Und ewig lockt der Urwald

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Und ewig lockt der Urwald

n Baden-Württemberg macht man alles besonders gründlich. Natürlich auch die Prüfung der Gesinnung von Menschen, die das Wagnis unternehmen, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen. Die sollen sich mal wagen, hat man da im Stuttgarter Innenministerium wohl gedacht und flink einen “Gesprächsleitfaden” von kompetenter Hand entwickelt. Ja, wahrhaft subtil wird da die “Gesinnung” überprüft:

“Wie stehen Sie zu der Aussage, dass die Frau ihrem Ehemann gehorchen soll und dass dieser sie schlagen darf, wenn sie ihm nicht gehorsam ist?”

Teufel, das ist schon ganz schön gerissen! Denn wenn der Gesprächspartner jetzt sagt: “Schlagen? Find ich gut!” Ha! Dann haben wir ihn nämlich! Schlagen nix gut! Oder:

“In Deutschland gehört der Sport- und Schwimmunterricht zum normalen Schulunterricht. Würden Sie Ihre Tochter daran teilnehmen lassen? Wenn nein: Warum nicht?”

Da kommt man ins Grübeln, was? Also erstens mal: Warum ist es wichtig, ob die Tochter darf? Und was ist mit dem Sohnemann? Und zweitens: Ich persönlich verbinde meine negativsten Schulerlebnisse mit dem Sportunterricht. Ich würde im Namen der Menschlichkeit jedes Kind davon befreien, wenn es darunter leidet. Töchter. Und Söhne!
Na gut, um die Sache nicht zu sehr auszudehnen, überspringen wir nun die hintegründigen Fragen, ob es sich bei Bombenlegern um Freiheitskämpfer handelt. Gehen wir doch gleich zu dem endgültigen Hammer über:

“Ihre Tochter bewirbt sich um eine Stelle in Deutschland. Sie bekommt jedoch ein ablehnendes Schreiben. Später erfahren Sie, dass eine Schwarzafrikanerin aus Somalia die Stelle bekommen hat. Wie verhalten Sie sich?”

Also wenn so ein – mit Verlaub und nur, um im Jargon zu bleiben – Urwaldmensch auf einem Amt mit dem Ausdruck “Schwarzafrikaner” kommt (nebenbei: Ein Lieblingsbegriff des inzwischen geflüchteten Ultrarechten Schill), dann bin ich dafür, dass man ihm sofort die Staatsbürgerschaft meines Landes aberkennt. Umgehend! Und für immer!

Der vollständige Katalog bei der TAZ
Ministerpräsident Oettinger kann die Aufregung gar nicht verstehen und findet den Leitfaden gut. Das sollte man sich merken. Für den 26. März dieses Jahres. Da sind nämlich Landtagswahlen.

2 Kommentare

  1. wys
    Jan 12, 2006

    Hallo,
    also ich finde den Fragenkatalog schon OK, schliesslich ermöglicht er dieses ganze Ultra-orthodoxe bzw fundamentalistische “Geschwärl” auszufiltern.
    gruß

  2. chamuco
    Jan 13, 2006

    Soll das eine Lösung sein?
    Ich proklamiere lieber die Maxime:
    “diskutiere NIE über Religion”.

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