TiddlyWiki Ein Wiki-Winzling bricht alle Download-Rekorde

Ein Wiki-System, das nur aus einer einzigen HTML-Datei besteht? Ein Wiki-System, das man auf dem USB-Stick bei sich trägt? Ein Wiki-System für Singles? Moment, lieber der Reihe nach
Wiki-Systeme an sich sind etwas bekannter geworden durch das Lexikon Wikipedia. Man hat eine ungefähre Vorstellung, dass an und in solchen Systemen viele Autoren gleichzeitig schreiben können, dass sich die Angelegenheit meist auf einer Webseite abspielt, dass man Textinhalte leicht verändern und ergänzen kann, wenn man eine kleine Syntax lernt (”fett” ergibt fett usw.) und dass es inzwischen eine stattliche Anzahl von unterschiedlichen Systemen gibt. In diesem Wikinger-Meer fristete TiddlyWiki von Jeremy Ruston als ein System unter vielen sein Dasein. Einige kannten es, manche benutzten es, die meisten übersahen es.
Bis, ja bis Nathan Bowers kam. Der verpasste dem Design ein neues Outfit und erweiterte die Funktionen so, dass sie ideal für Notiz-Sammlungen, To-Do-Listen, Mini-Projekte, Gliederungsskizzen usw. wurden und stellte sein GTDTiddlyWiki der GTD-Gemeinde zur Verfügung (Getting Things Done = Dinge geregelt kriegen eine in den Staaten sehr bekannte Zeitplan-Philosophie). Diese erkannte umgehend die Vorteile des MicroContent-Managements, beförderte es bei öffentlichen Bookmarksammlungen wie del.icio.us in die Top-Ratings und löste so einen Boom an Weiterentwicklungen aus, der durchaus beachtlich ist (und vor einigen Tagen mit 4 neuen Tagging-Versionen einen neuen Höhepunkt erreicht hat – siehe unten).
Aber was genau begeistert die Leute an dieser Mini-Geschichte? Führt sie wirklich zu einer neuen Art des Schreibens, wie manche der Entwickler behaupten? Schauen wir uns die Einzelheiten
einmal näher an.
1. TiddlyWiki ist für Singles
Die TiddlyWiki-Systeme sind eigentlich (siehe unten) nicht auf Gruppenarbeit angelegt. Sie sollen der persönlichen Notizsammlung dienen. Keine Installation. Kein PHP oder MySQL. Kein Server. Eine einzige HTML-Datei wird gespeichert und neu im Browser abgerufen. Fertig. Diese ca. 40 KB große Datei enthält das gesamte System samt Content. Ich kann beliebige Veränderungen vornehmen, diese Datei auf meinen USB-Stick laden, ins Büro mitnehmen, wie ein Notizbuch immer bei mir tragen.
Ihnen ist es lieber, wenn Sie ein System online haben, in der Gruppe arbeiten können, Passwörter benutzen können usw.? Kein Problem: Inzwischen haben sich von PHP bis CGI etliche Adaptionen des Originals gebildet, die all das erlauben.
2. TiddlyWiki denkt in Zusammenhängen
Beim ersten Test des Systems wird man eine Reihe von Animationen (die man übrigens abschalten kann) erleben, die die kleinen Tiddlers (= Textpassagen) wild hin und her schieben. Das sieht spaßig aus und man denkt erst mal: Da hat einer zu viel mit Javascript gespielt. Erst auf den zweiten Blick wird klar, was das bedeutet: Man springt nicht mehr von Link zu Link. Ein Klick auf einen Link zieht vielmehr die betreffende Textpassage heran und lässt andere verschwinden. Oder wenn ich im Suchfeld Buchstaben eintippe, so werden ab dem dritten Buchstaben alle Passagen, in denen diese vorkommen, zusammengezogen und untereinander aufgelistet (das Suchwort selbst wird automatisch farblich hervorgehoben).
3. TiddlyWiki ist einfach genial
Okay, ich muss mit der üblichen Wiki-Syntax arbeiten (plus dem WikiWord-Linksystem, das Vor- und Nachteile hat) aber die hat man sich in 10 Minuten beigebracht, wenn man sie nicht ohnehin von anderen Systemen her beherrscht (für Firefox gibt es da auch eine Erweiterung für die rechte Maustaste).
Wie üblich genügt ein Doppelklick auf einen Textabschnitt und ich bin sofort in dem Editor-Fenster. Aber das gilt eben nicht nur für meine Texte es gilt auch für die Menüleiste, für Seitentitel ja sogar für das Stylesheet (!), mit dem ich das Layout verändern kann. Und Programm-Updates können mit einem Handgriff eingepflegt werden. Alles auf der gleichen Oberfläche mit dem gleichen System das ist schon genial.
Automatisch geschieht auch die Ergänzung der Timeline (eine Art History), des Glossars usw.
4. Und es geht noch besser
TiddlyWiki ist zwar der Ursprung und der Vater aller grundlegenden Weiterentwicklungen, aber wie das bereits erwähnte GTDTiddlyWiki gezeigt hat, kann man die Sache noch besser machen. Einen kleinen Quantensprung hat das System aber durch Adaptionen erlebt, die mit der Zuweisung von Tags (= Stichwörtern) arbeiten und das volle Potential dieser Methode ausreizen. Die beiden neuesten Systeme (es gibt momentan 4) sind GTDTagglyWiki und Simon Bairds Weiterentwicklung, die mir persönlich besonders gut gefällt. Simon hat nun auch die Möglichkeit von sortierbaren Tabellen, gruppierten Tags und eine Done-Markierung aufgenommen (die Punkte, die erledigt sind, rücken automatisch nach unten in der Liste).
Ich denke, es lohnt auf alle Fälle, sich mal 15 Minuten für einen kleinen Test zu reservieren. Wenn man das System einmal richtig verstanden hat (und zumindest Wiki-Erfahrene werden das nach ein paar Minuten geschafft haben), wird man schnell die Möglichkeiten für den eigenen Alltag entdecken.
Eine wahrhaft riesige Sammlung von Checklisten und Ordnungstipps für Büro, Haushalt und Freizeit ist bei LifeOrganizers zu finden.




MANN,
sieht großartig aus!
schon adaptiert? Oder Wo finde ich sowas (auf Deutsch, wenigstens das tutorial?)
Klasse Tipp…