Journalistenausbildung im IrakSusanne Fischer vom “Institute for War and Peace Reporting” bildet im Irak junge Journalisten aus. Dazu gehören die üblichen Aufgabenstellungen, z. B. Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. So erhält eine Gruppe von Journalistikstudenten einen Bericht über einen Bombenanschlag auf eine Schule, bei dem drei Menschen und ein Esel starben, auf Papierstreifen, die in eine entsprechende Reihenfolge gebracht werden sollten. Eine Studentin setzte ganz nach oben die Meldung vom Tod des Esels. Auf die erstaunte Nachfrage erklärte sie: “Ach, wissen Sie, Menschen sterben hier jeden Tag bei Anschlägen. Aber dass ein Esel dabei umkommt, das ist ungewöhnlich.” … Wie unerhört groß muss das Leid in einem Land sein, wenn Menschen zu solchen Schlussfolgerungen kommen? Nimmt die westliche Welt noch wahr, was sie den Menschen in diesem Land angetan hat? Nein, natürlich nicht. Natürlich rauschen die täglichen Todeszahlen in den Nachrichten an uns vorbei. Das lässt sich auch gar nicht vermeiden. Vermeiden lässt sich aber das Vergessen. Das Vergessen jener Geschehnisse, die diesen Krieg ausgelöst haben. Das Vergessen jener Personen, die diesen Krieg unterstützt haben. Und das Vergessen der Namen jener Menschen, die ihren Bückling vor jenen greisen Kriegsherren gemacht haben. Das wollte ich nur mal so erwähnen. So zwischendrin. Zwischen all unserem alltäglichen Kleinkram. Ein Kleinkram, der weder von Bomben noch von Eseln getrübt wird. Nur mal eben so …
[Berichtet wurde über die Journalistenausbildung im Medienmagazin vom 11. 2. 07 auf BR5, der Podcast ist als mp3-Datei downloadbar.]

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