Leuchte des Nordens ...

Männer haben keine Vorurteile gegenüber Frauen. Sätze wie "Hohe Absätze - kurze Hauptsätze" gehören in die Klamottenkiste der Machos. Dies dachten sich wohl auch die Verantwortlichen des Norddeutschen Rundfunks und strahlten in ihrem 3. Fernsehprogramm am 30. 12. 2001 eine Quiz-Sendung aus, in der 5 nördliche Schönheitsköniginnen gegeneinander antraten. Ich wußte bis dato gar nicht, daß es z. B. eine "Miss Mecklenburg-Vorpommern" gibt ... Übrigens: "Miss Hamburg" war zugleich "Miss Millenium" und "Miss Germany" - nicht übel.

 

Keine Frage - ein Blick in klaren stolzen ebenmäßig geschnittenen Gesichter der nordischen Schönen verriet: Hier paarte sich Eleganz mit Intellekt!
Und tatsächlich: Mühelos konnten sie auch die schwierigsten Fragen beantworten. Etwa, welchen Keks der Hannoveraner Fabrikant Bahlsen erfand (richtige Antwort: "Leibniz" - eines der Mädels ergänzte mit sichtlichem Stolz in der Stimme "Der mit den 52 Zähnen"; ausgesprochen unfair war hingegen die Nachfrage des Moderators, ob sich "Leibniz" noch auf einen anderen Sachverhalt beziehen könne. Der Philosoph, Mathematiker und Naturforscher Gottfried Wilhelm Leibniz verstarb immerhin bereits 1716 in Hannover - wer kennt den heute noch?). Ebenso wußten die jungen Frauen über die Ex-Ehegattinnen eines gewissen Dieter Bohlen (?) Bescheid und konnten diverse Grafen und Barone zuordnen sowie die Tierbezeichnungen der "Bremer Stadtmusikanten" aufzählen.

Okay, okay, zugegeben: es gab auch gewisse Schwachstellen. 5 mal "Rita Süßmuth" auf die Frage "Wer wurde 1993 zur ersten Ministerpräsidentin der Bundesrepublik gewählt?" zu antworten, bot zwar ein sehr schönes einheitliches Bild, macht aber doch vielleicht die gute Heide Simonis etwas betroffen (eine der Schönheitsköniginnen kam immerhin aus ihrem Bundesland). Auch, was Literaturpreisträger oder den Erfinder des Telefons betrifft, ist zwar die Einmütigkeit der fehlerhaften Antworten zu loben, aber zumindest nach der Wahrscheinlichkeitstheorie wäre doch erwarten zu gewesen, daß irgendwann irgendjemand einmal eine richtige Antwort tippt ...

Kein Wunder, daß es schließlich zu einem spannenden Stechen zwischen 4 der Teilnehmerinnen kam. Sehr hübsch war die Schätzfrage gewählt: "In welchem Jahr strahlte Radio Bremen erstmals den legendären Beat-Club aus?". Zur Sicherheit betonte der Moderator mehrfach, daß es Musiksendungen schon vor MTV und VIVA gegeben habe, was allerdings von den Befragten mit äußerstem Unglauben zur Kenntnis genommen wurde. Um es kurz zu machen: Die Außenseiterin "Miß Mecklenburg-Vorpommern" gewann durch die mutige Antwort "1960". Zwar dürften die meisten Deutschen zu jener Zeit das Wort "Beat" noch nie gehört haben, aber im Vergleich zu den Antworten "1980", "1983" und "1999" war das doch ganz schön dicht dran.

Wie auch immer: Der Gewinnerin scheint sich wirklich über die TUI-Reise gefreut zu haben, und wer weiß, ob das Mädchen sonst mal rauskommt. Überhaupt hat hier der NDR ein sehr schönes Beispiel gegeben. Wie wäre es, wenn man generell in solche Quizsendungen öfter Randgruppen einbezieht? Sehr schön könnte ich mir beispielweise eine Runde von CDU-Politikern vorstellen, die Fragen zur Parteienfinanzierung beantworten müssen (alternativ: SPD-Sicherheitsexperten, denen man Fragen zu Verschlüsselungsverfahren stellt).

(Passend dazu meine früheren Bemerkungen zu "Miss Alabama".)

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