Alles nur Theater ...

Tja, eigentlich hatte da die SPD und Schröder am Sonntag ein ganz akzeptables Wahlergebnis: Die Sprechblasen-Partei FDP bleibt der Bevölkerung für die nächsten 4 Jahre erspart und durch eine große Koalition fällt der Diener vor den greisen Männern in Washington und denen der Atom-Lobby vielleicht nicht ganz so tief aus … Allerdings zeigt Schröders Auftritt, dass Politiker noch immer nicht blicken, dass sie kein Theater spielen müssen. Zumindest ein großer Teil des Fernsehpublikums durchschaut doch schon längst dieses lächerliche Kasperletheater. Wie wäre es denn, wenn man zur Abwechslung einfach mal sagt, was man denkt? Dazu ein kurzes Drehbuch: [Links übrigens ein Bild aus dem PDF-Heft "Asterix und der Kampf um's Kanzleramt", das ich bei Blog'n'Roll gefunden habe (dort übrigens auch sehenswert: der Wahl-U-Boot-Film).]

DIE MÄUSCHENRUNDE
Ort: ZDF-Studio
Zeit: Wahlabend, kurz vor Beginn der Sendung.
Anwesend: Schröder, Merkel, Fischer, Stoiber, Westerwelle

Gerd (gut gelaunt): Mann, Mann, Mann – Angie, dat war ja heute was!

Angie (weniger gut gelaunt): Du meinst die Wahl – hör’ mir bloß auf damit!

Gerd: Was guckst Du denn so griesgrämig? Du hast doch die meisten Stimmen eingefahren – und darfst bald in meinem tollen Sessel sitzen!

Eddie (aufgeregt): Wir, wir (!) haben die meisten Stimmen geholt!

Angie (Blick gegen die Decke): …

Gerd: Ja, Eddie, schon gut, schon gut – ihr habt das zusammen sehr schön hingekriegt. Aber ich war auch nicht schlecht, was Jungs?

Angie (räuspert sich): …

Gerd: Aber Angie, mit „Jungs“ mein ich doch auch dich – du bist doch jetzt gewissermaßen eine von uns! (Lacht und schlägt sich auf die Schenkel.)

Guido (aufgeregt): Ja klar, der große Gerd war toll, die große Angie war toll – und ich, hab ich nichts geleistet? (Schaut auffordernd in die Runde.)

Angie (ratlos): …

Joschka (ratlos): …

Eddie (ratlos): …

Guido (noch aufgeregter): Och Menno, nun kommt schon! Ich war doch die ganzen letzten Wochen wahnsinnig ernst und seriös! Nix Container, nix Spaßbus, nix Fallschirm … stopp … wer war das noch gleich …?

Gerd (gönnerhaft): Ja, Guido, had du fein gemacht. Had du auch schön viele Punkte gemacht.

Joschka: Guido, ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen! Zeitweise konnte man dich schon fast für einen denkenden Politiker halten!

Eddie: Na, na …!

Angie: Na jaaa ….

Gerd (freundschaftlich Joschka mit dem Finger drohend): Na, Joschi, jetzt wollen wir aber mal die Kirche im Dorf lassen! … (sucht Stift und Papier) … Gute Formulierung … muss ich mir notieren, kann ich vielleicht nachher noch brauchen.

Angie (zaghaft): Ja, also, könnten wir jetzt vielleicht mal drüber sprechen, wie es weitergehen soll? Mit der Regierung und so, meine ich … Wie machen wir das denn nun?

Guido (schüttelt den Kopf): Ts, ts …

Joschka (seufzt): …

Eddie (aufgeregt): Aber Angie, Angie, das ist doch ganz klar …

Gerd (unterbricht): Eben, Eddie, eben – klar wie Kloßbrühe … (sucht Stift und Papier) … Gute Formulierung … muss ich mir merken … Also, Angie, die Zahlen geben doch gar nix anderes her: Deine CDU …

Eddie (aufgeregt): … und meine CSU!

Gerd (leutselig mit Blick zu Eddie): Ja, Eddie, is ja man gut. Deine CSU und die CDU sind ja praktisch eins …

Eddie (aufgeregt): Die Eigenständigkeit der bayerischen CSU ist … ist …

Gerd (hebt beschwichtigend die Hand): Okay, Eddie, okay. Also noch mal für Angie: Deine CDU (schneller Blick auf Eddie) und natürlich Deine CSU, ihr habt die meisten Stimmen. Aber reicht euch halt nicht mit der FDP und uns nicht mit den Grünen – also tun wir beide uns zusammen.

Angie (vorsichtig): Aber wenn nun die Grünen zusammen mit der FDP mich …

Joschka (grölt): Mein Gott, Angie, du kannst ja verdammt witzig sein! Toll! (Kann sich nicht mehr einkriegen.)

Guido (kichert): Nee, nee, nee, Angie, Angie, du bist mir aber wirklich eine Ulknudel. Köstlich!

Eddie (aufgeregt): Äh, also, kann mir mal jemand erklären, worum und überhaupt …

Gerd (unterbricht Eddie): Später, Eddie, dazu haben wir momentan keine Zeit. Also, Angie, nö, das kommt nun wirklich nicht in die Jamaika-Tüte!

Angie (unsicher): Und wenn die FDP zu dir und dem Joschka …

Joschka (schnappt nach Luft und liegt halb auf dem Tisch vor Lachen): Aufhören, Angie, sofort aufhören – ich kann nicht mehr!

Guido (kichert noch lauter): Wir und umfallen? Also, verehrte Angie, so was kommt uns nun wirklich nicht in den Sinn! … Moment (wird ernster) … ginge das denn? Würden wir dann doch noch …?

Eddie (aufgeregt): Was … wie? Ich denke, die Grünen sollen zu uns … oder wie war das jetzt eben …

Gerd (strafender Blick zu Guido): Mensch, Guido, mach keinen Scheiß! Das würde euch eure Wähler verdammt übel nehmen! Immer hübsch auf der Linie bleiben, die du vor der Wahl versprochen hast!

Joschka (nun ernster): Ja, da hat der Gerd recht. Übrigens, was ich noch sagen wollte: Am Mittwoch sage ich der Presse, dass ich nicht mehr mitmache. Ihr müsst dann überrascht tun.
Angie: Och, echt, Joschi? Menno, das find ich jetzt aber echt schade!

Gerd: Jau, Joschka, das ist wirklich … aber ich versteh dich … also: am Mittwoch überrascht tun … Moment, wo ist denn immer dieser verflixter Zettel

Angie (energisch): Die Sendung fängt gleich an. Jetzt sagt doch mal ernsthaft: Ich darf Bundeskanzlerin werden?

Gerd (seufzt): Aber ja doch, Angie.

Angie (strahlt): Ui! Toll! Wollen wir das gleich in die Kamera sagen?

Joschka (schlägt die Hand vor die Stirn): Angie, Angie …

Guido (schüttelt den Kopf): Ts, ts, ts …

Eddie (aufgeregt): Also was jetzt? Erklärt mir das bitte mal jemand? Und überhaupt, was wird aus mir? Geh ich nach Berlin oder bleib ich in München?

Gerd (stöhnt): Also Eddie, das können wir dir jetzt in der Kürze der Zeit nicht auch noch erklären. Sag’ einfach, du weißt das noch nicht – ich erklär dir dann nächste Woche, was du sagen sollst. So, jetzt zu dir Angie, die Sache läuft so: Ich werde gleich sagen, dass ich Kanzler bleiben werde …

Angie (lehnt sich zurück und macht Schmollmund): Also doch …!

Gerd: Mensch, Angie, das glaubt hier doch keiner. Und draußen glaubt das auch keiner. Und die Journalisten glauben das auch nicht. Aber das gehört nun mal zum Spiel.

Angie (besänftigt): Ach so …

Gerd: Na also, geht doch! Und du, du musst empört tun, wenn ich das sage.

Angie: Au ja, das kann ich gut, das mach’ ich!

Guido: Und ich? Und ich?

Gerd: Du machst das, was du immer tust: Du wirst hibbelig auf deinem Stuhl hin und her rutschen, mich von oben angucken und Sprechblasen produzieren.

Guido: Hm … na, okay … von mir aus.

Eddie (aufgeregt): Aber ich, ich darf doch …!

Gerd (unterbricht): Ja, Eddie, du darfst alles. Dir hört eh keiner zu. Mach du nur.

Joschka (lächelt still): …

Gerd (strenger Blick zu Angie): Also, alles klar? Alles verstanden?

Angie: Klar, Chef.
Eddie (aufgeregt): Chef? Wer ist hier …? Wir in München …!

Guido (unterbricht): Mann, Eddie …

Joschka (unterbricht): Eddie, schon klar, schon klar …

Gerd (unterbricht): Eddie, nur ruhig, alles wird gut.

Angie (unterbricht): Mann, halt die Klappe, Eddie!

Eddie (verstört – hält die Klappe): …

Angie (ermutigt): Und, Eddie, rück mir gefälligst nicht immer bei den Interviews so dicht an die Pelle! Du hast Achselgeruch! Jawohl!

Eddie (völlig verstört): …

Gerd (anerkennendes Nicken zu Angie und Daumen hoch): …

Joschka (anerkennendes Schulterklopfen): …

Guido (kichert): …

Vorhang auf …

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