Seuche Internet? Mann, Mann …

Über jenes Video, das Saddams Hinrichtung zeigt, will ich hier nicht weiter reden – dazu ist ausreichend in den üblichen Medien und Blogs geschrieben worden. Eine andere Sache ist mir in diesem Zusammenhang aber aufgefallen: Mit flotter Hand werden Fotohandys und Videoportale in diesem Zusammenhang verteufelt. In der Süddeutschen etwa spricht Stefan Kornelius von der “Seuche Internet”. Das ist – mit Verlaub – lächerlich und dumm. Mit dem gleichen Recht könnte man dann bei einem Verkehrsunfall von der “Bestie Auto” schreiben – ein Stil, den man bei der Zeitung mit den großen Buchstaben erwartet, bei anderen Medien aber nicht durchgehen lassen sollte. – Im gleichen Zusammenhang schreibt die Berliner Morgenpost:
Wenn schon fiktive Computerspiele junge Menschen dazu bringen können, Amok an ihren Schulen zu laufen, mag man sich die möglichen Auswirkungen einer echten Hinrichtungsszene lieber nicht ausmalen.
Welch’ einfältige Konstruktion (die von Schilly bis Stoiber parteiübergreifend ist)! Wobei ich ja gerne bereit bin, über die Rolle der Medien in verschiedenen Zusammenhängen zu sprechen. Aber derart simple ist die Welt nun wirklich nicht, auch wenn man das gerne hätte, damit man von den eigentlichen Ursachen leichter ablenken kann: Politiker, die den Einmarschbefehl geben, Systeme, die andere unterdrücken, Eltern, die schon lange kein zu Hause mehr geben wollen usw. usw.
Nun gut, ich will jetzt aus einer Mücke keinen Elefanten machen. Aber auch dazu ist ein Blog ja da: dass man einfach mal spontan etwas zu einer Sache sagt, die einen stört …




Ja, echt einfältig. Kürzlich hat mich jemand offensichtlich als Rechtfertigung für die eigene Unfähigkeit, zwischenmenschliche Probleme zu lösen als echte Seuche bezeichnet. Auf Nachfrage ob sie dies tatsächlich so meint antwortete sie, “ich meine dies todernst”.