TexNotes – eine Textverarbeitung für strukturierte Chaoten
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Zr haben heutige Textverarbeitungen tausend Funktionen mit zig Multimedia-Fähigkeiten – doch die Art, wie wir schreiben, hat sich seit Jahrzehnten nicht sonderlich verändert. Wir schreiben linear, ein Schrittchen folgt dem anderen, ab und zu wird mal was umkopiert, gelöscht, eingefügt usw. Damit hat es sich. Aber gerade, wenn wir neue Texte produzieren (müssen), ist unser Denken meist eben nicht linear – wenn, dann folgt es eher dem Chaos-Prinzip: Eine Gedanke hier, ein anderer dort, ein Einfall, der entschwindet, ein Bruchstück, das wir noch nicht einordnen können usw. usw.
TexNotes ist eine kleine Textverarbeitung, die sich auf diese Art des Schreibens spezialisiert hat. Auf der einen Seite gibt sie dem Autor alle Möglichkeiten, ganz frei und “zügellos” zu schreiben. Auf der anderen Seite gliedert, filtert, strukturiert und verlinkt sie die Ideen, dass es eine wahre Freude ist.

Die Grundidee des Programmes ist, auf der einen Seite so zu schreiben, wie die Einfälle kommen. Also z. B. direkt eine Notiz an ein Wort “anzukleben”, die mit einen kleinen Pfeilsymbol angezeigt wird und in üblicher Bubble-Manier erscheint. So verliert man nicht den Faden und der Gedanke ist dennoch nicht verloren. Ähnliches gilt …
für die kleine Skizzen-/Doodle-Funktion, für Mindmap- und integrierte Schnappschuss-Funktion.
Auf der anderen Seite wird durch flexible Gliederungen und spezielle Filter dafür gesorgt, dass die Gedanken Struktur erhalten und man all die schönen Gedanken auch wiederfindet. Das ist die zweite Grundidee von TexNotes: Die Aufteilung von umfangreichen Entwürfen oder Texten in “Häppchen”, die miteinander vernetzbar sind. Das merkt man sofort an der linken Navigationsleiste (die jeweiligen Gliederungspunkte und Unterpunkte sind beliebig “verschiebbar”) und an den Tabs, die man inzwischen von Browsern kennt (und die die großen Office-Pakte immer noch vermissen lassen).
Alleine 6 oder 7 verschiedene Verlinkungsarten zu internen Textabschnitten, externen Dateien (auch von anderen Programmen), URLs usw. gibt es samt Ankerfunktion, um mitten in einem Abschnitt zu einer bestimmten Stelle “zu springen”. Dabei poppt eine Auswahlgliederung auf, so dass man die Sprungpunkte bequem per Klick aussuchen kann ((Bild vergrößern)).
Gelungen ist auch die Suchfunktion: Während die meisten MS-Produkte den User immer noch von Fundstelle zu Fundstelle zeitraubend “hüpfen” lassen, zeigt Texnotes alle Fundstellen in einer Liste zusammen mit dem Umgebungstext. Vielfältige Suchverfeinerungen (z. B. ob meine Notizen in die Suche einbezogen werden sollen oder – umgekehrt – eben nur Notizen oder Keywords durchsucht werden sollen) sind per einfachem Ankreuzen einsetzbar.
Natürlich kann ich jederzeit und überall Lesezeichen (Bookmarks) setzen, die dann in einem eigenen Tab gesammelt werden. Prima auch hier: das Quick-Marking nimmt einfach den Text der entsprechenden Zeile auf. Aber ich kann jedes Lesezeichen beliebig umbenennen (z. B. in “Hier fehlt die Grafik”) – der Verweis bleibt trotzdem korrekt.
Sehr hübsch auch das arrangieren und abspeichern unterschiedlicher Arbeitsumgebungen: Mit einem Klick habe ich dann immer genau die Desktop-Aufteilung und Fenstereinblendung, die ich gerade möchte.
Und auch von der Statistik-Funktion könnten sich andere Programme einiges abschauen: Sie ist nicht nur mega-ausführlich (Anzahl der Worte, Sätze, Buchstaben, Hyperlinks usw. usw.) und einschränkbar auf bestimmte Kapitel, Bereiche, Textteile usw. Nein, sie erstellt auch auf Anhieb einen Gesamt-Wort-Index mit Häufigkeitsverteilungen und berechnet gleich 4 (!) der aus der Linguistik bekannten Bechmarks, um die Verständlichkeit von Texten einschätzen zu können (da habe ich aber nicht übprüft, ob die für die deutsche Syntax korrekt sind – Grafik vergrößern).

Die Rechtschreibeprüfung gibt es übrigens auch in Deutsch (alte und neue Regeln), alle üblichen Formatierungen einschließlich Druckformaten, Vorlagen, Tabellen, Grafikeinbindung (hier allerdings nur die Grundfunktionen), Textmanipulationen usw. sind vorhanden, ebenso einfache Exportmöglichkeiten (es kann sogar ein HTML-Frameset von der Gliederung erzeugt werden) samt Gimmicks wie die Autovervollständigung während des Schreibens (damals von der Schweizer Textverarbeitung Witch eingeführt, die heute kaum noch jemand kennt), die ich persönlich aber lieber abschalte.
Ein Blick lohnt allemal für Leute, die viel mit Text zu tun haben. Zwar Shareware aber mit üppigen 60 Tage Testzeitraum und ohne Einschränkungen, so dass man in Ruhe prüfen kann, ob man die ca. 40 Euro für das Programm ausgeben möchte. Geprüft habe ich Version 4.2.






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