Randgruppen-Liebe

Wo die Liebe hinfällt

Wie bereits erwähnt – ich bin ein Freund von E-Books. Ab und zu werde ich daher hier mal auf einen Text hinweisen. Diesmal ist mir ein schönes Stück für unsere Freunde aus den westlichen Regionen (Saarland, Elsaß usw.) in die Hände gefallen: “‘s Meikatel und der Sexack” von Ernst von Wolzogen (1855 – 1934). Es geht dabei um die zufällige Begegnung zwischen einem Vikar (“Sexack” ist sein Name – nichts anderes!) und einem jungen Mädel in den Bergen. Lesen wir doch mal kurz rein:

Er blieb stehen, um sich von der langen Rede und dem steilen Anstieg etwas zu verschnaufen.

»Ewwezemär!« rief das Mädchen, gleichfalls stehen bleibend, und lachte hell auf. »E so ‘ne g’nugsame Pfarrn hab’ i werli no kene g’sehn!«

Der Vikar antwortete nichts drauf, sondern beschaute sich nur das fremde Mädchen von Kopf bis zu den Füßen und schmunzelte dabei immer vergnügter. Es war aber auch ein Augenschmaus, das Mädchen. Größer als der Sexack, der kein kleiner Mann war, und schlank wie eine Tanne. Dabei voll und kräftig, nirgends ein Mangel und nirgends ein Überfluß, gesund und jung. Und das liebe Gesicht dazu! Keine blasse, zarte Schönheit, keine feinen weichen Züge – aber doch schön! Derb und gut, stark und offen, heiter und unverzagt schauten die großen blauen Augen mit den langen Wimpern in die Welt hinein.

Das mag genügen. Na, das hat doch Lust auf ein Weiterlesen gemacht, oder? Kein Problem – der vollständige Text ist beim Projekt Gutenberg kostenfrei erhältlich.
Übrigens ist dort vor einiger Zeit ebenfalls der Roman “Der Spieler” von Dostojewski veröffentlicht worden. Vielleicht doch mal wieder einen Blick wert? Vielen ist zwar durch den den traditionell-verstaubten Deutsch-Unterricht an der Schule die Lust auf derartige “Klassiker” genommen worden … aber, meine Güte, soll man sein Leben wirklich mit Stefan Raab und Bernhard Hoecker beenden? :-) Mal im Ernst: Einfach auf den kleinen Organizer laden und im bevorstehenden Urlaub die langen Nächte nutzen. Ausserdem macht sich das immer gut, wenn Ihre Kollegin in der Kantine fragt “Was lieste denn da?” und Sie ruhigen Gewissens sagen können “Den neuen Dostojewski!”. Das macht Eindruck!

1 Kommentar

  1. nina danninger
    Mai 9, 2005

    jo, is voll fett, hab mir gleich einen drauf geschoben! muhahah

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