Frühlingsgefühle bei Ludmilla

SDie Bienchen summen ...

– dieses Video habe ich auch schon seit Jahren nicht mehr gesehen! Ich sollte es raussuchen. Also gehe ich den Keller zu den Kisten mit den alten Videobändern. Zwar finde ich nicht das Polt-Video, dafür aber „Predator II“ – der einzige Predator-Film, der sich wirklich lohnt. Ich schleppe ihn nach oben und finde ihn immer noch toll. Okay, es wird 2.30 Uhr, bis ich wieder den Weg ins Bett finde, dafür schlafe ich dann aber auch direkt ein.
Um 8 Uhr morgens rüttelt Ludmilla an mir und fragt, ob ich schon das Frühstück gemacht hätte. Wir wollten doch gleich los. Nur mühsam kehrt die Erinnerung an das Ausflugsvorhaben zurück, ich wanke in die Küche, bereite im Halbschlaf einen Kaffee zu, denke, dass eine ausgiebige Dusche jetzt genau richtig wäre, sehe dabei, dass die Badezimmerkachel noch immer abgebrochen ist, hole den Spezialkleber, den ich letzten Herbst für die Reparatur besorgt hatte und rühre ihn an. Knapp 40 Minuten später dringt von der Küche her ein Schrei durch die Tür, dass ich mal „hinne“ machen solle, sie wolle auch noch ins Bad und die Sonne stünde schon ganz hoch. Wir erinnern uns: Es ist 8:40 Uhr. Ich räume das Zeug weg, die Türklinke wird mir mit den Hinweis aus der Hand gerissen, ich solle mich schnell anziehen, sie bräuchte nur 5 Minuten, will mir in der Küche eine Tasse Kaffee schnappen, stelle fest, das Ludmilla ohne mich gefrühstückt hat und das Geschirr bereits in der Geschirrspülmaschine ist. Einschließlich meiner – unbenutzten! – Tasse. Widerwillig ziehe ich mich an und warte auf Ludmilla, die gegen 9:20 Uhr aus dem Bad kommt, zum Fenster raus schaut, feststellt, dass die Sonne noch heller als erwartet scheint und dass sie daher etwas „Leichteres“ anziehen müsse. Damit verschwindet sie ins Schlafzimmer. Ich schau sehnsüchtig die Kaffeemaschine an und überlege, ob die Zeit reicht. Wahrscheinlich nicht. Also warte ich und stiere vor mich hin. Nach 15 Minuten bin ich der Ansicht, dass die Zeit wohl doch reicht und setze einen Kaffee auf. Das ist der Moment, in dem Ludmilla aus dem Schlafzimmer kommt und fragt, was ich denn noch in der Küche machen würde. Meinen Hinweis auf den Kaffee wischt sie beiseite („Du hattest doch erst welchen!“) und belädt einen Rucksack mit diversen Dingen, um ihn mir dann in die Hand zu drücken. Um 9:50 Uhr verlassen wir die Wohnung. Ich lasse den Motor an und frage erwartungsvoll, wo es denn hingegen soll. Ludmilla schaut mich mit großen Augen an. „Wie?“ fragt sie und es klingt unheilvoll. „Du hast Dir noch keine Gedanken darüber gemacht? Was hast Du denn in all der Zeit getan?!“ Ich zeige, dass ich zerknirscht bin und völlig ideenlos bezüglich eines Ausflugsziels. Ludmilla schaut zum Himmel, genauer: zum Autodach, seufzt und spricht dann zu mir in jenem Ton, den ich nicht ausstehen kann. Es ist exakt die Tonlage, mit der eine Mutter ihren 3-jährigen Sohn anspricht! „Mein Lieber, Du gehst jetzt noch mal schön rein und holst aus dem Bücherregal unsere beiden Reiseführer. Da werden wir ja wohl noch was finden. Mach zu – sonst ist die Sonne weg!“ Natürlich. Da es ganz offensichtlich meine alleinige Schuld ist, dass „wir“ uns kein Reiseziel überlegt haben, gehe ich noch mal in die Wohnung zu den Bücherregalen. Ich bin ein ordnungsliebender Mensch, finde ich sogar gleich die Rubrik „Reisen und Abenteuer“. Dabei fällt mir der Band „Vergessene Klöster. Reise in die Klosterlandschaft am Nordrand des Harzes“ in die Hände, den uns Tante Hilde einmal geschenkt hat. Also thematisch passt der ja. Obwohl Allgäu und Harz … hm … andererseits sehne ich mich ja schon lange danach, mal eine Woche Urlaub in einem Kloster zu machen. So ganz ohne Fernsehen, Computer usw. tief in mich zu gehen. Ich blättere in den Klosterbeschreibungen und denke darüber nach, ob ich nicht doch noch etwas Literatur für unterwegs einpacken sollte. Schließlich habe ich „DIE ZEIT“ vom Donnerstag noch nicht vollständig gelesen. Während ich noch den Zeitungsteil „Chancen“ suche (den hat bestimmt Ludmilla als Letzte gehabt!), kommt die aufgeweckteste von allen Freundinnen auch schon verärgert zur Tür herein und fragte, wo ich denn bleibe. Gleich sei der Frühling vorbei. Ich finde das übertrieben (es ist gerade mal 10:10 Uhr), aber reiche ihr als Zeichen der Versöhnung den Band „Allgäu. Freizeit mit Kindern“. Sie presst zwischen den Lippen hervor „Pff, das passt ja“, blättert aber doch darin. Plötzlich hellt sich ihre Miene auf, sie deutete auf einen See mit prähistorischen Funden. „Toll“, sagte ich und war Feuer und Flamme. „Da müssen wir uns aber anders anziehen“, meint sie und schaut mich an. „Wetterfester“, ergänzt sie, da ich wahrscheinlich zu verständnislos dreinschaue. Als ich immer noch nicht verstehe, liest sie mir Satz für Satz vor, dass wir es dort mit sumpfigem Gelände zu tun hätten. Meine Begeisterung wächst von Satz zu Satz. Ludmilla verschwindet ins Schlafzimmer, ich in den Keller, um die Hosen vom letzten Nordseeurlaub aufzutreiben. Bei denen machte es nichts, wenn die noch ein paar zusätzliche Flecken bekamen. Es dauerte bei mir ca. 20 Minuten, bis ich alles gefunden und angezogen hatte. Ich stehe in der Küche und schaue auf die Kaffeemaschine. Unternehme aber nichts. Ich bin müde und hungrig. Und ich frage mich, warum die ganze Welt gegen mich ist. 15 Minuten später kommt Ludmilla aus dem Schlafzimmer – in einem locker-flockigen Frühlingskleid. Während ich in wetterfestem Ölzeug da stehe. „Ach“, sagt Ludmilla, „das tut mir jetzt leid. Bienchen hat angerufen, während Du unten warst. In Blaubeuren ist heute ein Osterflohmarkt. Sie holt mich gleich ab, wir wollen mal so einen richtigen ‚Frauentag‘ machen. Du interessierst Dich für so was ja ohnehin nicht, gell Schatzi.“ Sie kneift mich in die Wange. „Jetzt freu‘ Dich doch. Endlich hast Du mal einen Tag ganz für Dich und kannst machen was Du willst.“ Sie entschwindet. Ich sinke müde und abgekämpft auf den Küchenstuhl und bin keine 2 Minuten später eingenickt …

15 Kommentare

  1. Synox
    Mrz 12, 2007

    Wunderbarer Post… Kommt mir irgendwie bekannt vor… 😀

  2. Synox
    Mrz 12, 2007

    Wunderbarer Post… Kommt mir irgendwie bekannt vor… 😀

  3. Synox
    Mrz 12, 2007

    Wunderbarer Post… Kommt mir irgendwie bekannt vor… 😀

  4. NIXtun
    Mrz 13, 2007

    Hey,
    einfach ein herrlicher Artikel! 😉

  5. NIXtun
    Mrz 13, 2007

    Hey,
    einfach ein herrlicher Artikel! 😉

  6. NIXtun
    Mrz 13, 2007

    Hey,
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  7. stueckle
    Mrz 13, 2007

    ups…könnte ich sein *ertappt guck*

  8. stueckle
    Mrz 13, 2007

    ups…könnte ich sein *ertappt guck*

  9. stueckle
    Mrz 13, 2007

    ups…könnte ich sein *ertappt guck*

  10. Senderin
    Mrz 13, 2007

    Wie war denn die Wanderung? *grins*

  11. Senderin
    Mrz 13, 2007

    Wie war denn die Wanderung? *grins*

  12. Senderin
    Mrz 13, 2007

    Wie war denn die Wanderung? *grins*

  13. braindump
    Mai 8, 2007

    Genialer Post – aber ich glaube, ich wuerde Ludmilla erwuergen.

  14. braindump
    Mai 8, 2007

    Genialer Post – aber ich glaube, ich wuerde Ludmilla erwuergen.

  15. braindump
    Mai 8, 2007

    Genialer Post – aber ich glaube, ich wuerde Ludmilla erwuergen.

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Frühlingsgefühle bei Ludmilla

SDie Bienchen summen ...

– dieses Video habe ich auch schon seit Jahren nicht mehr gesehen! Ich sollte es raussuchen. Also gehe ich den Keller zu den Kisten mit den alten Videobändern. Zwar finde ich nicht das Polt-Video, dafür aber „Predator II“ – der einzige Predator-Film, der sich wirklich lohnt. Ich schleppe ihn nach oben und finde ihn immer noch toll. Okay, es wird 2.30 Uhr, bis ich wieder den Weg ins Bett finde, dafür schlafe ich dann aber auch direkt ein.
Um 8 Uhr morgens rüttelt Ludmilla an mir und fragt, ob ich schon das Frühstück gemacht hätte. Wir wollten doch gleich los. Nur mühsam kehrt die Erinnerung an das Ausflugsvorhaben zurück, ich wanke in die Küche, bereite im Halbschlaf einen Kaffee zu, denke, dass eine ausgiebige Dusche jetzt genau richtig wäre, sehe dabei, dass die Badezimmerkachel noch immer abgebrochen ist, hole den Spezialkleber, den ich letzten Herbst für die Reparatur besorgt hatte und rühre ihn an. Knapp 40 Minuten später dringt von der Küche her ein Schrei durch die Tür, dass ich mal „hinne“ machen solle, sie wolle auch noch ins Bad und die Sonne stünde schon ganz hoch. Wir erinnern uns: Es ist 8:40 Uhr. Ich räume das Zeug weg, die Türklinke wird mir mit den Hinweis aus der Hand gerissen, ich solle mich schnell anziehen, sie bräuchte nur 5 Minuten, will mir in der Küche eine Tasse Kaffee schnappen, stelle fest, das Ludmilla ohne mich gefrühstückt hat und das Geschirr bereits in der Geschirrspülmaschine ist. Einschließlich meiner – unbenutzten! – Tasse. Widerwillig ziehe ich mich an und warte auf Ludmilla, die gegen 9:20 Uhr aus dem Bad kommt, zum Fenster raus schaut, feststellt, dass die Sonne noch heller als erwartet scheint und dass sie daher etwas „Leichteres“ anziehen müsse. Damit verschwindet sie ins Schlafzimmer. Ich schau sehnsüchtig die Kaffeemaschine an und überlege, ob die Zeit reicht. Wahrscheinlich nicht. Also warte ich und stiere vor mich hin. Nach 15 Minuten bin ich der Ansicht, dass die Zeit wohl doch reicht und setze einen Kaffee auf. Das ist der Moment, in dem Ludmilla aus dem Schlafzimmer kommt und fragt, was ich denn noch in der Küche machen würde. Meinen Hinweis auf den Kaffee wischt sie beiseite („Du hattest doch erst welchen!“) und belädt einen Rucksack mit diversen Dingen, um ihn mir dann in die Hand zu drücken. Um 9:50 Uhr verlassen wir die Wohnung. Ich lasse den Motor an und frage erwartungsvoll, wo es denn hingegen soll. Ludmilla schaut mich mit großen Augen an. „Wie?“ fragt sie und es klingt unheilvoll. „Du hast Dir noch keine Gedanken darüber gemacht? Was hast Du denn in all der Zeit getan?!“ Ich zeige, dass ich zerknirscht bin und völlig ideenlos bezüglich eines Ausflugsziels. Ludmilla schaut zum Himmel, genauer: zum Autodach, seufzt und spricht dann zu mir in jenem Ton, den ich nicht ausstehen kann. Es ist exakt die Tonlage, mit der eine Mutter ihren 3-jährigen Sohn anspricht! „Mein Lieber, Du gehst jetzt noch mal schön rein und holst aus dem Bücherregal unsere beiden Reiseführer. Da werden wir ja wohl noch was finden. Mach zu – sonst ist die Sonne weg!“ Natürlich. Da es ganz offensichtlich meine alleinige Schuld ist, dass „wir“ uns kein Reiseziel überlegt haben, gehe ich noch mal in die Wohnung zu den Bücherregalen. Ich bin ein ordnungsliebender Mensch, finde ich sogar gleich die Rubrik „Reisen und Abenteuer“. Dabei fällt mir der Band „Vergessene Klöster. Reise in die Klosterlandschaft am Nordrand des Harzes“ in die Hände, den uns Tante Hilde einmal geschenkt hat. Also thematisch passt der ja. Obwohl Allgäu und Harz … hm … andererseits sehne ich mich ja schon lange danach, mal eine Woche Urlaub in einem Kloster zu machen. So ganz ohne Fernsehen, Computer usw. tief in mich zu gehen. Ich blättere in den Klosterbeschreibungen und denke darüber nach, ob ich nicht doch noch etwas Literatur für unterwegs einpacken sollte. Schließlich habe ich „DIE ZEIT“ vom Donnerstag noch nicht vollständig gelesen. Während ich noch den Zeitungsteil „Chancen“ suche (den hat bestimmt Ludmilla als Letzte gehabt!), kommt die aufgeweckteste von allen Freundinnen auch schon verärgert zur Tür herein und fragte, wo ich denn bleibe. Gleich sei der Frühling vorbei. Ich finde das übertrieben (es ist gerade mal 10:10 Uhr), aber reiche ihr als Zeichen der Versöhnung den Band „Allgäu. Freizeit mit Kindern“. Sie presst zwischen den Lippen hervor „Pff, das passt ja“, blättert aber doch darin. Plötzlich hellt sich ihre Miene auf, sie deutete auf einen See mit prähistorischen Funden. „Toll“, sagte ich und war Feuer und Flamme. „Da müssen wir uns aber anders anziehen“, meint sie und schaut mich an. „Wetterfester“, ergänzt sie, da ich wahrscheinlich zu verständnislos dreinschaue. Als ich immer noch nicht verstehe, liest sie mir Satz für Satz vor, dass wir es dort mit sumpfigem Gelände zu tun hätten. Meine Begeisterung wächst von Satz zu Satz. Ludmilla verschwindet ins Schlafzimmer, ich in den Keller, um die Hosen vom letzten Nordseeurlaub aufzutreiben. Bei denen machte es nichts, wenn die noch ein paar zusätzliche Flecken bekamen. Es dauerte bei mir ca. 20 Minuten, bis ich alles gefunden und angezogen hatte. Ich stehe in der Küche und schaue auf die Kaffeemaschine. Unternehme aber nichts. Ich bin müde und hungrig. Und ich frage mich, warum die ganze Welt gegen mich ist. 15 Minuten später kommt Ludmilla aus dem Schlafzimmer – in einem locker-flockigen Frühlingskleid. Während ich in wetterfestem Ölzeug da stehe. „Ach“, sagt Ludmilla, „das tut mir jetzt leid. Bienchen hat angerufen, während Du unten warst. In Blaubeuren ist heute ein Osterflohmarkt. Sie holt mich gleich ab, wir wollen mal so einen richtigen ‚Frauentag‘ machen. Du interessierst Dich für so was ja ohnehin nicht, gell Schatzi.“ Sie kneift mich in die Wange. „Jetzt freu‘ Dich doch. Endlich hast Du mal einen Tag ganz für Dich und kannst machen was Du willst.“ Sie entschwindet. Ich sinke müde und abgekämpft auf den Küchenstuhl und bin keine 2 Minuten später eingenickt …

15 Kommentare

  1. Synox
    Mrz 12, 2007

    Wunderbarer Post… Kommt mir irgendwie bekannt vor… 😀

  2. Synox
    Mrz 12, 2007

    Wunderbarer Post… Kommt mir irgendwie bekannt vor… 😀

  3. Synox
    Mrz 12, 2007

    Wunderbarer Post… Kommt mir irgendwie bekannt vor… 😀

  4. NIXtun
    Mrz 13, 2007

    Hey,
    einfach ein herrlicher Artikel! 😉

  5. NIXtun
    Mrz 13, 2007

    Hey,
    einfach ein herrlicher Artikel! 😉

  6. NIXtun
    Mrz 13, 2007

    Hey,
    einfach ein herrlicher Artikel! 😉

  7. stueckle
    Mrz 13, 2007

    ups…könnte ich sein *ertappt guck*

  8. stueckle
    Mrz 13, 2007

    ups…könnte ich sein *ertappt guck*

  9. stueckle
    Mrz 13, 2007

    ups…könnte ich sein *ertappt guck*

  10. Senderin
    Mrz 13, 2007

    Wie war denn die Wanderung? *grins*

  11. Senderin
    Mrz 13, 2007

    Wie war denn die Wanderung? *grins*

  12. Senderin
    Mrz 13, 2007

    Wie war denn die Wanderung? *grins*

  13. braindump
    Mai 8, 2007

    Genialer Post – aber ich glaube, ich wuerde Ludmilla erwuergen.

  14. braindump
    Mai 8, 2007

    Genialer Post – aber ich glaube, ich wuerde Ludmilla erwuergen.

  15. braindump
    Mai 8, 2007

    Genialer Post – aber ich glaube, ich wuerde Ludmilla erwuergen.

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Frühlingsgefühle bei Ludmilla

SDie Bienchen summen ...

– dieses Video habe ich auch schon seit Jahren nicht mehr gesehen! Ich sollte es raussuchen. Also gehe ich den Keller zu den Kisten mit den alten Videobändern. Zwar finde ich nicht das Polt-Video, dafür aber „Predator II“ – der einzige Predator-Film, der sich wirklich lohnt. Ich schleppe ihn nach oben und finde ihn immer noch toll. Okay, es wird 2.30 Uhr, bis ich wieder den Weg ins Bett finde, dafür schlafe ich dann aber auch direkt ein.
Um 8 Uhr morgens rüttelt Ludmilla an mir und fragt, ob ich schon das Frühstück gemacht hätte. Wir wollten doch gleich los. Nur mühsam kehrt die Erinnerung an das Ausflugsvorhaben zurück, ich wanke in die Küche, bereite im Halbschlaf einen Kaffee zu, denke, dass eine ausgiebige Dusche jetzt genau richtig wäre, sehe dabei, dass die Badezimmerkachel noch immer abgebrochen ist, hole den Spezialkleber, den ich letzten Herbst für die Reparatur besorgt hatte und rühre ihn an. Knapp 40 Minuten später dringt von der Küche her ein Schrei durch die Tür, dass ich mal „hinne“ machen solle, sie wolle auch noch ins Bad und die Sonne stünde schon ganz hoch. Wir erinnern uns: Es ist 8:40 Uhr. Ich räume das Zeug weg, die Türklinke wird mir mit den Hinweis aus der Hand gerissen, ich solle mich schnell anziehen, sie bräuchte nur 5 Minuten, will mir in der Küche eine Tasse Kaffee schnappen, stelle fest, das Ludmilla ohne mich gefrühstückt hat und das Geschirr bereits in der Geschirrspülmaschine ist. Einschließlich meiner – unbenutzten! – Tasse. Widerwillig ziehe ich mich an und warte auf Ludmilla, die gegen 9:20 Uhr aus dem Bad kommt, zum Fenster raus schaut, feststellt, dass die Sonne noch heller als erwartet scheint und dass sie daher etwas „Leichteres“ anziehen müsse. Damit verschwindet sie ins Schlafzimmer. Ich schau sehnsüchtig die Kaffeemaschine an und überlege, ob die Zeit reicht. Wahrscheinlich nicht. Also warte ich und stiere vor mich hin. Nach 15 Minuten bin ich der Ansicht, dass die Zeit wohl doch reicht und setze einen Kaffee auf. Das ist der Moment, in dem Ludmilla aus dem Schlafzimmer kommt und fragt, was ich denn noch in der Küche machen würde. Meinen Hinweis auf den Kaffee wischt sie beiseite („Du hattest doch erst welchen!“) und belädt einen Rucksack mit diversen Dingen, um ihn mir dann in die Hand zu drücken. Um 9:50 Uhr verlassen wir die Wohnung. Ich lasse den Motor an und frage erwartungsvoll, wo es denn hingegen soll. Ludmilla schaut mich mit großen Augen an. „Wie?“ fragt sie und es klingt unheilvoll. „Du hast Dir noch keine Gedanken darüber gemacht? Was hast Du denn in all der Zeit getan?!“ Ich zeige, dass ich zerknirscht bin und völlig ideenlos bezüglich eines Ausflugsziels. Ludmilla schaut zum Himmel, genauer: zum Autodach, seufzt und spricht dann zu mir in jenem Ton, den ich nicht ausstehen kann. Es ist exakt die Tonlage, mit der eine Mutter ihren 3-jährigen Sohn anspricht! „Mein Lieber, Du gehst jetzt noch mal schön rein und holst aus dem Bücherregal unsere beiden Reiseführer. Da werden wir ja wohl noch was finden. Mach zu – sonst ist die Sonne weg!“ Natürlich. Da es ganz offensichtlich meine alleinige Schuld ist, dass „wir“ uns kein Reiseziel überlegt haben, gehe ich noch mal in die Wohnung zu den Bücherregalen. Ich bin ein ordnungsliebender Mensch, finde ich sogar gleich die Rubrik „Reisen und Abenteuer“. Dabei fällt mir der Band „Vergessene Klöster. Reise in die Klosterlandschaft am Nordrand des Harzes“ in die Hände, den uns Tante Hilde einmal geschenkt hat. Also thematisch passt der ja. Obwohl Allgäu und Harz … hm … andererseits sehne ich mich ja schon lange danach, mal eine Woche Urlaub in einem Kloster zu machen. So ganz ohne Fernsehen, Computer usw. tief in mich zu gehen. Ich blättere in den Klosterbeschreibungen und denke darüber nach, ob ich nicht doch noch etwas Literatur für unterwegs einpacken sollte. Schließlich habe ich „DIE ZEIT“ vom Donnerstag noch nicht vollständig gelesen. Während ich noch den Zeitungsteil „Chancen“ suche (den hat bestimmt Ludmilla als Letzte gehabt!), kommt die aufgeweckteste von allen Freundinnen auch schon verärgert zur Tür herein und fragte, wo ich denn bleibe. Gleich sei der Frühling vorbei. Ich finde das übertrieben (es ist gerade mal 10:10 Uhr), aber reiche ihr als Zeichen der Versöhnung den Band „Allgäu. Freizeit mit Kindern“. Sie presst zwischen den Lippen hervor „Pff, das passt ja“, blättert aber doch darin. Plötzlich hellt sich ihre Miene auf, sie deutete auf einen See mit prähistorischen Funden. „Toll“, sagte ich und war Feuer und Flamme. „Da müssen wir uns aber anders anziehen“, meint sie und schaut mich an. „Wetterfester“, ergänzt sie, da ich wahrscheinlich zu verständnislos dreinschaue. Als ich immer noch nicht verstehe, liest sie mir Satz für Satz vor, dass wir es dort mit sumpfigem Gelände zu tun hätten. Meine Begeisterung wächst von Satz zu Satz. Ludmilla verschwindet ins Schlafzimmer, ich in den Keller, um die Hosen vom letzten Nordseeurlaub aufzutreiben. Bei denen machte es nichts, wenn die noch ein paar zusätzliche Flecken bekamen. Es dauerte bei mir ca. 20 Minuten, bis ich alles gefunden und angezogen hatte. Ich stehe in der Küche und schaue auf die Kaffeemaschine. Unternehme aber nichts. Ich bin müde und hungrig. Und ich frage mich, warum die ganze Welt gegen mich ist. 15 Minuten später kommt Ludmilla aus dem Schlafzimmer – in einem locker-flockigen Frühlingskleid. Während ich in wetterfestem Ölzeug da stehe. „Ach“, sagt Ludmilla, „das tut mir jetzt leid. Bienchen hat angerufen, während Du unten warst. In Blaubeuren ist heute ein Osterflohmarkt. Sie holt mich gleich ab, wir wollen mal so einen richtigen ‚Frauentag‘ machen. Du interessierst Dich für so was ja ohnehin nicht, gell Schatzi.“ Sie kneift mich in die Wange. „Jetzt freu‘ Dich doch. Endlich hast Du mal einen Tag ganz für Dich und kannst machen was Du willst.“ Sie entschwindet. Ich sinke müde und abgekämpft auf den Küchenstuhl und bin keine 2 Minuten später eingenickt …

15 Kommentare

  1. Synox
    Mrz 12, 2007

    Wunderbarer Post… Kommt mir irgendwie bekannt vor… 😀

  2. Synox
    Mrz 12, 2007

    Wunderbarer Post… Kommt mir irgendwie bekannt vor… 😀

  3. Synox
    Mrz 12, 2007

    Wunderbarer Post… Kommt mir irgendwie bekannt vor… 😀

  4. NIXtun
    Mrz 13, 2007

    Hey,
    einfach ein herrlicher Artikel! 😉

  5. NIXtun
    Mrz 13, 2007

    Hey,
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  6. NIXtun
    Mrz 13, 2007

    Hey,
    einfach ein herrlicher Artikel! 😉

  7. stueckle
    Mrz 13, 2007

    ups…könnte ich sein *ertappt guck*

  8. stueckle
    Mrz 13, 2007

    ups…könnte ich sein *ertappt guck*

  9. stueckle
    Mrz 13, 2007

    ups…könnte ich sein *ertappt guck*

  10. Senderin
    Mrz 13, 2007

    Wie war denn die Wanderung? *grins*

  11. Senderin
    Mrz 13, 2007

    Wie war denn die Wanderung? *grins*

  12. Senderin
    Mrz 13, 2007

    Wie war denn die Wanderung? *grins*

  13. braindump
    Mai 8, 2007

    Genialer Post – aber ich glaube, ich wuerde Ludmilla erwuergen.

  14. braindump
    Mai 8, 2007

    Genialer Post – aber ich glaube, ich wuerde Ludmilla erwuergen.

  15. braindump
    Mai 8, 2007

    Genialer Post – aber ich glaube, ich wuerde Ludmilla erwuergen.

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