Beiträge mit tag "Gedanken
Brötchen-Havarie
0Momentan bin ich ja ein großer Freund der Erderwärmung. Aber wenn man sie mal braucht, dann kommt sie nicht. Egal, jedenfalls scheint es der ARD ähnlich zu gehen wie mir, es ist ihr zu kalt. Verständlich also, dass sie eben nach der Tagesschau einen Brennpunkt zum Thema “Ist es draußen kalt und wenn ja, warum?” brachte. Eigentlich wollte ich gerade abschalten, weil der Reporter eine Marktfrau fragte, wie es denn heute morgen gewesen sei und diese inhaltsschwer antwortete: “eisig”. Und damit der ARD-Reporter sie auch wirklich verstand, wiederholte sie: “Eisig!” Toll. Aber just zwischen meinem Abschaltimpuls tauchte ein Bäcker auf, der keine Brötchen herstellen konnte. Im thüringschen Langewiesen war nämlich das Gas ausgefallen, weil die damals nicht Gerhard Schröder gewählt haben. Jedenfalls stellte unser unerschrockener Bäckermeister gerade ein Schild mit der Aufschrift “Wegen Gashavarie geschlossen” auf. Ich wurde nachdenklich. Wir in Westdeutschland nehmen den Begriff ja eigentlich nur für Unglücke, die Schiffen, U-Booten, okay, eventuell noch Flugzeugen passieren. Halt so ein Zusammenstoß mit einer Eisscholle wie damals bei der Titanic, in der dieser Italiener, Leonardo daCaprio oder so, mitspielte. Nun haben wir zwar nach Tschnerobyl gelernt, dass auch die Russen Zusammenstöße in Kernkraftwerken so bezeichnen – damals nämlich den Zusammenstoß der Atomkraft mit der Wirklichkeit. Aber eine Havarie in einer Bäckerei? Das klang wirklich bedrohlich. Vor meinen geistigen Auge tauchte ein russischer Eisbrecher mit italienischen Seeleuten besetzt auf, der sich durch Thüringen pflügte, bis er in der Backstube eines tapferen Konditors zum Halten gebracht wurde. So ähnlich halt wie in Spielbergs Klassiker “Wo bitte geht’s nach Hollywood”, nur dass es dort kein Schiff, sondern ein U-Boot war. Nun gut, es waren auch keine Russen, sondern Japaner. Ja, ja, okay, auch Italiener spielten damals eine nur untergeordnete Rolle. … Nachdem ich mit meinen Gedanken an diesem Punkt angekommen war, schaltete ich mannhaft den Fernsehr aus.
Hier können Sie probemelken!
0Samstagmittag, Fußgängerzone Ulm. Generell bin ich da mit meinen Einkäufen beschäftigt. Doch das Unterbewußtsein von uns Männern schläft nie. So bog ich heute von der Hirschstraße Richtung Fischerviertel mit zwei vollen Einkaufstüten ab. An dieser Ecke pflegt samstags ein gelbes Zelt der Scientologen mit dem verheißungsvollen Stichwort “Urlaubs-Stress-Test” zu stehen. Diesmal waren hier aber Bilderbücher mit Kühen ausgestellt. ‘Na’, dachte ich im Vorbeigehen, ‘neue Masche, Jungs?’
Doch ein kleines Schild machte mich stutzig: “Hier können Sie probemelken!” Dazu ein Schemel, der aus einer neuen IKEA-Modellreihe für Verwegene stammen konnte (“Sitzt Du schon oder melkst Du noch?”). Für einen kurzen Moment überlegte ich, ob ich verharren sollte. Vielleicht kamen ja ein oder zwei Probanden vorbei, die das interessante Möbelstück ausprobieren würden. Angesichts der Schwere meiner Einkaufstüten und der Regentropfen verwarf ich den Gedanken zwar, machte aber zumindest mit meinem Handy ein paar Aufnahmen, um der Sache in Ruhe nachzugehen. Denn es hing da ein Transparent mit der Aufschrift www.plan-deutschland.de – doch das sagte mir nichts. Immerhin konnte ich so direkt ausschließen, dass es sich um eine CSU-Aktion handelte (denn dann hätte es ja www.kein-plan-deutschland.de heißen müssen
). Okay, es ging um eine der üblichen Patenschaftsorganisationen. Und mit obigem Link habe ich im Gegenzug für das ungewöhnliche Fotomotiv auf die Organisation aufmerksam gemacht, damit sind wir quitt, denke ich mal.
Bei meinen Recherchen bin ich allerdings noch auf zwei Webadressen aufmerksam geworden, die mir bis dato völlig unbekannt waren:
ziegen-treff.de Ein Forum rund um Ziegen mit dem verheißungsvollen Untertitel “Bock auf Ziegen”. Die Tipps da kann man bestimmt mal brauchen, wenn man sich so was anschafft. Oder geschenkt bekommt. Hm …
“Netrind mobil” fand ich dann noch einen tollen Namen für eine Software, die auf dem Handheld läuft. Einfach mal ausprobieren, wenn man eine Rinderherde zur Hand hat.
Übrigens erinnere ich in ländlichen Zusammenhängen immer wieder gerne an einen meiner Lieblingsfilme: “Sie sind ein schöner Mann!” …
Bruchstücke des Lebens
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Ein namenloses Foto im Meer der Pixel des Bilderdienstes Imageshack (Foto groß): Mitten in den Trümmern einer Welt steht ein Barbier und rasiert einen Kunden oder Freund. Niemand von uns weiß, was diese beiden Menschen zuvor erlebt haben. Es ist dieses Stück Normalität, die sie sich in eine zusammenbrechende Welt hineinholen … Fallada beschreibt in seinem Roman “Jeder stirbt für sich allein” den Gefängnisaufenthalt eines älteren Mannes, der sich in der Nazi-Zeit sich zusammen mit seiner Frau mit einfachen Postkarten gegen das schreiende Unrecht aufgebäumt hat. Einer seiner wichtigsten Gedanken im Gefängnis ist, dass, wenn er die morgendliche sorgfältige Rasur aufgibt, er sich selbst aufgibt …
Es ist eine hässliche Welt, es ist eine schöne Welt, es ist keine schwarzweiße Welt, in der wir leben. Es ist die Welt, in der der eine Alt-Bundeskanzler seine gesammelten Lebenslügen gerade in einem zweiten Band verkauft und der andere in einem Interview auf die Frage, ob er nicht auch mal das Bundesverdienstkreuz angeboten bekommen habe, schlicht erklärt: “Sicher, aber wissen Sie, Frau Maischberger, ein echter Hanseat nimmt keine Orden an.” Es ist die Welt, in der Menschen in den reichen Ländern so viel für die Not anderer Menschen spenden wie noch nie – und gleichzeitig Staatsmänner ermächtigen, das Völkerrecht zu brechen und Menschenrechte mit Füßen zu treten … Es ist die Welt eines Kenny M., der damals mit 11 Jahren unter Einsatz seines eigenen Lebens seinen 4-jährigen Bruder rettete, als der in einem zugefrorenen See einbrach. Und der heute mit 21 Jahren in Hightech-Stiefeln in ein Land maschiert und bereit ist, jederzeit zu töten, wenn man es ihm befiehlt … Es ist die Welt jenes Hamid B., der als kleiner Junge sich für seine Geschwister aufopferte, der lachte, der war wie jeder andere Junge und der heute dazu bereit ist, Dynamit um seinen Körper zu binden, damit möglichst viele Körper zerfetzt werden. … Es ist die Welt in der Menschen an die Götter Jahweh, Allah, Jesus, Kommunismus oder Demokratie glauben in deren Namen sie Krankenhäuser bauen und foltern.
Damals, während des ersten Golfkriegs, übermittelten die Nachrichten eine winzige Szene, nur einige Sekunden lang. Es hatte sich das (irrtümliche) Gerücht ausgebreitet, dass der Krieg schon zu Ende wäre. Und man sah einen Iraker, wie er seine Waffe wegwarf und vor Freude tanzte – und mit Sicherheit hätte man auch solche Bilder von amerikanischen Soldaten einfangen können. … Es ist die Welt, in der die meisten Menschen den Frieden wollen. Die meisten. Und das ist ein guter Anfang für das neue Jahr, denke ich.
Das Buch des eigenen Lebens
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Eine Kurzfilm-Animation (Menüpunkt “Movie”), die technisch sehr gut gemacht ist. Noch mehr aber gefällt mir die Idee, die ihr zugrunde liegt: Ein Mann entdeckt das Buch, in dem sein Leben von Anfang bis Ende aufgezeichnet ist. Und er entfernt eine Seite … Der “Lebensbuch-Gedanke” an sich ist ja nicht neu (sogar der geschäftstüchtige Esoterik-Firlefanz hat ihn als indische Palmblatt-Bibliothek mit Pauschalbuchung belebt), aber das Gedankenspiel mit rausgerissenen Seiten hat was … Passend zum Thema: Wohin gehen die Bilder, die wir täglich auf unseren Digi-Cams löschen? Der kleine HP-Film dauert zwar nur ein paar Sekunden, ist aber auch gut gemacht.
Und dann noch ein kleines Flash-Spiel für Tüftler: Es heißt “Noob’s Room” und man muss den Ausgang aus dem Büro durch die übliche “Klick – Gegenstände – Sache” finden.
“Sie war gut zu mir”
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Vor ziemlich genau einem Jahr gab es eine ZDF-Sendung (“37 Grad – Mein Schatz bleibt bei mir“) in der von Männern berichtet wurde, die ihre schwerkranken Frauen pflegen: Bruno Buchner ist 69 Jahre alt. Früher ein begeisteter Boogie-Woogie-Tänzer und mehrfacher Landesmeister. Vor 6 Jahren hat er Gerda Quien in einem Münchner Tanzcafé kennen gelernt. Urlaub, Reisen, Wanderungen folgten. Dann trat die Muskellähmung PSP bei Gerda Quien auf, seither ist sie ein Pflegefall. Bruno pflegt sie. Gefragt, warum er das tut, sagt er: Sie war gut zu mir. Wir hatten in den ganzen 6 Jahren keinen Streit. Sie war gut zu mir. Das genügt. Nichts von Selbstverwirklichung”. Nichts von Sie war immer für mich da. Nichts von
und von
und von den 10.000 anderen Erwartungen, die man an eine Partnerschaft heute stellt.
Ich erinnere mich an diese Sendung, weil ich gerade “Ein Tag mit Herrn Jules” von Diane Broeckhoven gelesen habe. Ein kleines Buch. Ein ruhiges Buch. Ein schönes Buch. Alice wacht – wie seit Jahrzehnten – vom Duft des Kaffees auf, den Jules, ihr Mann immer morgens zubereitet. Es ist ein kleines Ritual, das nach einem bestimmten Schema abläuft. Sie geht in die Küche, doch an diesem Tag sitzt Jules auf dem Sofa im Wohnzimmer. Er sitzt dort ganz ruhig. Ganz still. Denn er ist tod. Gestorben. Ganz natürlich. Und Alice beschließt, diesen letzten Tag mit ihm zu verbringen, um Abschied von einem Menschen zu nehmen, mit dem sie so viele Jahrzehnte verheiratet war. Sie setzt sich neben ihn und spürt den Erinnerungen ihres gemeinsamen Lebens nach. Und der Wärme, die aus seinem Körper entflieht …





