Andrea wusste selbst nicht was es war, das sie dazu trieb, Dumbledore so vehement zu verteidigen. Dieser alte Zauberer war ihr in den letzten Wochen und Monaten nicht immer nur sympathisch gewesen; oft genug hatten sich ihre Meinungen und Ansichten unterschieden, hatte sie sich über seine Allmacht geärgert, doch jetzt…. Vielleicht war es Harveys Art, seine ganz persönliche Sichtweise der Dinge dazustellen, die so rein gar nichts mehr mit dem gutmütigen alten Freund, wie sie ihn früher kannte, zu tun hatte, oder es war einfach nur ihre Weigerung sich einzugestehen, dass sie hier in etwas verstrickt war, was sie nun nicht mehr überschauen konnte. Tief in ihrem Inneren rebellierte alles dagegen, dieses einmal gefasste Bild zu revidieren.
„Hat Dumbledore dich wirklich nie gebeten ihm Näheres über das Haus zu erzählen? Wollte er das Haus nie besuchen oder das Salomonschild in Händen halten?“
Andrea wusste nicht was sie darauf entgegnen konnte und Harvey nahm dieses Schweigen als Bestätigung hin. „Unterschätz niemals diesen alten Fuchs, er tut nichts ohne Grund und Hintergedanken.“
Lautlos und doch mit der Macht einer gigantischen Explosion zerbarst unerwartet das letzte bisschen Sicherheit, das Andreas Weltbild bis dahin noch notdürftig zusammen gehalten hatte. Die Welt um sie herum schien plötzlich nur noch aus Schutt und Trümmer, Rauch und Hoffnungslosigkeit zu bestehen. Eisige Leere krallte sich um ihr Herz, während eine neue, erbarmungslose Erkenntnis, wie ein schwarzer, mit Grauen gefüllter Schatten über ihr schwebte.
„Genau wie du“, entgegnete sie leise und für einen kurzen Moment war sie sich selbst nicht mehr sicher, ob dies wirklich ihre eigene Stimme war, welche hier Harvey emotionslos und kalt antwortete. „Auch du hast ein persönliches Ziel, das du hier verfolgst.“
Kapitel 39c
Der Bund der Vorfahren
Sprecher: Madarka
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Harvey nickte, dennoch dauerte es noch eine Weile, bis er mit leiser Stimme seine Erklärung begann. „Das wo wir hier sind…ist einfacher zu erklären, als der Rest. Wir befinden uns hier in einem Landhaus in der Nähe von Aberdeen, das uns für deine Genesung zur Verfügung gestellt wurde.“
„Ah!“ Andrea blicke ihm skeptisch entgegen. „Und was sollte dann die ganze Maskerade? Warum hast du nicht einfach…“
„Lass mich von vorn beginnen, Andrea!“, unterbrach Harvey sie mit einem energischen Kopfschütteln und rückte mit seinem Stuhl näher an Andreas Bett heran. „Wir haben nicht so viel Zeit wie du vielleicht denkst.“
Harvey machte erneut eine Pause, doch als er zu sprechen begann, klang seine Stimme fest und sicher; fast so, als hätte er seit langer Zeit darauf gewartet, ihr das Folgende zu erzählen.
„Wie du dich sicher erinnern wirst, gab es bereits zu der Zeit als der dunkle Lord das erste Mal an die Macht kam, einen Bund, dem sich auch deine Eltern zugehörig fühlten.“
„Ja, Francesco hat mir einiges davon erzählt. Dieser Bund sah seine Aufgabe darin, Voldemort zu bekämpfen, doch was hat das mit mir zu tun?“, fiel sie ihm ungeduldig ins Wort.
Harvey zuckte heftig zusammen und für einige Sekunden sah es aus, als hätte ihn die Nennung von Voldemorts Namen völlig aus dem Konzept gebracht; doch es dauerte nicht lange, bis er sich wieder gefangen hatte. „Das ist richtig, doch dieser Bund hatte auch noch andere Aufgaben; unter anderem die, für deine Sicherheit zu sorgen.“
„Meine Sicherheit?“
„Ja. Uns war immer bewusst, dass du irgendwann den Weg deiner Vorfahren gehen würdest. Es war nur eine Frage der Zeit, bis du Zugang in das Haus deiner Urgroßeltern gefunden hattest und der Bund sah es als seine Aufgabe…“
Andrea setzte sich mit einem Ruck in ihrem Bett auf. „Ich bin nicht wie meine Vorfahren! Und ich werde nie ihr Interesse an der dunklen Magie haben!“
Kapitel 39b
Der Bund der Vorfahren
Sprecher: Madarka
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Als Harry an diesem Abend in den Turm zurückkehrte, fand er den Gemeinschaftsraum, wie nicht anders erwartet, verlassen vor. Nur ein Schopf feuerroter Haare, die noch über den Rand des vor dem Kamin stehenden Sessels überstanden, sagte ihm, dass Ron noch auf ihn gewartet hatte und wohl dabei eingeschlafen war. Müde und nicht sicher, ob er jetzt überhaupt reden wollte, ging er leise auf ihn zu und rüttelte ihn sacht an der Schulter.
„He, Ron! Schlafen solltest du in deinem Bett.“
„Hm…was…ach du bist´s, Harry“, nuschelte er schlaftrunken und fuhr sich über die Augen.
„Zeit schlafen zu gehen!“
„Muss hier eingepennt sein.“ Ron gähnte herzhaft und blinzelte dann neugierig zu Harry auf. „Und? Was erreicht?“
„Wie man´s nimmt“, brummte Harry und ließ sich in den Sessel neben Ron fallen.
„Erzähl mal!“
„Da gibt es nicht viel zu erzählen. Ich habe Silver nicht gefragt, ob er mit mir zusammen in das alte Haus gehen würde.“
„Warum nicht?“
„Keine Gelegenheit.“
„Mensch, Harry lass dir doch nicht jedes Wort einzeln aus der Nase ziehen“, murrte Ron, der nun hellwach dasaß und ihn groß ansah.
„Ist ein bisschen schwierig“, seufzte Harry und blickte sich unschlüssig in dem leeren Gemeinschaftsraum um. „Der Orden hat auch so eine heiße Spur zu Andrea.“
„Hm, verstehe.“
Harry bezweifelte, dass Ron wirklich verstand, doch er widersprach ihm nicht. Einige Minuten saß er nur stumm da und grübelt in sich hinein, während immer wieder das Gespräch mit Silver in seinem Kopf Revue passierte, bis er sein eigenes Schweigen selbst nicht mehr aushielt.
„Sag mal, Ron, hast du dich schon mal gefragt…wann der Zweck die Mittel heiligt?“
„Wie bitte?“ Rons Gesicht spiegelte deutlich seine Verwirrung wieder, bis ihm langsam dämmerte, dass Harrys Frage etwas mit seiner Stunde bei Silver zu tun haben musste.
Kapitel 39a
Der Bund der Vorfahren
Sprecher: Madarka
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Die Tür stand noch immer weit offen und so konnte Harry McGonagall sehen, die mit dem Rücken zum Fenster stand und sich nun fröstelnd über die Arme rieb.
„Du weißt, dass dich derartige Aktionen nach Askaban bringen können?“, sagte sie leise, ohne jedoch ihren Kollegen anzusehen.
„Mach dir keine Sorgen, Minerva. Diese Beiden sind so sehr von sich eingenommen, dass sie es niemals ernsthaft in Erwägung ziehen würden, einer Hypnose erlegen zu sein. Sie werden ihren Vorgesetzen einen genauen Bericht abgeben und behaupten, bei gründlicher Durchsuchung und Befragung auf nichts Verdächtiges gestoßen zu sein.“
„Ich bezweifle, dass ihr Auftraggeber sich damit zufrieden geben wird.“
„Wird er sicher nicht, doch uns verschafft es einen gewissen Aufschub.“
McGonagall nickte, auch wenn ihr Mienenspiel deutlich verriet, dass sie sich ernsthafte Sorgen machte, aber sie entgegnete nichts. Mit einer für sie ungewöhnlich mütterlichen Geste, tätschelte sie seine Hand und wandte sich zum Gehen, als sie Harry erblickte, der unentschlossen vor der Tür stand.
„Potter, was tun Sie hier?“, fragte sie forsch und plötzlich haftete ihr nichts weniger, wie Mütterlichkeit an.
„Verzeihen Sie Professor, ich suchte Professor Silver, wir haben….“
„Sie haben gelauscht!“, unterbrach sie ihn empört, doch Silver hob beschwichtigend die Hand.
„Ich habe Harry gebeten vor der Tür auf mich zu warten“, erklärte Silver mit einem müden Lächeln und winkte Harry zu sich herein.
Minerva McGonagall schnappte nach Luft und für einen kurzen Augenblick war Harry sich sicher, dass sie Silver gleich das Wort Idiot an den Kopf werfen würde, doch sie tat es nicht. Stattdessen …
Kapitel 38c
Die Befragung
Sprecher: Lily Lupin
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