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Autor Thema: Dagmar Chidolue - Die Millie-Bücher  (Gelesen 4473 mal)
cazze
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miez miez cazze


« am: 09. Jul. 10, 18:53 »

Millie in Paris

Millie ist in Paris. Mit Mama und Papa und der kleine Schwester Trudel. Jeden Tag gucken sie sich ein neues Stück von Paris an. Den Elfenturm zum Beispiel., wo Millie einen riesigen roten Lutscher bekommt, einen Fahrradlutscher. Und das Museum Pompipidu, das zum Glück zuhat, den die richtige Kunst gibts sowieso auf dem Platz davor: Schwertschlucker und eine Clownin und einen Leierkastenmann, mit dem Millie französische Lieder singt. So ist das nämlich in Paris.




Leseprobe: Millie lernt Französisch

In Paris fährt Papa das Auto und Mama soll ihm sagen, wie sie zum Hotel kommen. Sie kann den Weg aber nich finden. Auf dem Schoß hat sie eine Landkarte liegen. Da soll Paris drauf sein. Mama findet die Straßen von Paris auf der Landkarte. Sie legt ihren Finger drauf. Aber in Paris kann sie die Straßen von Paris nicht finden. "Das kann doch nicht so schwer sein", sagt Papa. "Doch", sagt Mama ein bisschen weinerlich und zeigt mit den Fingern auf die blauen Straßenschilder an den Häusern. "Rue de... Rue de... Avenue de... Du fährst einfach zu schnell. Die Schilder haben zwei Zeilen. Wenn ich die obere gelesen habe, bist du schon weitergerast" "Dann lies doch nur die zweite Zeile" schnauft Papa und hört mit dem Rasen nicht auf. "Meinst du, das Fahren hier ist ein Zuckerschlecken? Paris ist die Hölle!" "Rue de... Rue de..." sagt Mama.
Millie weiß jetzt schon, dass sie in Paris draußen übenachten müssen.

Die Straßen führen bergauf und bergab und sind so eng, dass Papa fast alle parenden Autos mit dem Außenspiegel ankratzt. Fast! Millie drückt die Daumen, dass es wenigstens einmal klappt. Es klappt aber nicht.

Und plötzlich finden sie doch das Hotel. Es hat grüne Fensterläden, eine breite, geschwungene Treppe und einen Platz mit tausend Bäumen davor. Und tausend Hunden, die an die Bäume pinkeln.

Millie mag Hunde. Liebe Hunde.

Auch das Hotel hat einen Hund. Einen großen, schwearzen Hund, der mit einem Auge schläft. Der Hund ist lieb. Das Hotel heißt "Tim Hotel". Tim ist ein Hundename. Das Hotel gehört dem Hund.

Mama und Papa schleppen ide Koffer ins Haus und Millie passt auf die Schwester auf. Die guckt ganz dumm auf die Hunde. Mehr kann sie nicht. "Was heißt ´guten Tag´ auf parisisch", fragt Millie, als Papa ihr endlich die Schwester abnimmt und sie auf die schöne Treppe steigen darf. "auf Franzöhösisch?" "Auf Franzöhösisch", sagt Papa."Auf Franzöhösisch", sagt Millie. "Bonjour", sagt Papa. "Bonbon Schuhschuh", sagt Millie zu Tim. Der Hund öfnet kurz auch das andere Auge.

"Er hat mich angeschaut", sagt Millie. "Wer ist Tim", fragt Mama. "Der Wauwau", sagt Millie. Zu lieben Hunden darf man Wauwau sagen.

Vom Fenster in ihrem Zimmer kann man auf die Stadt schauen. Es wird allmählich dunkel, aber man kann noch überall Paris sehen. Tausend Lichter und ein breiter Fluss.

"Das ist die Seine", sagt Papa, der sich mit Millie Paris beguckt. "Der Fluss?", fragt Millie. "Ja", sagt Papa. "Warum heißt der Fluss Zähne?", fragt Millie. "Warum heißt ´Guten Tag` Bonbon Schuhschuh?"
"Weil dz noch ein kleines Dummchen bist und nicht Französisch kannst", sagt Papa "Paris heißt auf Französisch auch nicht Paris" "Nein?" "Nein", sagt Papa. "Paris heißt eigentlich Pari" "Parihi?"

"Ja", sagt Mama und stellt sich mit der Schwester auf dem Arm ebenfalls ans Fenster. "Und Eiscreme heißt auf Französisch glace"

"Glas?", fragt Millie. "Ich hätte gerne zwei Kugeln Glas?" "Ja", sagt Mama "Ich hätte gerne drei Kugeln Glas?" "Ja", sagt Mama und streicht Millie übers Haar.

"Darf ich auch vier Kugeln?", fragt Millie. "Wenn du es auf Französisch sagen kannst"

"Ätschibätschi zinniwinni viermal Glas", sagt Millie. "Zweimal Erdbeer, einmal Schoko und dann das, was blau ist und nach Kokospfefferminze schmeckt"
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cazze
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miez miez cazze


« Antworten #1 am: 09. Jul. 10, 19:58 »

Millie auf Mallorca

Eigentlich wollte Millie ja an den Amazonas, Aber der ist leider zu weit weg. Also fährt sie mit Mama, Papa und der kleinen Schwester nach Mallorca. Als Erstes lernt Millie schwimmen. Sie brauch nur die Arme und Beine zu bewegen. Paickepacke leicht. Dann besichtigen sie natürlich noch dies und das. Zum Beispiel das Kloster in dem früher ein Herr schopängpäng Klavier gespielt hat. Und überall auf Mallorca trifft Millie Miss Mandarella, eine wunderschöne Puppe, in Rot mit Rüschen. Das wär doch ein gutes Andenken, oder?



Leseprobe: Millie ist ein König

Mallorca kann man nicht nur von Balkon aus betrachten. Man kann es auch richtig von nahem sehen. Deswegen haben sie auch ein Auto dabei. Mit dem kommt man überallhin.

Mallorca ist eine riesengroße Insel. Wenn man an den Rand der Insel kommt und runterschaut, bekommt man einen Schrecken. Man steht auf einem Felsen so hoch über dem Meer, dass man nur mit einem Fallschirm runterspringen könnte.

Das Meer in der Tiefe hat verschiedene blaue Farben. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Himmelblau, tintenblau, grünblau, glasblau, blaubeerenblau.

Heute fährt Millie auf einer Straße entlang, an der es tausend Windmühlen gibt. Millie hat sie alle gezählt. Eins, zwei, drei, vier und so weiter. Zhlen ist ja pickepacke leicht. Achtzehn, neunzehn, zwanzig. Fünfzig. Hundert. Tausend

Die Windmühlenräder sehen aus, wie riesige Spinnennetze. Sie drehen sich so lustig im Wind. Manche drehen sich nicht. Die sind kaputt.

Millie hat unterwegs einen Fächer bekommen. Auf Mallorca gibt es nämlich tausend Fächer. Sie sind aus Papaier, in Rot und in Gelb und in allen Farben. Mit Spitzen und Blumen und Stieren drauf. Man braucht einen Fächer, weil es so heiß ist auf Mallorca. Damit kann man sich kühle Luft machen.  

Am schönsten ist es, wenn einem jemand anders Luft zufächelt. Millie macht der Schwester Wind. Die Schwester schließt die Augen und schnappt nach Luft. Dann greift sie nach dem Fächer. Ihre Finger reißen Löcher in das Papier bis nach unten hin. Millie gibt der Schwester eins auf die Finger. Nicht sehr doll. Die Schwester heult trotzdem los.

Mama dreht sich um. "Was hast du, Schätzchen?", fragt sie. Zum Glück kann die Schwester noch nicht sprechen.

Wenn man auf Mallorca so lange fährt, bis es keine Windmühlen mehr gibt, dann kommt man zu einer Glasbläserei. Oh ja, sie wollen sich anschauen wie es darin aussieht.

Zuerst müssen sie durch einen Laden gehen. Huch. Jens und Dirk sind auch da. Die sind ja überall, wo Millie auch ist. Sie bekommen in dem Laden was gekauft. Kugelschreiber und Aufkleber und jeder eine Trinkflasche aus Leder.

"Ich will einen Kugelschreiber", sagt Millie. Papa und Mama hören nicht. "Ich will einen Aufkleber", versucht Millie es noch einmal. Nichts zu machen.

"Und was ist das da", fragt Millie. "Eine Dose für Ohrenstäbchen", sagt Mama. "Und das da?" "Kastagnetten", sagt Papa. "Kastanien?", fragt Millie. "Kas-tan-jet-ten", sagt Papaund führt Millie vor wie man mit den Holzscheiben klappern kann. Klappert schön.

"Krieg ich das?", fragt Millie. "Nein", sagt Mama. Oh. in einem Schreank sitzen Puppen hinter Glas. Miss Mandarella sitzt auch da. Rotes Kleid mit Rüschen. Miss Mandarella gibt es auch in Grün mit Rüschen und in Gelb mit Rüschen und in Blau mit Rüschen. Aber in Rot mit Rüschen ist sie am schönsten.

"Die will ich haben", sagt Millie. "Bitte, Mama, bitte. Ich will sonst nichts auf der Welt" "Nein", sagt Mama"Bitte, Papa, bitte", sagt Millie."Ich will sonst nichts auf der Welt" "Nein", sagt Papa. Millie stampft mit dem Fuss auf.

Papa und Mama tun so, als ob sie es nicht merken und gehen weiter.

Puh, in der Glasbläserei ist es aber heiß. Millie sieht Flammen in einem riesigen Ofen. Feuer anscheuen ist schön. Auch die Schwester ist ganz aufgeregt. "Dadididadei", brabbelt sie. Versteht kein Mensch. Babysprache.

Ein Mann holt sich mit einem langen Rohr einen Klumpen Glas aus dem Ofen. Glas. Millie hat nicht gewusst, dass Glas flüssig ist. Dann ziept es mit einer Schere an dem Stüc Glas herum. Nicht schneiden. Ziepen.

Der Mann ziept lauter Ohren aus dem Glas. Lange und kurze und noch längere. Am Schluss sind es keine Ohren mehr, sondern Beine und Kopf und Maul und ein Schwänzchen. Und dann ist aus dem Klumpen Glas ein Stier geworden.

Der Mann ziept lauter Stiere. Hundert. Tausend. Papa kauft einen Stier. Millie sucht den schönsten aus. Die sehen nämlich alle anders aus. Aber nur, wenn man genau hinsieht.

Über der Glasbläserei, die Treppe rauf, kann man fertige Gläser angucken. Es ist ein Glasmuseum. Ein Museum voller Schüsseln und Gläser und Blumenvasen. Millie ist mit dem Begucken schnell fertig. Mama und Papa nicht.

Wenn man wieder aus dem Museum rausgehen will, steht da ein Thron. Auf dem Thron sitzen Dirk und Jens. Sie spielen: Wenn ich König wäre.

"Wenn ich König wäre, würde ich einen Sack Geld zaubern", sagt Jens. "Und würde mir alles kaufen, was ich will." "Wenn ich König wäre, würde ich alle Leute mit Schlamm beschmeißen", sagt Dirk.

Millie steht in der Ecke. Sie würde gerne mitspielen. Sie will sich aber nicht noch einemal von Jens und Dirk audlachen lassen. Deshalb wartet sie lieber, bis die beiden endlich abhauen.

Sie klettert auf dem Thron. Jetzt ist Millie ein König. Der Thron ist ganz aus Holz geschnitzt. Links und rechts neben dem Thron gibt es noch viele kleinere holzgeschnitzte Sessel. Da sollen die Diener sitzen.

Alle Leute, die aus dem Glasmuseum nach draußen gehen wollen, müssen dem König ihre Wünsche nennen. "Was wollen Sie?", fragt Millie. Manche Leute lachen. Sie verstehen nicht, dass Millie jetzt ein König ist. "Was wollen Sie?"

Manche Menschen sagen was. Hach. Das war wohl Englisch oder Französisch oder so was. Spanisch vielleicht. Kann Millie nicht verstehen.

Jetzt kommen Mama und Papa. "Was wollen Sie?", fragt Millie. Papa sagt:" Wir wollen jetzt nach Hause gehen." "Dürfen Sie nicht", sagt Millie. "Wir haben so einen Hunger", sagt Papa. "Das kleine Kind hier will schlafen",sagt Mama. "Kleine Kinder dürfen gar nichts", sagt Millie. "Überhaupt nichts".

"Oh", sagt Mama. "Sind sie hier die Prinzessin?" "Ich bin der König", sagt Millie. "Verzeihung", sagt Papa. "lieber König, wenn Sie König sind, dann dürfen Sie sich was wünschen. Wir sind Ihre Diener. Was wünschen Sie sich denn?"

"Was ich mir wünsche?", sagt Millie. "Ja", sagt Papa."Wenn du König wärst." "Wenn ich König wäre", sagt Millie"Dann wünsche ich mir, dass es jeden Tag Fleischwurst zu essen gibt. Und sonntags Brötchen mit Fleischsalat."

"Und was noch?", fragt Mama. "Wenn ich König wäre", sagt Millie, "dann wünsche ich mir, dass alle Leute dieselbe Sprache sprechen."

"Und was noch?", fragt Mama. "Wenn ich König wäre", sagt Millie, "dann wünsche ich mir Miss Mandarella"

Mama verdreht die Augen. Millie weiß schon, dass es mit Miss Mandarella nicht klappen wird. Mama braucht gar nicht die Augen zu verdrehen.

"Wenigstens ein Paar Klapperkastanien", sagt Millie schnell. "Sollen wir ihr den Wunsch erfüllen?", fragt Papa. Mama nickt. Da kommt Millie schnell von Thron geklettert.

Mama und Papa kaufen ihr zwei Paar Klapperkastanien. Damit kann man nichts anfangen. Nur klappern.

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cazze
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miez miez cazze


« Antworten #2 am: 09. Jul. 10, 21:21 »

Millie feiert Weihnachten

Weihnachten kommt über Nacht. Schwups, ist der Sommer vorbei und überall gibt es Lebkuchen und Weihnachtsmänner. Bis richtig Weihnachten ist, dauert es aber noch eine ganze Weile. Damit man sich lange darauf freuen kann, sagt Millies Mama. 24 Adventskalenderkläppchen lang!- 24 Geschichten, in denen Millie sich auf Weihnachten freut, den Nikolaus trifft und Weihnachtslieder singt, bis Weihnachten endlich, endlich da ist.

Leseprobe: 16 Dezember- Millie auf der Suche

Millie kann nur in den Topfschrank schauen, wenn Mama nicht zu Hause ist. Da muss sie warten, bis Mama mit der Schwester spatzieren geht.

"Willst du mit, Millie?", fragt Mama. "Ich muss noch ein Bild malen", sagt Millie. "Wird dir auch nicht langweilig?" "Nein, nein, nein", sagt Millie und muss vor Aufregung von einem Bein auf das andere springen.

"Wir bleiben nicht lange weg", sagt Mama. "Mach keine Dummheiten. Geh nicht ans Telefon. Und wenn es klingelt, lass niemanden rein. Sei ein liebes Kind" "ja, ja, ja", sagt Millie.

Sie schaut aus dem Fenster um zu sehen, wie Mama die Karre mit Trudel durch den Vorgarten schiebt und dann die Straße entlangläuft.

Der Topfschrank. Ganz, ganz oben.

Millie muss den Stuhl vor den Schrank stellen und hinaufklettern. Oh, jetzt kriegt sie die Tür nicht auf. Runter vom Stuhl. Tür aufmachen. Stuhl wieder hinstellen. Nichts zu sehen.

Na, vielleicht hat Mama die Geschenke in den Töpfen versteckt. Millie nimmt vorsichtig die Töpfe herunter. Einen nach dem anderen. Hebt Deckel an, sieht hinein. Nichts drin. Nicht einmal eine festgeklebte, angetrocknete Nudel.

Wo können Papa und Mama die Geschenke denn versteckt haben? Auf dem Kellerregal mit den leeren Blumenkästen? Nein. Im Gefrierschrank in der Küche? Nein. In Trudels Kinderbett unter der Matratze? Ach, das wäre aber gemein. Trudel macht ja noch ins Bett.

Vorsichtig hebt Millie die Matratze an. Ganz vorsichtig. Das Laken darf nicht verrutschen. Sonst könnte Mama was merken. Nein.

Natürlich! Jetzt fällt es Millie ein. Der Kleiderschrank! Zuerst guckt Millie ind den Teil, wo Mamas Blusen und Kleider Hängen. Mama hat ein wunderschönes langes Kleid. Es ist so lang, dass es sich unten auf dem Schrankboden kräuselt wie ein Wasserfall.

Millie hebt den Wasserfall hoch. Nichts zu sehen. Das Kleid rutscht von Bügel. So ein Mist. Na, da kann Millie doch gleich mal sehen, wie sie mit Mamas langen kleid aussieht.

Schön. Millie hat jetzt weite Flatterärmel. Wenn sie mit dem kleid über den Flur läuft, rauscht der Wasserfall hinter ihr her. Und wenn Millie nicht aufpasst, tritt sie vorne auf das Kleid. Dann knackt es an den Nähten. Oh. Hoffentlich hat sie nichts kaputtgemacht.

Millie bleibt vor dem Spiegel stehen. Sie hebt die Arme. Der Stoff ist leicht und durchsichtig und so bunt wie ein Schmetterlingsflügel. Um den Hals ringelt sich ein Glitzerband und vorne hängen goldene Bommel. Herrlich. Millie sieht aus wie ein wunderbares Nachtgespenst.

Nun muss sich Millie aber beeilen. Mama darf sie nicht erwischen. Schnell zieht sie das Kleid über den Kopf und hängt es auf den Bügel. Sie muss ein bisschen am Stoff herumzupfen, damit unten am Boden wieder ein schöner Wasserfall liegt.

Was jetzt? Mal hinter die Handtücher schauen. Und mit der Hand zwischend ie Bettwäsche flutschen und hinter dem Stapel mit den Fingern zappeln. Papa und Mama haben noch keine Weihnachtsgeschenke gekauft.

Vielleicht gibt es dieses Jahr gar keine Geschenke? Weil Millie nicht liebgewesen ist. Ach nein. Das ist ja das Gute an Mama und Papa. Man kann so unartig sein, wie man will: Weihnachtsgeschenke gibt es trotzdem. Das weiß Millie einfach. Vielleicht sorgt ja auch das Christkind dafür.

Millie lässt ihren Arm noch einmal zwischen Mamas Pullover krabbeln. Sie wackelt mit den Fingern. Knisterknaster. Das gibt es doch gar nicht. Papa und Mama haben doch schon Weihnachtsgeschenke gekauft.

Millie hebt Mamas Kuschelpullover vom Stapel. Nichts darf verrutschen. Sie legt ihn auf Mamas Bett. Dann sieht sie die Geschenke. Alle. Sie sind noch nicht in Weihnachtspapier verpackt.

Da liegt eine Uhr mit Mickymaus und ein Legobaukasten mit Schloss und rote Turnschuhe, wie Gus sie hat, aber in Grün und eine Ballettkleidpuppe in Blaublaublau. Schön.

Wie soll die Puppe den heißen? Fräulein Fitzelmitzel? Nein. Prinzessin Honigmund? Nein. Sabine soll sie heißen.

Schade, dass Willie der einzige Junge in der Familie ist. Und hoffentlich wird sich Sabine mt Miss Mandarella und der doofen Lillabetta vertragen. Gibts noch mehr Weihnachtsgeschenke?

Nein. Na, vielleicht haben Mama und Papa noch nicht alles gekauft. Oder das Christkind ist so beschäftigt, dass es noch nicht alles besorgen konnte.

Millie legt die Geschenke zrück. Und sachte, sachte Mamas Kuschelpullover obendrauf. Mama wird nichts merken.

Schnell setzt sich Millie an den Küchentisch und fängt an ein Bild zu malen. Der Weihnachtsbaum.

"Na, Millie?" fragt Mama, als sie zurückkommt. "Hast du Dummheiten gemacht?" Millies Hals und Backen werden heiß. Sie beugt sich tief über den Weihnachtsbaum.

"Nein, nein, nein", sagt sie und muss schlucken, obwohl sie kein bisschen Spucke im Mund hat.

Zum Glück hat Mam nur so gefragt. Sie hat nichts gemerkt. Da ist Millie froh. Aber das schöne kribbelige Gefühl im Bauch ist verschwunden. Schade. Millie freut sich gar nicht mehr so doll auf Weihnachten.

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« Antworten #3 am: 14. Jul. 10, 21:08 »

Millie in Italien

Es ist wahnsinnig heiß in Italien findet Millie. So heiß wie in der Hölle. Man schwitzt und schwitzt und bekommt fürchterlichen Hunger auf Eis, besonders auf Tuttifruttieis. Das Schönste in Italien wollen sie zum Schluss angucken, sagen Mama und Papa. Keine feuer speienden Berge, keine schiefen Türme, sondern eine Stadt, die Venedig heißt. Pah, denkt Millie, Wee-nee-dich - was soll da schon los sein?




Leseprobe: Millie im Bommelbötchen

Wee-nee-dich ist eine kühle Stadt. Venedig. Man läuft immer im Schatten, bis man ans große Wasser kommt, zu dem Platz mit den tausend Tauben. Millionenmillionenm illionen Tauben.

Sie haben keine Angst. Die picken einem noch fast die Zehen in den Sandalen weg.

Vor dem großen Platz mit den vielen Kirchen liegt das Meer. Hier können sie auch Bötchen fahren. Aber Mama will immer noch nicht.

Ach, da gibt es ja auch eine Andenkenbude. "Krieg ich was?", fragt Millie und sieht Mama an und Papa und wieder Mama. Jetzt können Mama und Papa gar nicht anders. Ein Andenken muss man immer bekommern. Mindestens eins.

Soll es ein kleiner Fernsehapparat sein mit lauter Bildern von Wee-nee-dich? KlickiKlackiklicki? Oder ein Schlüsselanhänger mit einem Bötchen? "Die heißen nicht Boote, sondern Gondeln" erklärt Papa. "Bommeln?" "Gondeln"

So ein Gondelbommelbötchen ist aber nicht so schön wie Wulles schiefer Turm von Pisa. Nee, lieber nicht. Aber jetzt hat Millie was entdeckt. In Wee-nee-dich verkaufen sie alles, was es in Italien in groß gibt, auch noch mal in klein. Und in echt, aus Stein.

Den nackten David von dem Mickelnickel und den Petersdom aus Rom. Das Koloseum und ein Fräulein, das seinen Bauchnabel zeigt und in einer Muschel steht. Und eine Tante, die obenrum nichts anhat. Die Tante liegt auf einem Sofa. Soe sieht schön aus mit ihrem nackten Busen. Schwabbeldabbelwabb elbusen.

"Die Tante möchte ich haben", sagt Millie. "Die kann ich gebrauchen. Die Tante passt dann auf Willie auf und auf die doofe Lillabetta."

"Viel zu teuer", sagt Papa. Er hat doe Schwabbeldabbeltant e hochgehoben und unter das Sofa gekuckt. "Wieviel denn?", fragt Mama. "Dreißigtausend", sagt Papa. Mama zieht die Luft ein. "Nchchch" "Ist aber bestimmt echt", sagt Millie.

Der Mann von der Andenkenbude versteht Papa. Ganz schnell sagt er:"Zwanzigtausend" Papa schüttelt heftig den Kopf und will die nackte Tante sofort wieder zurückstellen. Die Schwabbeldabbelwabb eltante.

Millie ist auch schnell. "Zehntausen", dagt sie. Der Andenkenmann nimmt Papa die Tante weg und gibt sie Millie. Er hält sich mit einer Hand den Kopf und jammert, als ob er Kopfschmerzen hätte.

"Diosmioskios", sagt er "Zehntausend" Hat Millie gewonnen?

Millie hat gewonnen. Papa zieht sein Portmonee. Weil er aber immer noch die schlafende Trudel auf seiner Schulter festhalten muss, hilft Mama beim Bezahlen. Zehntausend.

"Sind wir eigentlcih reich?, fragt Millie."Leider nicht", sagt Mama. Aber wenn man zehntausend bezahlen kann! Dan ist man doch Millionär!

Trudel ist wach geworden. Sie will auch ein Andenken haben, den Fernseher mit den Bildern aus Wee-nee-dich. Klickiklackiklicki macht Trudel.

Jetzt müssen sie sich aber auf den Rückweg machen zu ihrem Auto. Straße, Brücke, Fluss, Straße, Brücke, Fluss. Plitscheplatsche macht das Wasser im Kanal. "Wenn wir zum Abschied noch Bommelbötchen fahren könnten, wäre das so richtig schön"meint Millie.

Mama und Papa sehen sich an. Hach, jetzt unterhalten sie sich wieder mit den Augen. So was kann man nur, wenn man erwachsen ist.

"Also gut", Papa gibt nach. "schließlich ist heute unser letzter Tag" Er nimmt ganz viele Scheine aus seinem Portmonee und gibt dem Gondelmann das Geld für die Fahrt. Sie sind ja doch Millionäre.

Die Gondel ist ein schwarzes, langes Boot. Es passen nicht viele Leute hinein. Nur die Familie und Wulle. Aber Wulle ist ja schon fast ein Bruder.

Beim Einsteigen wackelt und bommelt das Bötchen wie eine Nussschale.

Papa sitzt neben Wulle und hält Trudel fest. Denn in einer Gondel darf man keine Dummheiten machen. Die Gondel würde nämlich sofort umkippen. Das Wasser schlippt und schlappt und leckt sich schon die Lippen.

Millie umklammert Mamas Arm mit beiden Händen. Wenn sie etwas lockerer läss, dann kann sie sehen, wie ihre Finger Abdrücke auf Mamas Arm hinterlassen.

Und da ist noch jemand mit ihnen im Boot. Ein Bootsmann. "Das ist der Gondeoliere", sagt Mama. Gon-dol-jeh-re. Das ist ein schönes Wort. Wenn Millie es langsam vor sich hin sagt, fühlt es sich an wie ein Bonbon im Mund. Gon-dol-jeh-re. Scho-ko-la-den-nüs-se. Ka-ra-mell-tor-te. Hmhmhm.

Der Gon-do-jeh-re schiebt die Gondel mit einer langen Stange an, damit sie überhaupt vorwärts kommt und weiß, wohin sie fahren müssen. Das Bommelboot hat nämlich keinen Motor und keine Tretpedalen. Und kein Steuer. Hoffentlich bleibt die Stange nicht im Boden stecken.

Viele Gondeln kurven auf dem Wasser herum. Die Kanäle sind wie Straßen. Eine Gondel kommt plötzlich von hier und von dort, eine andere mit einem Mal von links oder von rechts. Die Gondeln kommen von allen Seiten und stoßen fast zusammen. Hilfe, Hilfe.

Aber kurz bevor es rumst, brüllen sich die Gon-dol-jeh-re etwas zu. Sie können ja nicht hupen, wie Autos im Straßenverkehr. Was sie da rausbrüllen kann Millie nicht verstehen, aber es heißt sowas wie: "Hau ab du blöder Hund, sonst fahr ich dir ein Loch in den Bauch" oder: "Du verdammter Doofkopp, kratz blos die Kurve, sonst fahr ich dir den Hintern ab"

Millie kennt das nämlich. So brüllt sie mit Gus und Wulle zu Hause auch rum, wenn sie auf dem Spielplatz mit den Rädern rumsausen.



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