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Weibliche Navigationssysteme
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Ein kurzes Video brachte mich auf folgende Idee: Was würde geschehen, wenn man Navigationssysteme mit Künstlicher Intelligenz ausstatten würde? Genauer: mit weiblicher Künstlicher Intelligenz
Wir schreiben das Jahr 2007. Gernot Singer, ein befreundeter Ingenieur an der Jerusalemer Universität, hat mir den Prototypen eines neuartigen Navigationssystems überlassen: Ein flexibles System, das auch bei unvorhergesehenen Problemen (Sturm, Umleitungen durch Fußballfans) schnell und einfach Lösungen finden soll. Ich hatte mich für die weibliche Variante entschieden, weil es ja immer heißt, dass weibliche Gehirne besonders flink und multitaskingfähig seien.
Sie hieß Raphaela und heute starteten wir zu unserem ersten Praxistest. Ich stieg in meinen Wagen, schaltete das System ein und sagte: “Nach Rittersberg, Hessen, Odenwald.”
“Oh ja, sofort, Meister!” erklang die fröhliche Stimme einer etwa 22-jährigen Frau. Das mit dem “Meister” ließ sich leider nicht abstellen (Gernot war in seiner Kindheit ein Fan der Fernsehsendung “Bezaubernde Jeannie” gewesen). Im Gegenzug nannte ich Raphaela Raffi.
“Wir werden 3 Stunden und 24 Minuten unterwegs sein”, erklang Raffis Stimme, während ich losfuhr. “So lange?” fragte ich misstrauisch.
“Ja”, zirpte Raffi, “es scheint doch die Sonne!”
Diese kausale Verknüpfung zwischen Sonnenschein und Dauer der Fahrt war für mich nicht auf den ersten Blick einsichtig. Auf eine entsprechende Frage erklang wiederum ausgesprochen fröhlich – allerdings mit einem leicht vorwurfsvollen Unterton: “Bei diesem herrlichen Wetter …”, Raffi hatte nämlich auch eine Anbindung zu dem Internetdienst wetter.com, “… werden wir doch sicher zwischendrin am Baggersee in Erbach …” Raffi kannte ebenfalls den Internetdienst baggerseen.de, “… eine kleine Pause einlegen!”
“Nein”, sagte ich bestimmt, “ich bin geschäftlich unterwegs – keine Pause.”
“Aber natürlich, Meister. Fahrtdauer also 2 Stunden 17 Minuten.”
Nachdem ich von der Autobahn abgefahren war, erwartete ich die Anweisungen von Raffi, die auch prompt kamen:
“Geradeaus, Meister!”
“Aber Raffi, es geht nur geradeaus – hier gibt es nirgendwo eine Kreuzung.”
“Natürlich nicht. Ich sage das nur so zur Sicherheit.”
Ich schwieg.
Raffi schwieg.
Bis ihre Stimme ertönte: “Die Nächste rechts ab.” Tatsächlich tauchte da ein Ackerweg auf, allerdings mit dem Schild “Biobauernhof Gutschmied”.
“Bist Du Dir auch wirklich sicher, Raffi?”
“Natürlich bin ich mir sicher!” Leichte Empörung schwang in ihrer Stimme. Gerade als ich das Lenkrad rechts einschlug, kam Raffis Stimme alarmiert aus dem Lautsprecher: “Aber doch nicht hier rechts!”
Gerade noch konnte ich den Wagen abfangen und fuhr die Bundesstraße weiter.
“Raffi”, sagte ich, “mach mich nicht fertig! Eben hast du doch …”
Sie unterbrach mich: “Ich weiß, was ich gesagt habe! Ich habe die N ä c h s t e gesagt. Wenn ich diese hier gemeint hätte, hätte ich “diese hier” gesagt.”
Ich schwieg, …
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