Frauenkleider

Allein unter Kleidern

„Nein, nein – hier finde nichts“, sagt Laura. Laura, die modebewussteste von allen Freundinnen, geht schnellen Schrittes vor mir her. Ich trotte hinten drein. Ort der Handlung: Peek & Cloppenburg. Solche Damenabteilungen machen mich immer nervös, hier bin ich einfach nicht zu Hause. Das ist mir auch viel zu viel Auswahl – all diese Stoffe, Schnitte und Farben machen mich ganz hibbelig. Da lobe ich mir die Herrenabteilung: Ich will eine Hose. Also gehe ich in die rechte Ecke, wo es Hosen gibt, gehe zu meiner Kleidergröße, entscheide mich für eine in Schwarz oder Grau, gehe in die Umkleidekabine, komme raus und zahle. Wenn sie besonders gut passt, nehme ich gleich noch eine zweite von der Sorte. Ein Vorgang, der sich einmal jährlich abspielt und in 20 Minuten erledigt ist.
Nicht so bei Laura. Laura sucht was im „Sale“-Bereich für die „Mid-Season“, was leicht ist und was man bei einer Einladung tragen kann und das zu ganz bestimmten Schuhen passt, die sie zwar erst anschließend erwerben wird, von denen sie aber schon sehr genaue Vorstellungen hat. Der eingangs erwähnte Satz „hier finde ich nichts“ ist dabei völlig bedeutungslos. Für mich als Mann wäre das eigentlich das Signal, das Geschäft zu verlassen. Nicht für Laura. Laura zieht unentwegt weitere Kleidungsstücke von den Stangen, manchmal auch zwei gleichzeitig, um sie gegeneinander zu vergleichen, rümpft die Nase, hängt sie zurück. Schließlich erweckt ein braunes Sommerkleid mit Rottönen ihr Interesse, jedenfalls behält sie es länger als 30 Sekunden in der Hand. Sie schaut sich nach mir um und fragt: „Na, wie findest du das?“ Ich antworte hoffnungschöpfend: „Das sieht gut aus! Nimm es! Und lass uns gehen.“ Sie geht nicht weiter auf mich ein, legt das Kleid über ihren angewinkelten Arm und betrachtet aufmerksam die Kleidungsstücke links und rechts davon. Ich will auch nicht untätig sein und mache sie auf ein weiteres Kleid aufmerksam, das ihrer Wahl sehr ähnlich sieht. Eigentlich ist es identisch und hat lediglich 3 Falten mehr. Sie sieht mich empört an: „Das da?“ Das ist keine Frage, sondern ein Vorwurf. „Aber hör‘ mal! Nie und nimmer!“ Ich verstumme. Eigentlich sehe ich keinen Unterschied, aber offensichtlich scheint es gewaltige Unterschiede zu geben, die für uns Männer lediglich unsichtbar sind.
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