dazu auch Blog „medienlese„).

Um es direkt zu sagen: So richtig kommt keine der drei erwähnten Gruppen auf ihre Kosten. Es bleibt bei der sattsam bekannten Aufzählung von Informationsdiensten und -möglichkeiten, garniert mit ein paar Kästen zu Einzelansichten und der Schilderung inhaltsschwacher Beispiele. Es mag ja „nett“ sein, wenn eine Firma beschließt, dass dienstagsvormittags kein Mitarbeiter Mails abrufen darf und das Personal darob frohlockt. Aber was soll denn der Erkenntnisgewinn bei der Schilderung derartiger Beispiele sein? Oder die abgedroschene Wiederholung der Multiplikation von PowerPoint-Vorträgen und Folien, gängig seit 2003 ein entsprechender Artikel erschien [1], und das Jammern, dass damit unsere Schüler verdummt würden?

Auch der Schwerpunkt „Hausaufgaben runterkopieren“ belässt es bei der Darstellung stöhnender Lehrer und der Aufzählung einschlägiger Web-Adressen. Kein Wort dazu, was denn nun das eigentliche – nämlich: strukturelle – Problem ist. Plagiate können nur jenen (Bildungs-)Systemen gefährlich werden, die auf Repetition von Bekanntem ausgerichtet sind. Wenn das System hingegen auf das Verarbeiten von Information angelegt ist, also Verstehensprozesse in den Mittelpunkt rückt, sieht die Sache sofort anders aus.

Tja, und gar nicht erst erwähnt wird das, was meiner Ansicht nach einer der zentralen Punkte bei derartigen Themen sein müsste: Der Selbstbetrug vieler Web-Nutzer, die Informations-Häppchen für „Wissen“ halten. Ich habe das in einem kleinen Aufsatz 2005 einmal die „Die Googleisierung der Bildung“ genannt. In 5 Minuten wähnt man sich dank Google-Fundstellen als Fachmann für ärztliche Fragen (man hat die Zusammensetzung eines Medikaments entdeckt), als Fachmann in Unterhaltsfragen (jemand hat in einem Forum steif und fest erklärt, dass man nicht zahlen muss), als Fachmann in Mietrecht (klar kann man die Küche grün streichen, dazu gibt es einen EU-Beschluss). Jene, die zuvor gelernt haben, wie man Information verarbeitet, wissen derartige Häppchen einzuordnen und zu bewerten – und werden nach wie vor zu einer guten Zeitung oder einem guten Buch greifen, um sich echtes Hintergrundwissen anzueignen. Während jene, die neben Fun-Videos und Tralala-Liedchen auch mal ein Stück Text im Netz ergattern, mit stolzgeschwellter Brust zu ihrem Stammtisch … Aber lassen wir das.

Fazit: Thema wäre eine Diskussion wert, ein paar dünne Anregungen gibt der Artikel auch her – mehr aber auch nicht. Und die Antwort auf die Frage? Die könnte so aussehen:

Manchmal, aber nur manchmal ...

Manchmal, aber nur manchmal ...

[1] Einige Artikel von Edward Tufte, z. B. PowerPoint Is Evil, 2003. Als Folge davon einige deutsche Artikel meist mit der Überschrift „Powerpoint macht dumm“, z. B. SZ Magazin Nr. vom 26.03.2004.

3 Kommentare

  1. Ohne Worte
    Aug 11, 2008

    freu mich schon drauf, dass zu lesen, aber hab schon gedacht, dass dort kein endgültiges urteil für eine partei gefällt wird…

  2. Ohne Worte
    Aug 11, 2008

    freu mich schon drauf, dass zu lesen, aber hab schon gedacht, dass dort kein endgültiges urteil für eine partei gefällt wird…

  3. Ohne Worte
    Aug 11, 2008

    freu mich schon drauf, dass zu lesen, aber hab schon gedacht, dass dort kein endgültiges urteil für eine partei gefällt wird…

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Diese Woche widmet sich DER SPIEGEL einer Frage, die ja eigentlich nicht ganz so „gaga“ ist: „Macht das Internet doof?“. Ganz schön clever, denn man erreicht den Kaufimpuls damit gleich bei drei Zielgruppen: Die einen, die generell der Meinung sind, dass das „neumodische Zeug“ verdummt (weil sie es selbst nicht beherrschen), die anderen, die sich sofort provoziert fühlen (weil sie sich schon einen Tick zu stark mit ihren Online-Aktivitäten identifizieren) und schließlich noch jene, die an einer gescheiten Diskussion zu dieser Frage interessiert sind (siehe dazu auch Blog „medienlese„).

Um es direkt zu sagen: So richtig kommt keine der drei erwähnten Gruppen auf ihre Kosten. Es bleibt bei der sattsam bekannten Aufzählung von Informationsdiensten und -möglichkeiten, garniert mit ein paar Kästen zu Einzelansichten und der Schilderung inhaltsschwacher Beispiele. Es mag ja „nett“ sein, wenn eine Firma beschließt, dass dienstagsvormittags kein Mitarbeiter Mails abrufen darf und das Personal darob frohlockt. Aber was soll denn der Erkenntnisgewinn bei der Schilderung derartiger Beispiele sein? Oder die abgedroschene Wiederholung der Multiplikation von PowerPoint-Vorträgen und Folien, gängig seit 2003 ein entsprechender Artikel erschien [1], und das Jammern, dass damit unsere Schüler verdummt würden?

Auch der Schwerpunkt „Hausaufgaben runterkopieren“ belässt es bei der Darstellung stöhnender Lehrer und der Aufzählung einschlägiger Web-Adressen. Kein Wort dazu, was denn nun das eigentliche – nämlich: strukturelle – Problem ist. Plagiate können nur jenen (Bildungs-)Systemen gefährlich werden, die auf Repetition von Bekanntem ausgerichtet sind. Wenn das System hingegen auf das Verarbeiten von Information angelegt ist, also Verstehensprozesse in den Mittelpunkt rückt, sieht die Sache sofort anders aus.

Tja, und gar nicht erst erwähnt wird das, was meiner Ansicht nach einer der zentralen Punkte bei derartigen Themen sein müsste: Der Selbstbetrug vieler Web-Nutzer, die Informations-Häppchen für „Wissen“ halten. Ich habe das in einem kleinen Aufsatz 2005 einmal die „Die Googleisierung der Bildung“ genannt. In 5 Minuten wähnt man sich dank Google-Fundstellen als Fachmann für ärztliche Fragen (man hat die Zusammensetzung eines Medikaments entdeckt), als Fachmann in Unterhaltsfragen (jemand hat in einem Forum steif und fest erklärt, dass man nicht zahlen muss), als Fachmann in Mietrecht (klar kann man die Küche grün streichen, dazu gibt es einen EU-Beschluss). Jene, die zuvor gelernt haben, wie man Information verarbeitet, wissen derartige Häppchen einzuordnen und zu bewerten – und werden nach wie vor zu einer guten Zeitung oder einem guten Buch greifen, um sich echtes Hintergrundwissen anzueignen. Während jene, die neben Fun-Videos und Tralala-Liedchen auch mal ein Stück Text im Netz ergattern, mit stolzgeschwellter Brust zu ihrem Stammtisch … Aber lassen wir das.

Fazit: Thema wäre eine Diskussion wert, ein paar dünne Anregungen gibt der Artikel auch her – mehr aber auch nicht. Und die Antwort auf die Frage? Die könnte so aussehen:

Manchmal, aber nur manchmal ...

Manchmal, aber nur manchmal ...

[1] Einige Artikel von Edward Tufte, z. B. PowerPoint Is Evil, 2003. Als Folge davon einige deutsche Artikel meist mit der Überschrift „Powerpoint macht dumm“, z. B. SZ Magazin Nr. vom 26.03.2004.

3 Kommentare

  1. Ohne Worte
    Aug 11, 2008

    freu mich schon drauf, dass zu lesen, aber hab schon gedacht, dass dort kein endgültiges urteil für eine partei gefällt wird…

  2. Ohne Worte
    Aug 11, 2008

    freu mich schon drauf, dass zu lesen, aber hab schon gedacht, dass dort kein endgültiges urteil für eine partei gefällt wird…

  3. Ohne Worte
    Aug 11, 2008

    freu mich schon drauf, dass zu lesen, aber hab schon gedacht, dass dort kein endgültiges urteil für eine partei gefällt wird…

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Diese Woche widmet sich DER SPIEGEL einer Frage, die ja eigentlich nicht ganz so „gaga“ ist: „Macht das Internet doof?“. Ganz schön clever, denn man erreicht den Kaufimpuls damit gleich bei drei Zielgruppen: Die einen, die generell der Meinung sind, dass das „neumodische Zeug“ verdummt (weil sie es selbst nicht beherrschen), die anderen, die sich sofort provoziert fühlen (weil sie sich schon einen Tick zu stark mit ihren Online-Aktivitäten identifizieren) und schließlich noch jene, die an einer gescheiten Diskussion zu dieser Frage interessiert sind (siehe dazu auch Blog „medienlese„).

Um es direkt zu sagen: So richtig kommt keine der drei erwähnten Gruppen auf ihre Kosten. Es bleibt bei der sattsam bekannten Aufzählung von Informationsdiensten und -möglichkeiten, garniert mit ein paar Kästen zu Einzelansichten und der Schilderung inhaltsschwacher Beispiele. Es mag ja „nett“ sein, wenn eine Firma beschließt, dass dienstagsvormittags kein Mitarbeiter Mails abrufen darf und das Personal darob frohlockt. Aber was soll denn der Erkenntnisgewinn bei der Schilderung derartiger Beispiele sein? Oder die abgedroschene Wiederholung der Multiplikation von PowerPoint-Vorträgen und Folien, gängig seit 2003 ein entsprechender Artikel erschien [1], und das Jammern, dass damit unsere Schüler verdummt würden?

Auch der Schwerpunkt „Hausaufgaben runterkopieren“ belässt es bei der Darstellung stöhnender Lehrer und der Aufzählung einschlägiger Web-Adressen. Kein Wort dazu, was denn nun das eigentliche – nämlich: strukturelle – Problem ist. Plagiate können nur jenen (Bildungs-)Systemen gefährlich werden, die auf Repetition von Bekanntem ausgerichtet sind. Wenn das System hingegen auf das Verarbeiten von Information angelegt ist, also Verstehensprozesse in den Mittelpunkt rückt, sieht die Sache sofort anders aus.

Tja, und gar nicht erst erwähnt wird das, was meiner Ansicht nach einer der zentralen Punkte bei derartigen Themen sein müsste: Der Selbstbetrug vieler Web-Nutzer, die Informations-Häppchen für „Wissen“ halten. Ich habe das in einem kleinen Aufsatz 2005 einmal die „Die Googleisierung der Bildung“ genannt. In 5 Minuten wähnt man sich dank Google-Fundstellen als Fachmann für ärztliche Fragen (man hat die Zusammensetzung eines Medikaments entdeckt), als Fachmann in Unterhaltsfragen (jemand hat in einem Forum steif und fest erklärt, dass man nicht zahlen muss), als Fachmann in Mietrecht (klar kann man die Küche grün streichen, dazu gibt es einen EU-Beschluss). Jene, die zuvor gelernt haben, wie man Information verarbeitet, wissen derartige Häppchen einzuordnen und zu bewerten – und werden nach wie vor zu einer guten Zeitung oder einem guten Buch greifen, um sich echtes Hintergrundwissen anzueignen. Während jene, die neben Fun-Videos und Tralala-Liedchen auch mal ein Stück Text im Netz ergattern, mit stolzgeschwellter Brust zu ihrem Stammtisch … Aber lassen wir das.

Fazit: Thema wäre eine Diskussion wert, ein paar dünne Anregungen gibt der Artikel auch her – mehr aber auch nicht. Und die Antwort auf die Frage? Die könnte so aussehen:

Manchmal, aber nur manchmal ...

Manchmal, aber nur manchmal ...

[1] Einige Artikel von Edward Tufte, z. B. PowerPoint Is Evil, 2003. Als Folge davon einige deutsche Artikel meist mit der Überschrift „Powerpoint macht dumm“, z. B. SZ Magazin Nr. vom 26.03.2004.

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  1. Ohne Worte
    Aug 11, 2008

    freu mich schon drauf, dass zu lesen, aber hab schon gedacht, dass dort kein endgültiges urteil für eine partei gefällt wird…

  2. Ohne Worte
    Aug 11, 2008

    freu mich schon drauf, dass zu lesen, aber hab schon gedacht, dass dort kein endgültiges urteil für eine partei gefällt wird…

  3. Ohne Worte
    Aug 11, 2008

    freu mich schon drauf, dass zu lesen, aber hab schon gedacht, dass dort kein endgültiges urteil für eine partei gefällt wird…

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