Wie die Alten sungen …

“Jo mei, san mer halt mol e bisserl geschmacklos”, wird sich die Junge Union gestern gedacht haben, als sie die nebenstehende Broschüre unters Volk brachte. Darauf eine Leiche mit dem Etikett “7 Jahre Amtszeit”. Tolles Niveau. Ja, gell, in Bayern – ha – da langt man halt mal gern kräftig hin. So, wie der JU-Chef Mißfelder es für überflüssig hält, älteren Leuten noch ein teures Hüftgelenk zu spendieren – die sterben ja eh bald. Tja, und die Geschichtskenntnisse dieses Unionsnachwuchses hören halt doch abrupt bei einer bestimmten Zeit auf, sonst hätten sie wohl kaum in eben dieser Broschüre (auf S. 9) für eine Mitgliedervorstellung den Titel “Die jungen Stürmer” genommen. Und auf Seite 17 sieht man ein Foto von 4 JUlern, die freudig die Faust nach vorne recken. Untertitel: “Auf in den Kampf.” Wer sich die ganze Broschüre …
antun will – die gibt es hier als PDF. Na gut, der ein oder andere Leser wird dazu anderer Meinung sein, das ist ja schon okay. Jedenfalls erinnert mich diese Art der Darstellung doch sehr an das Verbrecherplakat, auf dem die CDU im letzten Wahlkampf Schröder abgebildet hat (und das sie dann nach Protesten zurück gezogen hatte).
[Auf die Broschüre aufmerksam geworden durch Lichtwesens Variationen.]
(Wer mir jetzt entgegenhält, das seien nur Kleinigkeiten, und die anderen würden ebenso … und überhaupt, in Wirklichkeit wären doch Gysi und Lafontain gemeint, der hat – mit Verlaub und meiner ganz persönlichen Meinung nach – nicht so ganz verstanden, dass man in einigen Wochen nicht nur eine politische Partei wählt, sondern auch Politiker mit bestimmten Geisteshaltungen.)




Geschmacklos?
“Jein!”, werteste Brüder im Geschlecht, “jein!”.
NEIN zum Inhalt;
man/frau sollte mit dem Tod keine Witze oder gar Werbung machen, da gibt es wirklich eine moralische Grenze, welche speziell bei den C-Parteien bzw. durch diese selbst höher angesetzt werden sollte.
JA zur Form/Struktur;
ich bin positiv überrascht, daß die bay. JU zu Techniken greift, welche man/frau sonst eher bei den GRÜNEN vermuten dürfte. Dies läßt hoffen, da sich bei denen, eher als bieder geltenden konservativen Kreisen ein lockeres, befreiteres Denken breit macht. Man könnte fast sagen, daß GRÜN auf SCHWARZ eingefärbt hat und doch nicht so wirkungslos gewesen ist, wie die Werbung uns glauben machen möchte.
Oje, Gefahr von Fehlinterpretationen;
ich fürchte, daß die meisten wieder einmal Probleme mit meiner getrennten Betrachtung von Inhalt und Struktur haben dürften – wobei sich die meisten Menschen eher auf den Inhalt stürzen und ich mehr Freude und Interesse an der Struktur der Dinge habe.
Persönlich hätte ich, der sich selbst auch ein Ende von Rot-Grün, dabei speziell der Regierungsbeteilung der selbstgerechten selbstherrlichen Gutmenschen (alternativ: besserverdienende Besserwisser/innen) wünscht, die obige Werbebotschaft inhaltlich mittels einer Konservendose, alternativ mit einer PfandFLASCHE, und einem abgelaufenen Haltbarkeitsdatum dargestellt.
Äh ja – ich wollte jetzt aber keine Schleichwerbung machen und kann nur hoffen, daß die Kritiker/innen meiner Worte eben diese bei Verständisproblemen zweimal lesen mögen – der Mensch ist zuweilen ein kognitiver Geizhals, aber dies ist fast schon wieder ein anderes Thema.
Grüße
Schoggo-TV
[Wilhelm]