Abenteuer in der Damenabteilung

Frauenkleider

Allein unter Kleidern

„Nein, nein – hier finde nichts“, sagt Laura. Laura, die modebewussteste von allen Freundinnen, geht schnellen Schrittes vor mir her. Ich trotte hinten drein. Ort der Handlung: Peek & Cloppenburg. Solche Damenabteilungen machen mich immer nervös, hier bin ich einfach nicht zu Hause. Das ist mir auch viel zu viel Auswahl – all diese Stoffe, Schnitte und Farben machen mich ganz hibbelig. Da lobe ich mir die Herrenabteilung: Ich will eine Hose. Also gehe ich in die rechte Ecke, wo es Hosen gibt, gehe zu meiner Kleidergröße, entscheide mich für eine in Schwarz oder Grau, gehe in die Umkleidekabine, komme raus und zahle. Wenn sie besonders gut passt, nehme ich gleich noch eine zweite von der Sorte. Ein Vorgang, der sich einmal jährlich abspielt und in 20 Minuten erledigt ist.
Nicht so bei Laura. Laura sucht was im „Sale“-Bereich für die „Mid-Season“, was leicht ist und was man bei einer Einladung tragen kann und das zu ganz bestimmten Schuhen passt, die sie zwar erst anschließend erwerben wird, von denen sie aber schon sehr genaue Vorstellungen hat. Der eingangs erwähnte Satz „hier finde ich nichts“ ist dabei völlig bedeutungslos. Für mich als Mann wäre das eigentlich das Signal, das Geschäft zu verlassen. Nicht für Laura. Laura zieht unentwegt weitere Kleidungsstücke von den Stangen, manchmal auch zwei gleichzeitig, um sie gegeneinander zu vergleichen, rümpft die Nase, hängt sie zurück. Schließlich erweckt ein braunes Sommerkleid mit Rottönen ihr Interesse, jedenfalls behält sie es länger als 30 Sekunden in der Hand. Sie schaut sich nach mir um und fragt: „Na, wie findest du das?“ Ich antworte hoffnungschöpfend: „Das sieht gut aus! Nimm es! Und lass uns gehen.“ Sie geht nicht weiter auf mich ein, legt das Kleid über ihren angewinkelten Arm und betrachtet aufmerksam die Kleidungsstücke links und rechts davon. Ich will auch nicht untätig sein und mache sie auf ein weiteres Kleid aufmerksam, das ihrer Wahl sehr ähnlich sieht. Eigentlich ist es identisch und hat lediglich 3 Falten mehr. Sie sieht mich empört an: „Das da?“ Das ist keine Frage, sondern ein Vorwurf. „Aber hör‘ mal! Nie und nimmer!“ Ich verstumme. Eigentlich sehe ich keinen Unterschied, aber offensichtlich scheint es gewaltige Unterschiede zu geben, die für uns Männer lediglich unsichtbar sind.
Laura hat mir inzwischen ihre Taschen übergeben und wandert mit 3 Stücken in eine Umkleidekabine. Ich fühle mich verpflichtet, in der Nähe zu bleiben, um in einigen Minuten die Anprobe fachmännisch kommentieren zu können. Aber mir ist es unangenehmen, dass aus vier Kabinen gleichzeitig irgendwelche Frauen strömen – eine davon probiert etwas an, was ich als Unterrock klassifizieren würde – und sich in den Spiegeln anschauen. Nein, ich will diesen Frauen nicht zusehen – aber in welche Richtung soll ich schauen? Überall weitere Kleider und weitere Frauen, ich völlig verloren zwischen den Kleiderständen. In mir steigt das Gefühl auf, dass sich gleich eine Hand auf meine Schulter legen wird und ich als Sittenstrolch verhaftet werde.
Laura taucht auf. Ich atme auf – ich kann nun den anderen Frauen beweisen, dass ich mich hier völlig legal aufhalte und sage daher mit lauter Stimme: „Mensch, das sieht toll aus!“ Sie wendet den Blick nicht vom Spiegel weg und fragt zweifelnd: „Meinst du wirklich? Also da unterm Arm, hm, das sitzt irgendwie nicht richtig.“ Ich kann nichts unter ihrem Arm entdecken, weil ich größer bin als sie. Laura verschwindet wieder und taucht mit Nr. 2 auf. „Und das – wie findest du das?“ „Auch sehr hübsch“, sage ich. „Hübsch, hübsch …“, wieder bleibt das Augenpaar von Laura auf den Spiegel geheftet, auch wenn sie mit mir spricht. „Es soll nicht ‚hübsch‘ sein, es soll mir stehen.“ „Es steht Dir wunderbar!“ sage ich im Brustton der Überzeugung. Laura murmelt irgendetwas, was ich nicht verstehe, und verschwindet wieder in der Kabine. Ich habe den Eindruck, dass ich von einigen Frauen angeschaut werde, so, wie man einen Fremdkörper anschaut. Und genauso fühlte ich mich weiterhin. Laura tauchte auf, mit allen drei Stücken über dem Arm. Ja, ich würde ihr auch fröhlichen Herzens alle drei Kleider kaufen, wenn ich mich damit aus dieser Abteilung loskaufen könnte. Aber diesen Punkt haben wir noch nicht erreicht. Sie hängt die Kleider wieder an die Ständer und schüttelt den Kopf. Ich seufze.
Laura bewegt sich sicheren Schrittes in eine völlig andere Ecke des Stockwerks. Die Ecke sieht teuer aus und diesmal werden wir von einer Verkäuferin bedient. Das heißt, ich eigentlich nicht. Ich werde ignoriert. Aber Laura erhält Empfehlungen, ihr werden diverse Stücke vorgelegt, gemeinsam schüttelt man den Kopf, Laura verschwindet mit 2 Kleidern in einer anderen Kabine, die Verkäuferin schenkt mir ein schnelles Lächeln, bevor sie mich vergisst und ich erspähe 10 Meter weiter einen Sessel. Genau das, was ich jetzt brauche. Der Sessel ist in sicherem Abstand zur Kabine und kann etwas lesen. Jedoch: Kurz bevor ich das gute Stück erreiche, hat ihn ein anderer Geschlechtsgenosse belegt. Wir winken uns kurz zu und ich bahne mir den Rückweg.
Zehn Minuten später taucht Laura aus der Kabine auf, die Verkäuferin ebenfalls (nicht aus der Kabine), beide nicken, Laura verschwindet, die Verkäuferin verschwindet, ich werfe einen sehnsüchtigen Blick auf den Sessel. Aber der bleibt eisern belegt. Laura taucht wieder auf, drückt der Verkäuferin lächelnd die Kleider in die Hand, sagt, dass sie es sich noch einmal durch den Kopf gehen lassen will und steuert auf mich zu. Während wir unterwegs zur Rolltreppe sind, meint Laura, dass das erste ja nicht schlecht gewesen sei, andererseits … in diesem Moment entdeckt sie ein braunes Sommerkleid mit Rottönen, auf das eine andere Kundin zusteuert. Der Partner dieser Kundin hat allerdings Atemprobleme und so erreicht Laura eine Sekunde früher das letzte Exemplar. Dass sie sich wütende Blicke der Mitbewerberin einfängt, ringt ihr ein triumphierendes Lächeln ab. Kurz verschwindet sie in der Kabine, kommt strahlend zurück, drückt mir das Kleid in die Hand und sagt: „Endlich – das oder keines! Das lange Suchen hat ein Ende.“ Ich atme auf und bringe es zur Kasse. Ja, ich kenne es. Es ist das Kleid von vorhin. Das mit den drei Falten mehr. Doch ich bin viel zu glücklich, um über Vergangenes nachzudenken …“

6 Kommentare

  1. Geneviève
    Mai 3, 2010

    Herrlich, wie Du den Shopping-Wahn von Laura erzählst und was Du als Mann dabei empfindest!

    Also ich bin nicht so extrem wie Laura, aber ich kann Euch Männer gut verstehen…

    Mein Mann benimmt sich in etwa so wie Laura, wenn ich IHN in den Baumarkt begeleite… 😉

    Deshalb gehen wir getrennt zum Shopping … er in den Baumarkt und ich in die Kleidergeschäfte 😀

    Na denn, wünsche Dir eine schöne Woche!

    LG
    Geneviève

  2. Geneviève
    Mai 3, 2010

    Herrlich, wie Du den Shopping-Wahn von Laura erzählst und was Du als Mann dabei empfindest!

    Also ich bin nicht so extrem wie Laura, aber ich kann Euch Männer gut verstehen…

    Mein Mann benimmt sich in etwa so wie Laura, wenn ich IHN in den Baumarkt begeleite… 😉

    Deshalb gehen wir getrennt zum Shopping … er in den Baumarkt und ich in die Kleidergeschäfte 😀

    Na denn, wünsche Dir eine schöne Woche!

    LG
    Geneviève

  3. Geneviève
    Mai 3, 2010

    Herrlich, wie Du den Shopping-Wahn von Laura erzählst und was Du als Mann dabei empfindest!

    Also ich bin nicht so extrem wie Laura, aber ich kann Euch Männer gut verstehen…

    Mein Mann benimmt sich in etwa so wie Laura, wenn ich IHN in den Baumarkt begeleite… 😉

    Deshalb gehen wir getrennt zum Shopping … er in den Baumarkt und ich in die Kleidergeschäfte 😀

    Na denn, wünsche Dir eine schöne Woche!

    LG
    Geneviève

  4. @dworni
    Mai 8, 2010

    Grossartig. Grausam. Ich brauch n Bier.

  5. @dworni
    Mai 8, 2010

    Grossartig. Grausam. Ich brauch n Bier.

  6. @dworni
    Mai 8, 2010

    Grossartig. Grausam. Ich brauch n Bier.

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Abenteuer in der Damenabteilung

Frauenkleider

Allein unter Kleidern

„Nein, nein – hier finde nichts“, sagt Laura. Laura, die modebewussteste von allen Freundinnen, geht schnellen Schrittes vor mir her. Ich trotte hinten drein. Ort der Handlung: Peek & Cloppenburg. Solche Damenabteilungen machen mich immer nervös, hier bin ich einfach nicht zu Hause. Das ist mir auch viel zu viel Auswahl – all diese Stoffe, Schnitte und Farben machen mich ganz hibbelig. Da lobe ich mir die Herrenabteilung: Ich will eine Hose. Also gehe ich in die rechte Ecke, wo es Hosen gibt, gehe zu meiner Kleidergröße, entscheide mich für eine in Schwarz oder Grau, gehe in die Umkleidekabine, komme raus und zahle. Wenn sie besonders gut passt, nehme ich gleich noch eine zweite von der Sorte. Ein Vorgang, der sich einmal jährlich abspielt und in 20 Minuten erledigt ist.
Nicht so bei Laura. Laura sucht was im „Sale“-Bereich für die „Mid-Season“, was leicht ist und was man bei einer Einladung tragen kann und das zu ganz bestimmten Schuhen passt, die sie zwar erst anschließend erwerben wird, von denen sie aber schon sehr genaue Vorstellungen hat. Der eingangs erwähnte Satz „hier finde ich nichts“ ist dabei völlig bedeutungslos. Für mich als Mann wäre das eigentlich das Signal, das Geschäft zu verlassen. Nicht für Laura. Laura zieht unentwegt weitere Kleidungsstücke von den Stangen, manchmal auch zwei gleichzeitig, um sie gegeneinander zu vergleichen, rümpft die Nase, hängt sie zurück. Schließlich erweckt ein braunes Sommerkleid mit Rottönen ihr Interesse, jedenfalls behält sie es länger als 30 Sekunden in der Hand. Sie schaut sich nach mir um und fragt: „Na, wie findest du das?“ Ich antworte hoffnungschöpfend: „Das sieht gut aus! Nimm es! Und lass uns gehen.“ Sie geht nicht weiter auf mich ein, legt das Kleid über ihren angewinkelten Arm und betrachtet aufmerksam die Kleidungsstücke links und rechts davon. Ich will auch nicht untätig sein und mache sie auf ein weiteres Kleid aufmerksam, das ihrer Wahl sehr ähnlich sieht. Eigentlich ist es identisch und hat lediglich 3 Falten mehr. Sie sieht mich empört an: „Das da?“ Das ist keine Frage, sondern ein Vorwurf. „Aber hör‘ mal! Nie und nimmer!“ Ich verstumme. Eigentlich sehe ich keinen Unterschied, aber offensichtlich scheint es gewaltige Unterschiede zu geben, die für uns Männer lediglich unsichtbar sind.
Laura hat mir inzwischen ihre Taschen übergeben und wandert mit 3 Stücken in eine Umkleidekabine. Ich fühle mich verpflichtet, in der Nähe zu bleiben, um in einigen Minuten die Anprobe fachmännisch kommentieren zu können. Aber mir ist es unangenehmen, dass aus vier Kabinen gleichzeitig irgendwelche Frauen strömen – eine davon probiert etwas an, was ich als Unterrock klassifizieren würde – und sich in den Spiegeln anschauen. Nein, ich will diesen Frauen nicht zusehen – aber in welche Richtung soll ich schauen? Überall weitere Kleider und weitere Frauen, ich völlig verloren zwischen den Kleiderständen. In mir steigt das Gefühl auf, dass sich gleich eine Hand auf meine Schulter legen wird und ich als Sittenstrolch verhaftet werde.
Laura taucht auf. Ich atme auf – ich kann nun den anderen Frauen beweisen, dass ich mich hier völlig legal aufhalte und sage daher mit lauter Stimme: „Mensch, das sieht toll aus!“ Sie wendet den Blick nicht vom Spiegel weg und fragt zweifelnd: „Meinst du wirklich? Also da unterm Arm, hm, das sitzt irgendwie nicht richtig.“ Ich kann nichts unter ihrem Arm entdecken, weil ich größer bin als sie. Laura verschwindet wieder und taucht mit Nr. 2 auf. „Und das – wie findest du das?“ „Auch sehr hübsch“, sage ich. „Hübsch, hübsch …“, wieder bleibt das Augenpaar von Laura auf den Spiegel geheftet, auch wenn sie mit mir spricht. „Es soll nicht ‚hübsch‘ sein, es soll mir stehen.“ „Es steht Dir wunderbar!“ sage ich im Brustton der Überzeugung. Laura murmelt irgendetwas, was ich nicht verstehe, und verschwindet wieder in der Kabine. Ich habe den Eindruck, dass ich von einigen Frauen angeschaut werde, so, wie man einen Fremdkörper anschaut. Und genauso fühlte ich mich weiterhin. Laura tauchte auf, mit allen drei Stücken über dem Arm. Ja, ich würde ihr auch fröhlichen Herzens alle drei Kleider kaufen, wenn ich mich damit aus dieser Abteilung loskaufen könnte. Aber diesen Punkt haben wir noch nicht erreicht. Sie hängt die Kleider wieder an die Ständer und schüttelt den Kopf. Ich seufze.
Laura bewegt sich sicheren Schrittes in eine völlig andere Ecke des Stockwerks. Die Ecke sieht teuer aus und diesmal werden wir von einer Verkäuferin bedient. Das heißt, ich eigentlich nicht. Ich werde ignoriert. Aber Laura erhält Empfehlungen, ihr werden diverse Stücke vorgelegt, gemeinsam schüttelt man den Kopf, Laura verschwindet mit 2 Kleidern in einer anderen Kabine, die Verkäuferin schenkt mir ein schnelles Lächeln, bevor sie mich vergisst und ich erspähe 10 Meter weiter einen Sessel. Genau das, was ich jetzt brauche. Der Sessel ist in sicherem Abstand zur Kabine und kann etwas lesen. Jedoch: Kurz bevor ich das gute Stück erreiche, hat ihn ein anderer Geschlechtsgenosse belegt. Wir winken uns kurz zu und ich bahne mir den Rückweg.
Zehn Minuten später taucht Laura aus der Kabine auf, die Verkäuferin ebenfalls (nicht aus der Kabine), beide nicken, Laura verschwindet, die Verkäuferin verschwindet, ich werfe einen sehnsüchtigen Blick auf den Sessel. Aber der bleibt eisern belegt. Laura taucht wieder auf, drückt der Verkäuferin lächelnd die Kleider in die Hand, sagt, dass sie es sich noch einmal durch den Kopf gehen lassen will und steuert auf mich zu. Während wir unterwegs zur Rolltreppe sind, meint Laura, dass das erste ja nicht schlecht gewesen sei, andererseits … in diesem Moment entdeckt sie ein braunes Sommerkleid mit Rottönen, auf das eine andere Kundin zusteuert. Der Partner dieser Kundin hat allerdings Atemprobleme und so erreicht Laura eine Sekunde früher das letzte Exemplar. Dass sie sich wütende Blicke der Mitbewerberin einfängt, ringt ihr ein triumphierendes Lächeln ab. Kurz verschwindet sie in der Kabine, kommt strahlend zurück, drückt mir das Kleid in die Hand und sagt: „Endlich – das oder keines! Das lange Suchen hat ein Ende.“ Ich atme auf und bringe es zur Kasse. Ja, ich kenne es. Es ist das Kleid von vorhin. Das mit den drei Falten mehr. Doch ich bin viel zu glücklich, um über Vergangenes nachzudenken …“

6 Kommentare

  1. Geneviève
    Mai 3, 2010

    Herrlich, wie Du den Shopping-Wahn von Laura erzählst und was Du als Mann dabei empfindest!

    Also ich bin nicht so extrem wie Laura, aber ich kann Euch Männer gut verstehen…

    Mein Mann benimmt sich in etwa so wie Laura, wenn ich IHN in den Baumarkt begeleite… 😉

    Deshalb gehen wir getrennt zum Shopping … er in den Baumarkt und ich in die Kleidergeschäfte 😀

    Na denn, wünsche Dir eine schöne Woche!

    LG
    Geneviève

  2. Geneviève
    Mai 3, 2010

    Herrlich, wie Du den Shopping-Wahn von Laura erzählst und was Du als Mann dabei empfindest!

    Also ich bin nicht so extrem wie Laura, aber ich kann Euch Männer gut verstehen…

    Mein Mann benimmt sich in etwa so wie Laura, wenn ich IHN in den Baumarkt begeleite… 😉

    Deshalb gehen wir getrennt zum Shopping … er in den Baumarkt und ich in die Kleidergeschäfte 😀

    Na denn, wünsche Dir eine schöne Woche!

    LG
    Geneviève

  3. Geneviève
    Mai 3, 2010

    Herrlich, wie Du den Shopping-Wahn von Laura erzählst und was Du als Mann dabei empfindest!

    Also ich bin nicht so extrem wie Laura, aber ich kann Euch Männer gut verstehen…

    Mein Mann benimmt sich in etwa so wie Laura, wenn ich IHN in den Baumarkt begeleite… 😉

    Deshalb gehen wir getrennt zum Shopping … er in den Baumarkt und ich in die Kleidergeschäfte 😀

    Na denn, wünsche Dir eine schöne Woche!

    LG
    Geneviève

  4. @dworni
    Mai 8, 2010

    Grossartig. Grausam. Ich brauch n Bier.

  5. @dworni
    Mai 8, 2010

    Grossartig. Grausam. Ich brauch n Bier.

  6. @dworni
    Mai 8, 2010

    Grossartig. Grausam. Ich brauch n Bier.

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Abenteuer in der Damenabteilung

Frauenkleider

Allein unter Kleidern

„Nein, nein – hier finde nichts“, sagt Laura. Laura, die modebewussteste von allen Freundinnen, geht schnellen Schrittes vor mir her. Ich trotte hinten drein. Ort der Handlung: Peek & Cloppenburg. Solche Damenabteilungen machen mich immer nervös, hier bin ich einfach nicht zu Hause. Das ist mir auch viel zu viel Auswahl – all diese Stoffe, Schnitte und Farben machen mich ganz hibbelig. Da lobe ich mir die Herrenabteilung: Ich will eine Hose. Also gehe ich in die rechte Ecke, wo es Hosen gibt, gehe zu meiner Kleidergröße, entscheide mich für eine in Schwarz oder Grau, gehe in die Umkleidekabine, komme raus und zahle. Wenn sie besonders gut passt, nehme ich gleich noch eine zweite von der Sorte. Ein Vorgang, der sich einmal jährlich abspielt und in 20 Minuten erledigt ist.
Nicht so bei Laura. Laura sucht was im „Sale“-Bereich für die „Mid-Season“, was leicht ist und was man bei einer Einladung tragen kann und das zu ganz bestimmten Schuhen passt, die sie zwar erst anschließend erwerben wird, von denen sie aber schon sehr genaue Vorstellungen hat. Der eingangs erwähnte Satz „hier finde ich nichts“ ist dabei völlig bedeutungslos. Für mich als Mann wäre das eigentlich das Signal, das Geschäft zu verlassen. Nicht für Laura. Laura zieht unentwegt weitere Kleidungsstücke von den Stangen, manchmal auch zwei gleichzeitig, um sie gegeneinander zu vergleichen, rümpft die Nase, hängt sie zurück. Schließlich erweckt ein braunes Sommerkleid mit Rottönen ihr Interesse, jedenfalls behält sie es länger als 30 Sekunden in der Hand. Sie schaut sich nach mir um und fragt: „Na, wie findest du das?“ Ich antworte hoffnungschöpfend: „Das sieht gut aus! Nimm es! Und lass uns gehen.“ Sie geht nicht weiter auf mich ein, legt das Kleid über ihren angewinkelten Arm und betrachtet aufmerksam die Kleidungsstücke links und rechts davon. Ich will auch nicht untätig sein und mache sie auf ein weiteres Kleid aufmerksam, das ihrer Wahl sehr ähnlich sieht. Eigentlich ist es identisch und hat lediglich 3 Falten mehr. Sie sieht mich empört an: „Das da?“ Das ist keine Frage, sondern ein Vorwurf. „Aber hör‘ mal! Nie und nimmer!“ Ich verstumme. Eigentlich sehe ich keinen Unterschied, aber offensichtlich scheint es gewaltige Unterschiede zu geben, die für uns Männer lediglich unsichtbar sind.
Laura hat mir inzwischen ihre Taschen übergeben und wandert mit 3 Stücken in eine Umkleidekabine. Ich fühle mich verpflichtet, in der Nähe zu bleiben, um in einigen Minuten die Anprobe fachmännisch kommentieren zu können. Aber mir ist es unangenehmen, dass aus vier Kabinen gleichzeitig irgendwelche Frauen strömen – eine davon probiert etwas an, was ich als Unterrock klassifizieren würde – und sich in den Spiegeln anschauen. Nein, ich will diesen Frauen nicht zusehen – aber in welche Richtung soll ich schauen? Überall weitere Kleider und weitere Frauen, ich völlig verloren zwischen den Kleiderständen. In mir steigt das Gefühl auf, dass sich gleich eine Hand auf meine Schulter legen wird und ich als Sittenstrolch verhaftet werde.
Laura taucht auf. Ich atme auf – ich kann nun den anderen Frauen beweisen, dass ich mich hier völlig legal aufhalte und sage daher mit lauter Stimme: „Mensch, das sieht toll aus!“ Sie wendet den Blick nicht vom Spiegel weg und fragt zweifelnd: „Meinst du wirklich? Also da unterm Arm, hm, das sitzt irgendwie nicht richtig.“ Ich kann nichts unter ihrem Arm entdecken, weil ich größer bin als sie. Laura verschwindet wieder und taucht mit Nr. 2 auf. „Und das – wie findest du das?“ „Auch sehr hübsch“, sage ich. „Hübsch, hübsch …“, wieder bleibt das Augenpaar von Laura auf den Spiegel geheftet, auch wenn sie mit mir spricht. „Es soll nicht ‚hübsch‘ sein, es soll mir stehen.“ „Es steht Dir wunderbar!“ sage ich im Brustton der Überzeugung. Laura murmelt irgendetwas, was ich nicht verstehe, und verschwindet wieder in der Kabine. Ich habe den Eindruck, dass ich von einigen Frauen angeschaut werde, so, wie man einen Fremdkörper anschaut. Und genauso fühlte ich mich weiterhin. Laura tauchte auf, mit allen drei Stücken über dem Arm. Ja, ich würde ihr auch fröhlichen Herzens alle drei Kleider kaufen, wenn ich mich damit aus dieser Abteilung loskaufen könnte. Aber diesen Punkt haben wir noch nicht erreicht. Sie hängt die Kleider wieder an die Ständer und schüttelt den Kopf. Ich seufze.
Laura bewegt sich sicheren Schrittes in eine völlig andere Ecke des Stockwerks. Die Ecke sieht teuer aus und diesmal werden wir von einer Verkäuferin bedient. Das heißt, ich eigentlich nicht. Ich werde ignoriert. Aber Laura erhält Empfehlungen, ihr werden diverse Stücke vorgelegt, gemeinsam schüttelt man den Kopf, Laura verschwindet mit 2 Kleidern in einer anderen Kabine, die Verkäuferin schenkt mir ein schnelles Lächeln, bevor sie mich vergisst und ich erspähe 10 Meter weiter einen Sessel. Genau das, was ich jetzt brauche. Der Sessel ist in sicherem Abstand zur Kabine und kann etwas lesen. Jedoch: Kurz bevor ich das gute Stück erreiche, hat ihn ein anderer Geschlechtsgenosse belegt. Wir winken uns kurz zu und ich bahne mir den Rückweg.
Zehn Minuten später taucht Laura aus der Kabine auf, die Verkäuferin ebenfalls (nicht aus der Kabine), beide nicken, Laura verschwindet, die Verkäuferin verschwindet, ich werfe einen sehnsüchtigen Blick auf den Sessel. Aber der bleibt eisern belegt. Laura taucht wieder auf, drückt der Verkäuferin lächelnd die Kleider in die Hand, sagt, dass sie es sich noch einmal durch den Kopf gehen lassen will und steuert auf mich zu. Während wir unterwegs zur Rolltreppe sind, meint Laura, dass das erste ja nicht schlecht gewesen sei, andererseits … in diesem Moment entdeckt sie ein braunes Sommerkleid mit Rottönen, auf das eine andere Kundin zusteuert. Der Partner dieser Kundin hat allerdings Atemprobleme und so erreicht Laura eine Sekunde früher das letzte Exemplar. Dass sie sich wütende Blicke der Mitbewerberin einfängt, ringt ihr ein triumphierendes Lächeln ab. Kurz verschwindet sie in der Kabine, kommt strahlend zurück, drückt mir das Kleid in die Hand und sagt: „Endlich – das oder keines! Das lange Suchen hat ein Ende.“ Ich atme auf und bringe es zur Kasse. Ja, ich kenne es. Es ist das Kleid von vorhin. Das mit den drei Falten mehr. Doch ich bin viel zu glücklich, um über Vergangenes nachzudenken …“

6 Kommentare

  1. Geneviève
    Mai 3, 2010

    Herrlich, wie Du den Shopping-Wahn von Laura erzählst und was Du als Mann dabei empfindest!

    Also ich bin nicht so extrem wie Laura, aber ich kann Euch Männer gut verstehen…

    Mein Mann benimmt sich in etwa so wie Laura, wenn ich IHN in den Baumarkt begeleite… 😉

    Deshalb gehen wir getrennt zum Shopping … er in den Baumarkt und ich in die Kleidergeschäfte 😀

    Na denn, wünsche Dir eine schöne Woche!

    LG
    Geneviève

  2. Geneviève
    Mai 3, 2010

    Herrlich, wie Du den Shopping-Wahn von Laura erzählst und was Du als Mann dabei empfindest!

    Also ich bin nicht so extrem wie Laura, aber ich kann Euch Männer gut verstehen…

    Mein Mann benimmt sich in etwa so wie Laura, wenn ich IHN in den Baumarkt begeleite… 😉

    Deshalb gehen wir getrennt zum Shopping … er in den Baumarkt und ich in die Kleidergeschäfte 😀

    Na denn, wünsche Dir eine schöne Woche!

    LG
    Geneviève

  3. Geneviève
    Mai 3, 2010

    Herrlich, wie Du den Shopping-Wahn von Laura erzählst und was Du als Mann dabei empfindest!

    Also ich bin nicht so extrem wie Laura, aber ich kann Euch Männer gut verstehen…

    Mein Mann benimmt sich in etwa so wie Laura, wenn ich IHN in den Baumarkt begeleite… 😉

    Deshalb gehen wir getrennt zum Shopping … er in den Baumarkt und ich in die Kleidergeschäfte 😀

    Na denn, wünsche Dir eine schöne Woche!

    LG
    Geneviève

  4. @dworni
    Mai 8, 2010

    Grossartig. Grausam. Ich brauch n Bier.

  5. @dworni
    Mai 8, 2010

    Grossartig. Grausam. Ich brauch n Bier.

  6. @dworni
    Mai 8, 2010

    Grossartig. Grausam. Ich brauch n Bier.

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