Beiträge mit tag "Politik

Tod eines Esels

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Journalistenausbildung im IrakSusanne Fischer vom “Institute for War and Peace Reporting” bildet im Irak junge Journalisten aus. Dazu gehören die üblichen Aufgabenstellungen, z. B. Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. So erhält eine Gruppe von Journalistikstudenten einen Bericht über einen Bombenanschlag auf eine Schule, bei dem drei Menschen und ein Esel starben, auf Papierstreifen, die in eine entsprechende Reihenfolge gebracht werden sollten. Eine Studentin setzte ganz nach oben die Meldung vom Tod des Esels. Auf die erstaunte Nachfrage erklärte sie: “Ach, wissen Sie, Menschen sterben hier jeden Tag bei Anschlägen. Aber dass ein Esel dabei umkommt, das ist ungewöhnlich.” … Wie unerhört groß muss das Leid in einem Land sein, wenn Menschen zu solchen Schlussfolgerungen kommen? Nimmt die westliche Welt noch wahr, was sie den Menschen in diesem Land angetan hat? Nein, natürlich nicht. Natürlich rauschen die täglichen Todeszahlen in den Nachrichten an uns vorbei. Das lässt sich auch gar nicht vermeiden. Vermeiden lässt sich aber das Vergessen. Das Vergessen jener Geschehnisse, die diesen Krieg ausgelöst haben. Das Vergessen jener Personen, die diesen Krieg unterstützt haben. Und das Vergessen der Namen jener Menschen, die ihren Bückling vor jenen greisen Kriegsherren gemacht haben. Das wollte ich nur mal so erwähnen. So zwischendrin. Zwischen all unserem alltäglichen Kleinkram. Ein Kleinkram, der weder von Bomben noch von Eseln getrübt wird. Nur mal eben so …
[Berichtet wurde über die Journalistenausbildung im Medienmagazin vom 11. 2. 07 auf BR5, der Podcast ist als mp3-Datei downloadbar.]

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Seuche Internet? Mann, Mann …

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Das Internet als Sündenbock

Über jenes Video, das Saddams Hinrichtung zeigt, will ich hier nicht weiter reden – dazu ist ausreichend in den üblichen Medien und Blogs geschrieben worden. Eine andere Sache ist mir in diesem Zusammenhang aber aufgefallen: Mit flotter Hand werden Fotohandys und Videoportale in diesem Zusammenhang verteufelt. In der Süddeutschen etwa spricht Stefan Kornelius von der “Seuche Internet”. Das ist – mit Verlaub – lächerlich und dumm. Mit dem gleichen Recht könnte man dann bei einem Verkehrsunfall von der “Bestie Auto” schreiben – ein Stil, den man bei der Zeitung mit den großen Buchstaben erwartet, bei anderen Medien aber nicht durchgehen lassen sollte. – Im gleichen Zusammenhang schreibt die Berliner Morgenpost:

Wenn schon fiktive Computerspiele junge Menschen dazu bringen können, Amok an ihren Schulen zu laufen, mag man sich die möglichen Auswirkungen einer echten Hinrichtungsszene lieber nicht ausmalen.

Welch’ einfältige Konstruktion (die von Schilly bis Stoiber parteiübergreifend ist)! Wobei ich ja gerne bereit bin, über die Rolle der Medien in verschiedenen Zusammenhängen zu sprechen. Aber derart simple ist die Welt nun wirklich nicht, auch wenn man das gerne hätte, damit man von den eigentlichen Ursachen leichter ablenken kann: Politiker, die den Einmarschbefehl geben, Systeme, die andere unterdrücken, Eltern, die schon lange kein zu Hause mehr geben wollen usw. usw.

Nun gut, ich will jetzt aus einer Mücke keinen Elefanten machen. Aber auch dazu ist ein Blog ja da: dass man einfach mal spontan etwas zu einer Sache sagt, die einen stört …

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Verhinderte Feuerzeuge

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Feuer im Kinderzimmer!

Die Gedanken von Politikern sind – sofern vorhanden – verschlungen. Vielleicht auch rätselhaft. Auf jeden Fall wirr. Dies gilt bereits für den deutschen Standard-Politiker, der sich aber doch gelegentlich zügelt, wenn Journalisten in der Nähe sind und er Sorge hat, dass er in seinem Heimatort erkannt wird. Noch sehr viel mehr gilt das aber für die europäischen Vertreter jenes merkwürdigen Berufsstands, da die meisten sich sicher sein können, weder im Fernsehen noch in ihrem Heimatort erkannt zu werden. *) Nur so ist es zu erklären, dass sie eine “Verordnung über das Inverkehrbringen kindergesicherter Feuerzeuge” in den Verkehr der 25 Mitgliedsstaaten brachten. Darin wird nicht nur ausführlich beschrieben, dass Feuerzeuge so herzustellen seien, dass sie nicht funktionieren. Zumindest so lange nicht, bis das Kind älter als 51 Monate ist. (Nebenbei: Niemand von den Initiatoren weiß heute mehr zu sagen, wer von ihnen auf die Zahl „51“ kam.) Das hört sich dann so an:

Feuerzeuge sind so zu konstruieren, dass sie „unter üblichen oder vernünftigerweise vorhersehbaren Verwendungsbedingungen, etwa aufgrund des erforderlichen Kraftaufwands oder seiner konstruktiven Beschaffenheit oder des Schutzes des vorhandenen Zündmechanismus oder aufgrund der Komplexität oder Ablauffolge der erforderlichen Handhabungsvorgänge zur Erzeugung der Flamme, nicht von Kindern unter 51 Monaten“ benutzt werden können.

Und da die EU keine halben Sachen macht, beschreibt sie dann auch gleich, dass die Feuerzeugproduzenten Prüfgruppen mit jeweils 100 Kindern zu bilden hätten, die möglichst viel mit den Feuerzeugen zündeln sollen, z. B. mit einem „Stühlchenabstand“ von 15 cm.

Laut Drucksache: 573/06 (PDF) vom 22. 9. 06 empfahlen „Der federführende Ausschuss für Arbeit und Sozialpolitik, der Agrarausschuss, der Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und der Wirtschaftsausschuss“ dem Bundesrat die Zustimmung. (So, der Ausschuss für „Reaktorsicherheit“ hält das also für eine gute Idee? Ich habe schon so meine Gründe, weshalb ich solchen Leuten nicht abnehme, dass unsere Reaktoren sicher sind ;-) ).

Halt! Es gibt eine Frau, die aufsteht: Emilia Müller! Die CSU-Abgeordnete sagt offen: „Das alles ist Blödsinn!“ Ja, das ist schon ziemlich verwirrend. Nein, nicht die Sache mit den Feuerzeugen. Sondern die Sache, warum eine solche Frau in einer solchen Partei ist … ;-)

Nachtrag: Der Bundestag hat vor einigen Tagen in einem hellen Moment das Gesetz abgelehnt. Vorerst …

*) Es bleibt eines der großen Rätsel unseres Landes, warum wir – im Unterschied zu Frankreich oder England – zur EU immer nur Hinterbänkler oder die dritte Garde schicken. Bereits seit Jahrzehnten werden in Brüssel Gesetze gemacht, die uns viel einschneidender berühren als z. B. 10 Euro Praxisgebühr … Aber regt sich da vielleicht jemand auf?

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Ein Löffel Zuversicht

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Kann man, wenn man will?

1946 tauchte am Broadway die Farmerstochter Annie Oakley aus Ohio auf, fuchtelte mit einem Gewehr herum und bezwang den Scharfschützen Frank Butler (physisch und psychisch). Dazu sang sie „Alles, was Du kannst, kann ich noch viel besser“*. Mal abgesehen davon, dass ich das Fuchteln mit Gewehren nicht mag, muss man doch sagen: selbstbewusst, die junge Frau. Sie weiß nicht nur, was sie will (den Frank), sondern sie traut sich auch zu, ihre Ziele zu erreichen. Eine Portion dieser Zuversicht täte vielen von uns wahrscheinlich auch ganz gut. Damit meine ich jetzt nicht die frömmelnden Suggestionen eines Dale Carnegie oder das Kasperletheater von (ehemaligen) Motivationstrainern wie diesem Jürgen Höller. Wer sich selbst gegenüber zwanghaft trainieren will, Enttäuschung, Misserfolg oder depressive Zeiten zu unterdrücken, wird früher oder später scheitern.
Aber wenn ich mir so die Zahlen ansehe, nach denen (weiterlesen …)

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We Feed the World – ob mit oder gegen ihren Willen

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Hauptsache billig!

20:12 Uhr: Oma Maria ist gerührt. Ein dünnes afrikanisches Kind huscht in den Nachrichten zwischen politischen Wahlen und Benzinsteuer über die Mattscheibe. Ein Kind, dem Wasser und Nahrung fehlt. – 10:25 Uhr, Sparkasse Bochum: Oma Maria überweist von ihrer ebenfalls dünnen Rente 50 Euro an eine Hilfsorganisation. – 11:24 Uhr: Mr. Gardner legt ein neues Patent zu den Akten, das mit irgendeinem Herstellungsverfahren für Getreide zu tun hat. Das Unternehmen, für das Mr. Gardner arbeitet, gehört zu jenen 5 Nahrungsmittelkonzernen, die sich weltweit den Markt aufgeteilt haben. Mr. Gardner weiss, dass jenes Patent mit-verantwortlich sein wird für das Zugrundegehen hunderttausender landwirtschaftlicher Existenzen in Entwicklungsländern. – 14:20 Uhr: Marcel, Germanistik-Student, bespricht mit Kommilitonen die Anti-Globalisierungs-Demo. – 17:55 Uhr, Aldi Dortmund: Marcel holt für seine WG 3 Hähnchen, damit es nicht immer Pizza gibt. – 18:40 Uhr, 2-Zimmer-Wohnung, Essen-Rüttenscheid: Sabine hat Sekt mitgebracht, um mit ihrem Freund Jürgen ihren neuen Job in der Konservenfabrik zu feiern. Ein Job nach 2 Jahren Arbeitslosigkeit. Und danach sehen sie sich auf Kabel1 in Ruhe den Science-Fiction-Klassiker “Soylent Green” an …

Am Donnerstag läuft der Film “We Feed the World” in Deutschland an. Nein, in ihm geht es nicht um Käfighaltung und Tierversuche und auch mein fiktiver Tagesablauf kommt darin nicht vor. In ihm geht es um den alltäglichen Wahnsinn unserer Nahrungsproduktion. Er ist auch weder “objektiv” noch “ausgewogen”. Aber es gibt nicht viele Filme dieser Art. Ich denke, er ist einen Blick wert …

Homepage des Films
Filmkritik
Buch dazu

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Inge for President

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Inge Utzt - was für eine Frau!

Kleiner Beitrag zu den heutigen Landtagswahlen …
Auf verschlungenen Pfaden wandert der heutige Internet-Surfer. Alles begann damit, dass die Landesregierung von Baden-Württemberg meine Fernsehkanäle durcheinander gebracht hat. Österreich II ist aus dem Kabel genommen worden, was mich nun aber nicht wirklich trifft, da ich gar nicht wusste, dass ich diesen Sender empfangen konnte. Dafür hat BW – wohl im Zuge der aktuellen Geburten-Diskussion – einen Sender namens “family TV” (Klein-F – dies wohl im Zuge der kürzlichen Diskussion um die Rechtschreibreform) eingespeist, der “Werte im Fernsehen” vermitteln soll (wohl im Zuge der vergangenen Papstwahl-Diskussion). Im Zuge der Recherchen nach den erwähnten Hintergrundinformationen stieß ich auf die Aktion “Abgeordneten-Bibel” (ich wusste nicht, dass die eine eigene Übersetzung bekommen) und auf ein Interview mit einer mir bis dato völlig unbekannten Dame: Inge Utzt. Ihres Zeichens MdL (SPD), Wahlkreis IV in Stuttgart.
Die Startseite ihrer Homepage fängt schon mal gut an mit dem “Nachdenkbonbon der Woche”:

“Arroganz ist die Perücke geistiger Kahlheit.”

Ja, solche Sätze muss man 2 x lesen. Oder 3 x. Jedenfalls hatte sie mich neugierig gemacht und ich schlendere ein wenig durch ihre Homepage. Der größte Teil ist zwar ähnlich langweilig, wie es nun mal fast alle Webseiten fast aller Politiker sind, aber man stößt doch auf Unvermutetes, z. B. hier auf das forsche Clipart im Abschnitt “Inge Utzt tritt in die Pedale”. Aber besonders gelungen finde ich den Teil “Mein Tipp”. Da gibt es z. B. das Kochrezept “Betrunkene Pasta” als PDF-Download! Prima – so was würde man z. B. auf der Stoiber-Homepage sicher vergeblich suchen. Als Kinotipp empfiehlt sie “Walk the line”, was ich bei dem Titel ja auch ganz schön mutig finde. Okay, beim Buchtipp lässt sie nach – da etwas von Müntefering zu empfehlen … ich hätte mir da sehr schön “Harry Potter 6″ vorstellen können. Egal: Ihr Gedichte-Tipp versöhnt mich wieder: Mascha Kaléko ist auch eine meiner Lieblingsdichterinnen. Ebenfalls einen Blick wert ist ihr Lebenslauf mit einem Jugendbildnis.
Feine Sache – mal eine Politikerin, die mehr aus ihrer Homepage macht. So was sollte man unterstützen, finde ich. Also Jungs, die ihr in Suttgart IV wohnt: lasst Euch die Sache mal durch den Kopf gehen!

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Vermehrt Euch! – Wie die Sprache das Denken verrät

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Strahlende Zukunft

ZDF, Berlin Mitte, Trend-Thema: “Kinder kriegen”. Da saß sie, jene Alice Schwarzer, die sich seit Jahrzehnten für Frauen einsetzt. Von ihr kamen in dieser seichten Plauderrunde die einzig vernünftigen Sätze. Zum Beispiel: “Gebären für die Nation? Ich dachte, diese Zeiten wären eigentlich vorbei.” Oder ihr Hinweis darauf, dass man sich doch eigentlich nicht über die “kinderunwilligen Männer” zu wundern braucht. Schließlich habe man ihnen in den letzten Jahren klar gemacht, dass sie gefälligst bei der Erziehung mitzuhelfen hätten, Windeln zu wechseln, schlaflose Nächte, Rückstellung von Karriere, verzicht auf Geld usw. usw. Und nun haben sich das die Männer halt durch den Kopf gehen lassen und sich gesagt: “Echt? Das muss ich dann alles machen? Nö, dann doch lieber nicht.”
Na ja, andere in der Runde waren anderer Meinung und bliesen zur bekannten “Hatz” auf die Kinderverweigerer und Egoisten, die man als neue Schuldige für Rentenkürzungen ausgemacht hat. Das ist jetzt nicht gar so schlimm, weil das Thema ohnehin nur 4 Wochen von der Presse ausgelutscht und dann weggeworfen wird. Aber es gab in der Diskussion eine Stelle, die doch betroffen macht:
Jener CSU-Politiker (Familienpolitiker!) Norbert Geis wurde auf die gute Alice zorning und bellte heraus: “Sie waren ja auch für den Schwangerschaftsabbruch! 300.000 Schwangerschaftsabbrüche – 300.000 die uns fehlen!”
In dieser Sekunde wurde – für mich, andere mögen das anders sehen – deutlich, dass es dem Redner nie um Kinder ging. Nicht um Menschen. Nicht um Menschlichkeit. Einzig und allein um Zahlen, um ein Gerüst, um einen Glaubenssatz. Vielleicht auch um Wahlkampf oder was auch immer. Aber nicht um Menschen. In jenen Jahren, in jener bleiernen, spießigen deutschen Zeit, in der Alice Schwarzer sich für die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs einsetzte, verbluteten jährlich hunderte von Frauen auf den Schlachtbänken von Pfuschern. Jenen, die sich damals vehement für die weiterwährende Kriminalisierung abtreibender Frauen einsetzten, waren hauptsächlich ihre “Werte” wichtig. Sonst nichts. Daran wollte ich an dieser Stelle doch mal erinnert haben. Denn man muss Politikern ja derartige Sätze nicht durchgehen lassen.
So, und jetzt vermehrt Euch! Oder halt nicht … :)

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Verstehen Sie Bahnhof?

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Bayern braucht zehn Minuten

Bei dem Journalisten Mario Sixtus habe ich gerade eine nette Geschichte gefunden: Ein bayerischer Politiker (= Edmund Stoiber) versucht, in ganzen Sätzen zu sprechen. Okay, das funktioniert nicht ganz, und Mario beschreibt, welch mediales Nachspiel der Mitschnitt hatte. Besonders nett: die Umsetzung bei Fakt.
Ergänzend hätte ich dann noch den Sprachkurs “Bayerisch für Anfänger” und zur bayerischen Körpersprache diese hübsche Sache.

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Und ewig lockt der Urwald

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Und ewig lockt der Urwald

In Baden-Württemberg macht man alles besonders gründlich. Natürlich auch die Prüfung der Gesinnung von Menschen, die das Wagnis unternehmen, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Die sollen sich mal wagen, hat man da im Stuttgarter Innenministerium wohl gedacht und flink einen “Gesprächsleitfaden” von kompetenter Hand entwickelt. Ja, wahrhaft subtil wird da die “Gesinnung” überprüft:

“Wie stehen Sie zu der Aussage, dass die Frau ihrem Ehemann gehorchen soll und dass dieser sie schlagen darf, wenn sie ihm nicht gehorsam ist?”

Teufel, das ist schon ganz schön gerissen! Denn wenn der Gesprächspartner jetzt sagt: “Schlagen? Find ich gut!” Ha! Dann haben wir ihn nämlich! Schlagen nix gut! Oder:

“In Deutschland gehört der Sport- und Schwimmunterricht zum normalen Schulunterricht. Würden Sie Ihre Tochter daran teilnehmen lassen? Wenn nein: Warum nicht?”

Da kommt man ins Grübeln, was? Also erstens mal: Warum ist es wichtig, ob die Tochter darf? Und was ist mit dem Sohnemann? Und zweitens: Ich persönlich verbinde meine negativsten Schulerlebnisse mit dem Sportunterricht. Ich würde im Namen der Menschlichkeit jedes Kind davon befreien, wenn es darunter leidet. Töchter. Und Söhne!
Na gut, um die Sache nicht zu sehr auszudehnen, überspringen wir nun die hintegründigen Fragen, ob es sich bei Bombenlegern um Freiheitskämpfer handelt. Gehen wir doch gleich zu dem endgültigen Hammer über:

“Ihre Tochter bewirbt sich um eine Stelle in Deutschland. Sie bekommt jedoch ein ablehnendes Schreiben. Später erfahren Sie, dass eine Schwarzafrikanerin aus Somalia die Stelle bekommen hat. Wie verhalten Sie sich?”

Also wenn so ein – mit Verlaub und nur, um im Jargon zu bleiben – Urwaldmensch auf einem Amt mit dem Ausdruck “Schwarzafrikaner” kommt (nebenbei: Ein Lieblingsbegriff des inzwischen geflüchteten Ultrarechten Schill), dann bin ich dafür, dass man ihm sofort die Staatsbürgerschaft meines Landes aberkennt. Umgehend! Und für immer!

Der vollständige Katalog bei der TAZ
Ministerpräsident Oettinger kann die Aufregung gar nicht verstehen und findet den Leitfaden gut. Das sollte man sich merken. Für den 26. März dieses Jahres. Da sind nämlich Landtagswahlen.

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Schröderix und die Mäuschenrunde

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Alles nur Theater ...

Tja, eigentlich hatte da die SPD und Schröder am Sonntag ein ganz akzeptables Wahlergebnis: Die Sprechblasen-Partei FDP bleibt der Bevölkerung für die nächsten 4 Jahre erspart und durch eine große Koalition fällt der Diener vor den greisen Männern in Washington und denen der Atom-Lobby vielleicht nicht ganz so tief aus … Allerdings zeigt Schröders Auftritt, dass Politiker noch immer nicht blicken, dass sie kein Theater spielen müssen. Zumindest ein großer Teil des Fernsehpublikums durchschaut doch schon längst dieses lächerliche Kasperletheater. Wie wäre es denn, wenn man zur Abwechslung einfach mal sagt, was man denkt? Dazu ein kurzes Drehbuch: [Links übrigens ein Bild aus dem PDF-Heft "Asterix und der Kampf um's Kanzleramt", das ich bei Blog'n'Roll gefunden habe (dort übrigens auch sehenswert: der Wahl-U-Boot-Film).]

DIE MÄUSCHENRUNDE
Ort: ZDF-Studio
Zeit: Wahlabend, kurz vor Beginn der Sendung.
Anwesend: Schröder, Merkel, Fischer, Stoiber, Westerwelle

Gerd (gut gelaunt): Mann, Mann, Mann – Angie, dat war ja heute was!

Angie (weniger gut gelaunt): Du meinst die Wahl – hör’ mir bloß auf damit!

Gerd: Was guckst Du denn so griesgrämig? Du hast doch die meisten Stimmen eingefahren – und darfst bald in meinem tollen Sessel sitzen!

Eddie (aufgeregt): Wir, wir (!) haben die meisten Stimmen geholt!

Angie (Blick gegen die Decke): …

Gerd: Ja, Eddie, schon gut, schon gut – ihr habt das zusammen sehr schön hingekriegt. Aber ich war auch nicht schlecht, was Jungs?

Angie (räuspert sich): …

(weiterlesen …)

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Wie die Alten sungen …

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Wie die Alten sungen ....

“Jo mei, san mer halt mol e bisserl geschmacklos”, wird sich die Junge Union gestern gedacht haben, als sie die nebenstehende Broschüre unters Volk brachte. Darauf eine Leiche mit dem Etikett “7 Jahre Amtszeit”. Tolles Niveau. Ja, gell, in Bayern – ha – da langt man halt mal gern kräftig hin. So, wie der JU-Chef Mißfelder es für überflüssig hält, älteren Leuten noch ein teures Hüftgelenk zu spendieren – die sterben ja eh bald. Tja, und die Geschichtskenntnisse dieses Unionsnachwuchses hören halt doch abrupt bei einer bestimmten Zeit auf, sonst hätten sie wohl kaum in eben dieser Broschüre (auf S. 9) für eine Mitgliedervorstellung den Titel “Die jungen Stürmer” genommen. Und auf Seite 17 sieht man ein Foto von 4 JUlern, die freudig die Faust nach vorne recken. Untertitel: “Auf in den Kampf.” Wer sich die ganze Broschüre … (weiterlesen …)

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Denn sie wissen nicht, was sie wählen (werden)

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Die Leserschaft dieses Blogs wird unterschiedliche Meinungen zu den gestrigen Ereignissen und der Ankündigung von Neuwahlen haben. Ich will da auch gar nicht lange disktuieren, da man mit ein paar Buchstaben niemanden überzeugen kann. Aber so ein ganz kleines Zitat, das möchte ich nun doch beisteuern …

Bei der Masse der Bevölkerung handelt es sich nur um “unwissende und lästige Außenseiter”, die man aus der öffentlichen Arena heraus halten muß, weil sie zu dumm sind und nur Schwierigkeiten machen würden, wenn sie sich daran beteiligten. Die gewöhnlichen Leute sollen “Zuschauer” nicht “Teilnehmer” sein. Sie dürfen alle paar Jahre wählen gehen und ihre Stimme für jemanden von uns, jemanden aus der dafür qualifizierten Schicht abgeben. Aber dann sollen sie wieder nach Hause gehen und sich mit etwas anderem beschäftigen. Mit der Baseball-Liga oder was auch immer.
Noam Chomsky, Warum die Mainstreammedien “Mainstream” sind, 1997, Chomskyarchiv

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Was ist eigentlich …

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… aus jenem Soldaten geworden, der vor 6 Monaten in Falludscha zusammen mit anderen Soldaten durch die Ruinen ging? Der tote Iraker am Boden liegen sah. Der bei einem der am Boden liegenden Iraker nicht sicher war, ob dieser nur verwundet war. Der, vor den laufenden NBC-Kameras, sein Gewehr hob, auf den Liegenden schoss und dazu sagte: “Jetzt ist er tot.” Er hob das Gewehr ganz ruhig. Er zielte ganz ruhig. Er drückte ganz ruhig ab. Und er sagte diesen Satz in großer Selbstverständlichkeit. Mit der Selbsverständlichkeit eines Systems, das Menschen zu dem macht, was die NBC-Kameras eingefangen haben …
Hat man eigentlich je wieder etwas von diesem Fall gehört?

Als der Krieg aus war,
kam der Soldat nach Haus.
Aber er hatte kein Brot.
Da sah er einen, der hatte Brot.
Den schlug er tot.
Du darfst doch keinen totschlagen, sagte der Richter.
Warum nicht? fragte der Soldat.

Wolfgang Borchert

Zusatzinfos:
Bericht im Stern zum damaligen Vorfall.
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Mein Konto – das offene Buch

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Bankgeheimnis ade

Sie haben Ihr Online-Banking mit allerlei Datenschutz-Geschichten abgesichert? Passwort, Geheimnümmerchen, Dongle, Verschlüsselungsverfahren usw. usw.? Wie putzig!!! Haben wir da etwa nicht jene kleine Gesetzesänderung mitbekommen, die Einsicht in jedes beliebige Konto jeden Bürgers erlaubt, hm?!
Nehmen wir an, Ihr Nachbar, Herr Friedrich Müller, ist Finanzbeamter. Keine große Nummer. Einfach so angestellt mit, na, was wird man da so kriegen im mittleren Dienst, sagen wir mit A 6. Und der Herr Müller mag Sie nicht. Weil Sie nämlich Ihre Kehrwoche nicht ordentlich machen. Und am letzten Wochenende haben Sie die Kehrwoche sogar gar nicht gemacht, und jetzt ist Herr Müller so richtig sauer auf Sie. Er geht ins Büro, an seinen Computer und klickt dort auf einen Button, der eine Verbindung zur Konten-Evidenz-Zentrale (KEZ) herstellt. Dort sind alle Ihre Konten gespeichert. Und zwar wirklich alle. Selbst das, das Sie als Kassenwart des Kleintierzüchtervereins unterhalten. Und wetten wir, er findet irgend etwas, was Sie bei der letzten Steuererklärung nicht angegeben haben? Und sei es ein Konto Ihres Sohnes, der gerade BaföG bezieht.
Ja, unser Müllerchen darf das. Ab 1. 4. 2005. Müllerchen braucht dazu keinen Verdacht, keine Genehmigung, keinen Nachweis, er muss niemanden informieren. Noch nicht einmal der Betroffene, “Abgefragte” hat ein Auskunftsrecht. Das Gesetz ist bereits beschlossen und wurde einfach durchgewunken.
Ach ja, noch eine Meldung brachte SPIEGEL ONLINE heute: Es gab da einen Gesetzentwurf, laut dem die Spitzenverdiener der DAX-Unternehmen ihre Gehälter hätten offenlegen sollen. Dieser Gesetzentwurf wurde heute von der Regierung gestoppt und erst einmal zu den Akten gelegt …

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