Eine Lanze für Elke Heidenreich

ZDF-Sendung zum Vorfall

ZDF-Sendung zum Vorfall

Ach Gottchen – man scheint beim ZDF tatsächlich beleidigt zu sein. Zuerst nimmt Marcel Reich-Ranicki den schönen bunten Plastik-Preis von ARD, ZDF, RTL und SAT1 nicht an – ts, ts, wo den doch sogar der Dieter Bohlen (!) genommen hat -, und dann schreibt Elke Heidenreich einen langen FAZ-Artikel, in dem sie sich der Meinung dieses Ignoranten anschließt.  Für derartige Unbotmäßigkeiten gegen Obrigkeiten wie z. B. den ZDF-Intendanten muss man schleunigst den Zuschauer bestrafen und darüber nachdenken, wie schnell man Heidenreichs Sendung „Lesen!“ absetzen kann. Ach ja, was ist das doch für ein provinzielles Häuflein, dass da die 7 Milliarden Euro jährlicher Gebühren verwaltet, falls sie als Strafaktion tatsächlich Heidenreichs Sendung kippen. Provinziell. Kleinkariert. Und dumm.
Denn das eigentliche Problem sind nicht die seichten Soaps, Casting-Shows oder Chart-Sendungen, in denen die Hofnarren jener Sender sich permanent gegenseitig mit Lob überschütten.

Das eigentliche Problem ist: Man hält „den Zuschauer an sich“ für saublöd. Das erfinde ich jetzt nicht, sondern das kam gerade 30 herrlich unzensierte Minuten lang über den Sender („Aus gegebenem Anlass“ – wer es verpasst hat: in der ZDF-Mediathek anschauen). Gottschalk versuchte Reich-Ranicki permanent klar zu machen, dass „die Masse“ [1] der Leute keine Qualität will, dass „die Masse“ geistige Nischenprodukte wie Atze Schröder oder Ingo Appelt sehen möchte. Ja, so Gottschalk, natürlich würden die Intendanten gerne mal „was Anspruchsvolles“ senden – aber die Einschaltquote, die Einschaltquote. Und so weiter und so weiter … Mit „was Anspruchsvolles“ hat Gottschalk, der mehrfach betonte, dass er doch mal auf dem Weg zum Lehrer war, „irgendwas“ mit Schiller und so. Bravo, Tommy, genau _das_ versteht „die Masse“ unter „irgendwas Anspruchsvolles“. Ja, Du bist wahrhaft einer von ihnen …
Was Gottschalk nicht verstand: Es geht zwar den Programm-Machern um Einschaltquoten, aber nicht nur [2]. In Wirklichkeit haben sie zwei ganz andere Probleme: a) Ihnen ist in den letzten Jahrzehnten das Wissen abhanden gekommen, wie man gute Sendungen macht. Das kann man mediengeschichtlich sehr schön belegen [3]. (Okay, man kann es auch mit einem Blick auf das Programm belegen 😉 ) b) Es fehlen die Leute, die über dieses Wissen verfügen oder, einfacher ausgedrückt, es fehlen „gute“ Leute – ein Problem, das die Sender mit vielen anderen Institutionen, z. B. den politischen Parteien, teilen.
Aber eigentlich wollte ich jetzt gar nicht so viel über das Fernsehen reden [4]. Also zurück zu unserer Elke Heidenreich. Sie hat ihren Artikel gut und offen geschrieben. Na ja, sie idealisiert mir da zwar den Reich-Ranicki zu sehr (die Bücher, die dieser Literaturkritiker früher besprach, waren nie so mein Ding), aber natürlich hat sie in der Sache völlig recht. Und selbst wenn nicht. Sie macht eine gute Sendung. Nicht, weil die Bücher, die sie in ihrer Sendung „Lesen!“ vorstellt, so „einzigartig“ wären. Die sind Geschmackssache, und meinen Geschmack trifft sie da nur ab und zu. Sondern weil sie zu jenen – wenigen – Personen im Fernsehen gehört, denen man anmerkt, dass sie hinter ihren Anliegen steht. Dass sie nicht alles wegen der Einschaltquote macht. Dass sie einfach sie selbst ist. Und ob sich da irgendein Fernsehsender verschnupft ist, ist eigentlich höchst gleichgültig. Schließlich geht es Euch doch angeblich um uns, die Zuschauer. Angeblich.

[1] Das sind jetzt sinngemäße, keine wörtlichen Zitate – _so_ genau habe ich mir die Sendung dann auch wieder nicht angeschaut.
[2] Denn natürlich ist inzwischen in der Branche bekannt, dass die Zielgruppendefiniton 14 – 49 Jahre eine pure Erfindung des ersten RTL-Intendanten war – nur unser Tommy hat das noch nicht mitgekriegt und zitiert den Mythos in der Sendung fleißig weiter.
[3] Viele werden noch tschechische Kinderfilme wie z. B. die „Pan Tau“-Serie, „Saxana – das Mädchen auf dem Besenstiel“, „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, „Luzie, der Schrecken der Straße“ usw., die in den 70-er/80-er Jahren auf einem der größten Filmgelände Europas in Prag gedreht wurden und bis heute als „besonders gut“ gemacht gelten. Einige Jahre zuvor, 1968, war als Folge der Niederschlagung des Prager Frühlings der politische Film zum Erliegen gekommen. Man hatte nun also plötzlich hochqualifizierte Filmemacher, die sich nur noch im Bereich von Kinderfilmen betätigen konnten – und entsprechend hochwertige Filme lieferten.
[4] Überspringen wir also die Punkte dass es, wenn man z. B. die digitalen Kanäle von ARD und ZDF dazu nimmt, es durchaus gute Sendungen gibt, dass man bei den nicht-guten halt einfach abschalten kann, statt sich aufzuregen und man das Zappen durch einen gut prog-rammierten Festplattenrekorder ersetzen sollte, um von jeglichem Zeitschema unabhängig zu werden.

6 Kommentare

  1. Matthias
    Okt 18, 2008

    Ein guter Nachtrag zu einem „Eklat“, der ja eigentlich gar keiner ist. Der Eklat ist in der Tat: Man hält „den Zuschauer an sich“ für blöd. Frau Heidenreich hat recht. Doch selbst wenn nicht…? Was wollte uns das ZDF also „aus gegebenem Anlass“ sagen? Eine möglich Antwort wäre:

    Fernsehen ist …

    85% für Vollidioten …
    10% um aus dem Rest Vollidioten zu machen …
    05% erträglich mit gutem Willen.

  2. Matthias
    Okt 18, 2008

    Ein guter Nachtrag zu einem „Eklat“, der ja eigentlich gar keiner ist. Der Eklat ist in der Tat: Man hält „den Zuschauer an sich“ für blöd. Frau Heidenreich hat recht. Doch selbst wenn nicht…? Was wollte uns das ZDF also „aus gegebenem Anlass“ sagen? Eine möglich Antwort wäre:

    Fernsehen ist …

    85% für Vollidioten …
    10% um aus dem Rest Vollidioten zu machen …
    05% erträglich mit gutem Willen.

  3. Matthias
    Okt 18, 2008

    Ein guter Nachtrag zu einem „Eklat“, der ja eigentlich gar keiner ist. Der Eklat ist in der Tat: Man hält „den Zuschauer an sich“ für blöd. Frau Heidenreich hat recht. Doch selbst wenn nicht…? Was wollte uns das ZDF also „aus gegebenem Anlass“ sagen? Eine möglich Antwort wäre:

    Fernsehen ist …

    85% für Vollidioten …
    10% um aus dem Rest Vollidioten zu machen …
    05% erträglich mit gutem Willen.

  4. Ulli
    Okt 23, 2008
  5. Ulli
    Okt 23, 2008
  6. Ulli
    Okt 23, 2008

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Eine Lanze für Elke Heidenreich

ZDF-Sendung zum Vorfall

ZDF-Sendung zum Vorfall

Ach Gottchen – man scheint beim ZDF tatsächlich beleidigt zu sein. Zuerst nimmt Marcel Reich-Ranicki den schönen bunten Plastik-Preis von ARD, ZDF, RTL und SAT1 nicht an – ts, ts, wo den doch sogar der Dieter Bohlen (!) genommen hat -, und dann schreibt Elke Heidenreich einen langen FAZ-Artikel, in dem sie sich der Meinung dieses Ignoranten anschließt.  Für derartige Unbotmäßigkeiten gegen Obrigkeiten wie z. B. den ZDF-Intendanten muss man schleunigst den Zuschauer bestrafen und darüber nachdenken, wie schnell man Heidenreichs Sendung „Lesen!“ absetzen kann. Ach ja, was ist das doch für ein provinzielles Häuflein, dass da die 7 Milliarden Euro jährlicher Gebühren verwaltet, falls sie als Strafaktion tatsächlich Heidenreichs Sendung kippen. Provinziell. Kleinkariert. Und dumm.
Denn das eigentliche Problem sind nicht die seichten Soaps, Casting-Shows oder Chart-Sendungen, in denen die Hofnarren jener Sender sich permanent gegenseitig mit Lob überschütten.

Das eigentliche Problem ist: Man hält „den Zuschauer an sich“ für saublöd. Das erfinde ich jetzt nicht, sondern das kam gerade 30 herrlich unzensierte Minuten lang über den Sender („Aus gegebenem Anlass“ – wer es verpasst hat: in der ZDF-Mediathek anschauen). Gottschalk versuchte Reich-Ranicki permanent klar zu machen, dass „die Masse“ [1] der Leute keine Qualität will, dass „die Masse“ geistige Nischenprodukte wie Atze Schröder oder Ingo Appelt sehen möchte. Ja, so Gottschalk, natürlich würden die Intendanten gerne mal „was Anspruchsvolles“ senden – aber die Einschaltquote, die Einschaltquote. Und so weiter und so weiter … Mit „was Anspruchsvolles“ hat Gottschalk, der mehrfach betonte, dass er doch mal auf dem Weg zum Lehrer war, „irgendwas“ mit Schiller und so. Bravo, Tommy, genau _das_ versteht „die Masse“ unter „irgendwas Anspruchsvolles“. Ja, Du bist wahrhaft einer von ihnen …
Was Gottschalk nicht verstand: Es geht zwar den Programm-Machern um Einschaltquoten, aber nicht nur [2]. In Wirklichkeit haben sie zwei ganz andere Probleme: a) Ihnen ist in den letzten Jahrzehnten das Wissen abhanden gekommen, wie man gute Sendungen macht. Das kann man mediengeschichtlich sehr schön belegen [3]. (Okay, man kann es auch mit einem Blick auf das Programm belegen 😉 ) b) Es fehlen die Leute, die über dieses Wissen verfügen oder, einfacher ausgedrückt, es fehlen „gute“ Leute – ein Problem, das die Sender mit vielen anderen Institutionen, z. B. den politischen Parteien, teilen.
Aber eigentlich wollte ich jetzt gar nicht so viel über das Fernsehen reden [4]. Also zurück zu unserer Elke Heidenreich. Sie hat ihren Artikel gut und offen geschrieben. Na ja, sie idealisiert mir da zwar den Reich-Ranicki zu sehr (die Bücher, die dieser Literaturkritiker früher besprach, waren nie so mein Ding), aber natürlich hat sie in der Sache völlig recht. Und selbst wenn nicht. Sie macht eine gute Sendung. Nicht, weil die Bücher, die sie in ihrer Sendung „Lesen!“ vorstellt, so „einzigartig“ wären. Die sind Geschmackssache, und meinen Geschmack trifft sie da nur ab und zu. Sondern weil sie zu jenen – wenigen – Personen im Fernsehen gehört, denen man anmerkt, dass sie hinter ihren Anliegen steht. Dass sie nicht alles wegen der Einschaltquote macht. Dass sie einfach sie selbst ist. Und ob sich da irgendein Fernsehsender verschnupft ist, ist eigentlich höchst gleichgültig. Schließlich geht es Euch doch angeblich um uns, die Zuschauer. Angeblich.

[1] Das sind jetzt sinngemäße, keine wörtlichen Zitate – _so_ genau habe ich mir die Sendung dann auch wieder nicht angeschaut.
[2] Denn natürlich ist inzwischen in der Branche bekannt, dass die Zielgruppendefiniton 14 – 49 Jahre eine pure Erfindung des ersten RTL-Intendanten war – nur unser Tommy hat das noch nicht mitgekriegt und zitiert den Mythos in der Sendung fleißig weiter.
[3] Viele werden noch tschechische Kinderfilme wie z. B. die „Pan Tau“-Serie, „Saxana – das Mädchen auf dem Besenstiel“, „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, „Luzie, der Schrecken der Straße“ usw., die in den 70-er/80-er Jahren auf einem der größten Filmgelände Europas in Prag gedreht wurden und bis heute als „besonders gut“ gemacht gelten. Einige Jahre zuvor, 1968, war als Folge der Niederschlagung des Prager Frühlings der politische Film zum Erliegen gekommen. Man hatte nun also plötzlich hochqualifizierte Filmemacher, die sich nur noch im Bereich von Kinderfilmen betätigen konnten – und entsprechend hochwertige Filme lieferten.
[4] Überspringen wir also die Punkte dass es, wenn man z. B. die digitalen Kanäle von ARD und ZDF dazu nimmt, es durchaus gute Sendungen gibt, dass man bei den nicht-guten halt einfach abschalten kann, statt sich aufzuregen und man das Zappen durch einen gut prog-rammierten Festplattenrekorder ersetzen sollte, um von jeglichem Zeitschema unabhängig zu werden.

6 Kommentare

  1. Matthias
    Okt 18, 2008

    Ein guter Nachtrag zu einem „Eklat“, der ja eigentlich gar keiner ist. Der Eklat ist in der Tat: Man hält „den Zuschauer an sich“ für blöd. Frau Heidenreich hat recht. Doch selbst wenn nicht…? Was wollte uns das ZDF also „aus gegebenem Anlass“ sagen? Eine möglich Antwort wäre:

    Fernsehen ist …

    85% für Vollidioten …
    10% um aus dem Rest Vollidioten zu machen …
    05% erträglich mit gutem Willen.

  2. Matthias
    Okt 18, 2008

    Ein guter Nachtrag zu einem „Eklat“, der ja eigentlich gar keiner ist. Der Eklat ist in der Tat: Man hält „den Zuschauer an sich“ für blöd. Frau Heidenreich hat recht. Doch selbst wenn nicht…? Was wollte uns das ZDF also „aus gegebenem Anlass“ sagen? Eine möglich Antwort wäre:

    Fernsehen ist …

    85% für Vollidioten …
    10% um aus dem Rest Vollidioten zu machen …
    05% erträglich mit gutem Willen.

  3. Matthias
    Okt 18, 2008

    Ein guter Nachtrag zu einem „Eklat“, der ja eigentlich gar keiner ist. Der Eklat ist in der Tat: Man hält „den Zuschauer an sich“ für blöd. Frau Heidenreich hat recht. Doch selbst wenn nicht…? Was wollte uns das ZDF also „aus gegebenem Anlass“ sagen? Eine möglich Antwort wäre:

    Fernsehen ist …

    85% für Vollidioten …
    10% um aus dem Rest Vollidioten zu machen …
    05% erträglich mit gutem Willen.

  4. Ulli
    Okt 23, 2008
  5. Ulli
    Okt 23, 2008
  6. Ulli
    Okt 23, 2008

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Ach Gottchen – man scheint beim ZDF tatsächlich beleidigt zu sein. Zuerst nimmt Marcel Reich-Ranicki den schönen bunten Plastik-Preis von ARD, ZDF, RTL und SAT1 nicht an – ts, ts, wo den doch sogar der Dieter Bohlen (!) genommen hat -, und dann schreibt Elke Heidenreich einen langen FAZ-Artikel, in dem sie sich der Meinung dieses Ignoranten anschließt.  Für derartige Unbotmäßigkeiten gegen Obrigkeiten wie z. B. den ZDF-Intendanten muss man schleunigst den Zuschauer bestrafen und darüber nachdenken, wie schnell man Heidenreichs Sendung „Lesen!“ absetzen kann. Ach ja, was ist das doch für ein provinzielles Häuflein, dass da die 7 Milliarden Euro jährlicher Gebühren verwaltet, falls sie als Strafaktion tatsächlich Heidenreichs Sendung kippen. Provinziell. Kleinkariert. Und dumm.
Denn das eigentliche Problem sind nicht die seichten Soaps, Casting-Shows oder Chart-Sendungen, in denen die Hofnarren jener Sender sich permanent gegenseitig mit Lob überschütten.

Das eigentliche Problem ist: Man hält „den Zuschauer an sich“ für saublöd. Das erfinde ich jetzt nicht, sondern das kam gerade 30 herrlich unzensierte Minuten lang über den Sender („Aus gegebenem Anlass“ – wer es verpasst hat: in der ZDF-Mediathek anschauen). Gottschalk versuchte Reich-Ranicki permanent klar zu machen, dass „die Masse“ [1] der Leute keine Qualität will, dass „die Masse“ geistige Nischenprodukte wie Atze Schröder oder Ingo Appelt sehen möchte. Ja, so Gottschalk, natürlich würden die Intendanten gerne mal „was Anspruchsvolles“ senden – aber die Einschaltquote, die Einschaltquote. Und so weiter und so weiter … Mit „was Anspruchsvolles“ hat Gottschalk, der mehrfach betonte, dass er doch mal auf dem Weg zum Lehrer war, „irgendwas“ mit Schiller und so. Bravo, Tommy, genau _das_ versteht „die Masse“ unter „irgendwas Anspruchsvolles“. Ja, Du bist wahrhaft einer von ihnen …
Was Gottschalk nicht verstand: Es geht zwar den Programm-Machern um Einschaltquoten, aber nicht nur [2]. In Wirklichkeit haben sie zwei ganz andere Probleme: a) Ihnen ist in den letzten Jahrzehnten das Wissen abhanden gekommen, wie man gute Sendungen macht. Das kann man mediengeschichtlich sehr schön belegen [3]. (Okay, man kann es auch mit einem Blick auf das Programm belegen 😉 ) b) Es fehlen die Leute, die über dieses Wissen verfügen oder, einfacher ausgedrückt, es fehlen „gute“ Leute – ein Problem, das die Sender mit vielen anderen Institutionen, z. B. den politischen Parteien, teilen.
Aber eigentlich wollte ich jetzt gar nicht so viel über das Fernsehen reden [4]. Also zurück zu unserer Elke Heidenreich. Sie hat ihren Artikel gut und offen geschrieben. Na ja, sie idealisiert mir da zwar den Reich-Ranicki zu sehr (die Bücher, die dieser Literaturkritiker früher besprach, waren nie so mein Ding), aber natürlich hat sie in der Sache völlig recht. Und selbst wenn nicht. Sie macht eine gute Sendung. Nicht, weil die Bücher, die sie in ihrer Sendung „Lesen!“ vorstellt, so „einzigartig“ wären. Die sind Geschmackssache, und meinen Geschmack trifft sie da nur ab und zu. Sondern weil sie zu jenen – wenigen – Personen im Fernsehen gehört, denen man anmerkt, dass sie hinter ihren Anliegen steht. Dass sie nicht alles wegen der Einschaltquote macht. Dass sie einfach sie selbst ist. Und ob sich da irgendein Fernsehsender verschnupft ist, ist eigentlich höchst gleichgültig. Schließlich geht es Euch doch angeblich um uns, die Zuschauer. Angeblich.

[1] Das sind jetzt sinngemäße, keine wörtlichen Zitate – _so_ genau habe ich mir die Sendung dann auch wieder nicht angeschaut.
[2] Denn natürlich ist inzwischen in der Branche bekannt, dass die Zielgruppendefiniton 14 – 49 Jahre eine pure Erfindung des ersten RTL-Intendanten war – nur unser Tommy hat das noch nicht mitgekriegt und zitiert den Mythos in der Sendung fleißig weiter.
[3] Viele werden noch tschechische Kinderfilme wie z. B. die „Pan Tau“-Serie, „Saxana – das Mädchen auf dem Besenstiel“, „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, „Luzie, der Schrecken der Straße“ usw., die in den 70-er/80-er Jahren auf einem der größten Filmgelände Europas in Prag gedreht wurden und bis heute als „besonders gut“ gemacht gelten. Einige Jahre zuvor, 1968, war als Folge der Niederschlagung des Prager Frühlings der politische Film zum Erliegen gekommen. Man hatte nun also plötzlich hochqualifizierte Filmemacher, die sich nur noch im Bereich von Kinderfilmen betätigen konnten – und entsprechend hochwertige Filme lieferten.
[4] Überspringen wir also die Punkte dass es, wenn man z. B. die digitalen Kanäle von ARD und ZDF dazu nimmt, es durchaus gute Sendungen gibt, dass man bei den nicht-guten halt einfach abschalten kann, statt sich aufzuregen und man das Zappen durch einen gut prog-rammierten Festplattenrekorder ersetzen sollte, um von jeglichem Zeitschema unabhängig zu werden.

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  1. Matthias
    Okt 18, 2008

    Ein guter Nachtrag zu einem „Eklat“, der ja eigentlich gar keiner ist. Der Eklat ist in der Tat: Man hält „den Zuschauer an sich“ für blöd. Frau Heidenreich hat recht. Doch selbst wenn nicht…? Was wollte uns das ZDF also „aus gegebenem Anlass“ sagen? Eine möglich Antwort wäre:

    Fernsehen ist …

    85% für Vollidioten …
    10% um aus dem Rest Vollidioten zu machen …
    05% erträglich mit gutem Willen.

  2. Matthias
    Okt 18, 2008

    Ein guter Nachtrag zu einem „Eklat“, der ja eigentlich gar keiner ist. Der Eklat ist in der Tat: Man hält „den Zuschauer an sich“ für blöd. Frau Heidenreich hat recht. Doch selbst wenn nicht…? Was wollte uns das ZDF also „aus gegebenem Anlass“ sagen? Eine möglich Antwort wäre:

    Fernsehen ist …

    85% für Vollidioten …
    10% um aus dem Rest Vollidioten zu machen …
    05% erträglich mit gutem Willen.

  3. Matthias
    Okt 18, 2008

    Ein guter Nachtrag zu einem „Eklat“, der ja eigentlich gar keiner ist. Der Eklat ist in der Tat: Man hält „den Zuschauer an sich“ für blöd. Frau Heidenreich hat recht. Doch selbst wenn nicht…? Was wollte uns das ZDF also „aus gegebenem Anlass“ sagen? Eine möglich Antwort wäre:

    Fernsehen ist …

    85% für Vollidioten …
    10% um aus dem Rest Vollidioten zu machen …
    05% erträglich mit gutem Willen.

  4. Ulli
    Okt 23, 2008
  5. Ulli
    Okt 23, 2008
  6. Ulli
    Okt 23, 2008

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