Und sie dreht sich doch!

“Männer sind intelligenter als Frauen.” So der Titel heute in etlichen Zeitungen (Welt, Süddeutsche usw.), die sich auf eine Agenturmeldung zu einer britischen Studie beziehen, bei der der IQ von 100.000 Personen untersucht wurde. Dies könnte zu manch hitziger Diskussion an Frühstückstischen führen …
“Ha!” rief ich triumphierend aus, während ich den Blick nicht von der aufgeschlagenen Zeitung nahm. “Hm?” fragte die beste aller verfügbaren Freundinnen mit mäßigem Interesse, da sie – ihr Honigbrötchen kauend – gerade den Blick durch das Fenster in die unendlichen Weiten unserer Nachbarschaft hat schweifen lassen.
Ich ergänzte: “Männer sind intelligenter als Frauen!” Ich sprach das mit einem Ausrufezeichen und ließ den Satz im Raum nachhallen. Widerstrebend veränderte Conny den Winkel ihres Blicks, so dass dieser wohl jetzt ein Stück meines linken Ohrs erhaschte. “Wer sagt das?”
“Eine Studie aus England hat das herausgefunden”, ergänze ich nun und hebe den Blick über den Zeitungsrand, um ihre Reaktion genauer beobachten zu können.
“Ach so …” Das waren die einzigen Worte, die sich Connys Kehle entrangen, während sie einen Bissen runterschluckte und sich Kaffee nachgoss. Dann wanderte ihr Blick wieder zum Fenster hinter mir. Ich war nun doch etwas enttäuscht, wenn ich ehrlich bin. Ich knickte die Zeitung zur Hälfte um, so dass mein vorwurfsvolles Gesicht nun vollständig sichtbar wurde. “Ach so? Das ist alles, was du dazu zu sagen hast?” Ein Hauch von Empörung schwang in meiner Stimme mit.
Mein Gegenüber schien den Augenblick für gekommen zu halten, mich wahrzunehmen – jedenfalls schaute sie mich nun direkt an, obgleich, also … eine gewisse Leere schien mir in ihrem Blick immer noch zu liegen. Es kam mir so vor, als würde sie durch mich hindurch schauen. “Was meinst du?” fragte sie und man sah ihr an, dass sie sich Mühe gab.
“Na hör mal!” sagte ich doch nun etwas aufgebracht. “So eine Überschrift muss dich doch aufregen!” Sie nickte und schien angestrengt nachzudenken.

Dann fragte sie: “Welche Überschrift?” Jetzt wurde ich doch etwas ärgerlich und legte die Zeitung beiseite. “Sag mal, hörst du mir nicht zu?” Diesmal kam ihre Antwort ohne Verzögerung: “Aber natürlich, Schatz!” Doch dieses “Schatz” erinnerte mich in der Tonmelodie an ihre Ansprachen, die sie an unseren Hund Burschi hielt, wenn sie ihn streichelte. Wie auch immer, ich wiederholte die Zeile und Conny nickte heftig. Dann sagte sie: “Stimmt.” Ich holte tief Luft: “Stimmt? Wie kannst du sagen, dass das stimmt?” Nun schaute sie irritiert: “Aber Spatzi” – ich mochte es nicht, wenn sie mich Spatzi nannte – “es stimmte doch: Das war die Überschrift, die du vorhin vorgelesen hast.” Leise stöhnte ich auf. “Mensch, das ist ja klar. Was ich wissen will: Was hälst du von solch einer Ausage?!”
Conny nahm sich ein weiteres Brötchen, schaute es nachdenklich an, schnitt es dann sorgsam in der Mitte durch und legte die eine Hälfte in den Brotkorb zurück. Während sie sich eine Scheibe Käse angelte vergewisserte sie sich: “Du willst wissen, ob ich glaube, dass Männer schlauer sind als Frauen?” “Ja!” presste ich gequält zwischen meinen Lippen durch. “Tja, also …”, sie schnitt die Käsescheibe in zwei Hälften und überlegte, ob wie sie diese Hälften auf ihrem Brötchen anordnen sollte, ” … das kommt drauf an, wenn du mich fragst.” Ich wartete. Aber es kam nichts. Schließlich hakte ich nach: “Auf was kommt es denn an. Hättest du die Güte, mir das auch noch zu verraten?”
“Sei doch nicht so aggressiv! Es kommt drauf an, wen man vor Augen hat. Also zum Beispiel diese Gabi, die neue Freundin von Klaus, von der du vorgestern Abend keinen Blick lassen konntest, die ist eindeutig dumm.” Das war natürlich absoluter Unsinn! Diese Gabi war eine intelligente, aufgeschlossene, wortgewandte Frau gewesen! Zwar war mir der Inhalt unserer Gespräche nicht mehr in allen Einzelheiten präsent, weil ich … aber das tut hier nichts zur Sache. Jedenfalls sagte ich:
“Aber es geht doch hier nicht um Einzelfälle. Gemeint ist die ‘Frau an sich’!”
“Ach?” kam es aus Connys Richtung, deren Blick eigentlich zum Fenster wandern wollte und nur mühsam von ihr wieder auf mich gelenkt wurde. “Die Frau ‘an sich’? Also, die kenn’ ich nicht. Wer soll das denn sein?”
“Sag mal, du verstehst mich doch ganz genau! Wenn nicht, dann frage ich mich langsam, ob der Bericht nicht doch recht hat. Die Frau an sich ist die Frau im Allgemeinen, die Frau an und für sich, der Prototyp, die Urmutter, die Mehrheit der Frauen.”
“Ach ja? Also die ersten kenne ich nicht, aber die Mehrheit der Frauen … da steht also, dass die dumm sind?”
“Nicht ganz, die können schon durchaus auch klug sein. Aber viele Männer sind halt noch klüger.”
“Ist das so? Na ja, wenn das da steht und wenn die das mit einer Studie herausgefunden haben, dann wird das schon so sein.”
Ich verzweifelte nun wirklich, aber es war höchste Zeit, mich für’s Büro fertig zu machen. Jedenfalls nahm ich mir fest vor, Conny heute Abend etwas Nachhilfe in Sachen selbstbewußter feministischer Einstellungen zu geben. Ich zog mich im Schlafzimmer um, stellte fest, dass mein Hemd einen Fleck hatte, suchte verzweifelt meine Armbanduhr, sah, dass ich noch schnell wichtige Unterlagen zusammen suchen musste und ging in meinem Arbeitszimmer zum Telefon, um im Büro Bescheid zu geben, dass ich etwas später kommen würde. Als ich abhob, hörte ich die Stimme meiner Frühstückspartnerin, die offensichtlich gerade mit Petra, einer ihrer Freundinnen, telefonierte:
“Und stell dir vor, er ist ja sooo süß, wenn er sich aufregt … ja, hat er … er ist richtig rot im Gesicht geworden … nein, wenn ich’s dir sage: er hat nichts geblickt … ja … nein, das macht doch nichts, ich bin ja nicht wegen seiner Intelligenz mit ihm befreundet … du weisst schon, seine Qualitäten … stimmt, ich muss auch noch los … und ich darf mir nachher die neue Ausgabe von Nature von dir leihen … klaro bring ich dir die Juli-Ausgabe vom Lancet mit, ist schon eingepackt … ja, genau die, in der über den haploiden Chromosomensatz …”
Ich legte leise und still den Hörer hin. Auf dem Weg zum Auto warf ich die Zeitung in den Mülleimer.

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17 Responses to “Männer sind intelligenter als … Frauen!”

  1. Deine Conny ist sogar eine sehr kluge Frau. Armer Herbert *leisevormichhinkicher*

    *duckundwech* ;-)

  2. *g*
    Das nenn ich mal fies. *g*

    Auch ne Art jemanden an der Nase rumzuführen.
    gleich mal verschicken den link

    *hihi*

  3. Ooooch ich bedaure Dich wirklich.
    Glaubst leiht sie mir die Lancet dann, wenn sie sie ausgelesen hat?

    lächelnd wieder entschwindet …

  4. Hhm. Vielleicht ist Conny ja intelligenter, sie ist aber auf alle Fälle listiger…

  5. Bemerke ich da etwa eine gewisse einseitige Parteinahme für Conny? Das stimmt mich nachdenklich. Ich (!) sollte Euch leid tun! :-)

  6. Herbert,
    tätst Du mir leid, würde ich checken , dass Conny intelligenter ist als Du.
    Da ich dies aber laut der Studie gar nicht checken darf, kann ich Dich nicht bedauern.
    So sehr ich dies bedaure.

    “lächelnd Kaffee trinke und Financial Time weiterlese.”

    lg

  7. Öh… da ich zu der Gruppe gehöre die ebenfalls nicht unbedingt der Intelligenz wegen sondern aufgrund anderer Qualitäten… naja… auf jeden Fall wollt ich sagen das…. öh… ach was solls…

    *ROFL* :D

  8. einfach genial. Ich würde sagen, dass euer Gespräch den Artikel in Frage stellt.

  9. Wann kapieren die Frauen Leser eigentlich, daß die Statistik nichts – wirklich GAR NICHTS über den Einzelfall aussagt?
    WANN???

    PISA ist überall…

  10. Ich glaub’ wirklich nicht, dass der britische ‘Ausreißer’ unter den Publikationen zum Gender-Thema noch einer ‘narrativen Gegendarstellung’ bedurfte. Der publizierte Mainstream verstärkt eh die allgegenwärtigen Stereotype. Und die haben eine unzweifelhaft andere Richtung: Es ist seit knapp zwei Jahrzehnten selbst für eingefleischte Machos wie z.B. Pedro Juan Gutiérrez (“Frauen sind intelligenter”), oder die alternde Filmlegende Clint Eastwood („Frauen sind die stärkeren Menschen“) längst selbstverständlich und ‘schick’ geworden, entsprechende Generalisierungen in Interviews wohlfeil vor sich herzutragen:
    Pauschalisierungen und Biologismen dieser Qualität, die (in umgekehrter Anwendungsrichtung jedenfalls) schon seit gut 30 Jahren als gründlich überholt schienen, sind im Zeitalter von Allan und Barbara Pease und dank d. offenbar uneingeschränkten “opinion-leadership” der Frauenzeitschriften-Redaktionen in allen Genderfragen wieder opportun.
    Wenn man sich (als Frau;-) die Freude macht, das Ungleichgewicht dieser und ähnlich-biologistischer Behauptungsformate bei Aufsatz- und Buchtiteln zum Thema im Netz zu recherchieren, dann ist klar:
    Was anderes, als ein freundlich-submissives Inferioritätsbekenntnis war von einem Mann an dieser Stelle auch nicht zu erwarten: Alte Schule eben – und zugleich neuer (Zeitgeist-)Konformismus.
    während ich diesen Kommentar ‘absetze’, höre ich wieder mal einen Beitrag im Radio, der erneut bestätigt: Längst sind auch Männer fest von ihrem umfassenden biologischen Nachteil überzeugt (Steve Jones lässt grüßen), kokettieren damit, dass sie gewissermassen ‘ab utero’ nicht ‘Multitaskingfähig’ seien, “nicht so gut zuhören” oder “einfach nicht so gut kommunizieren” könnten
    - und auch sonst eigentlich vielleicht besser gleich einen Benachteiligten-Ausgleich beantragen sollten, statt sich gleichberechtigt, sachlich und kriterienstiftend in diesen Diskurs einzumischen…
    Um’s mit einem älteren Song von Herbert Grönemeyer zu sagen : “Tu Dir leid, tu dir leid, tu dir leid!”
    Für mich ist die Kolumne ein weiteres Beispiel für die Gattung: “Darling,-guck-mal,-ich-hab’s-verstanden
    -hab-mich-dafür-lieb!”-Koketterie. Aber nix für ungut!

  11. Also offengestanden: Was Du uns damit jetzt sagen wolltest, habe ich nicht wirklich verstanden. Aber ich bin ja auch ein Mann ;-)

  12. Also nochmal in gaanz kleinen Schritten:

    Was Du uns damit jetzt sagen wolltest, habe ich nicht wirklich verstanden.

    Schade eigentlich, dabei war’s überwiegend Deutsch. Und was ein “(freundlich-)submissives Inferioritätsbekenntnis” sein könnte, hättest Du einfach nachschauen können, wenn es sich wirklich nicht so erschließt: Das galt nämlich tatsächlich Deinem Text – und ist zumindest ziemlich unzweideutig.

    [...]uns[...]

    Aber was heisst hier ‘uns’: (“If I got it right”) Du bist doch wohl der Autor der amüsanten Glosse und damit der Adressat des Kommentars.
    Ich wollte also v.a. Dir etwas sagen.

    Wahrscheinl. hast Du’s auch verstanden, sonst müsste ich am Ende gar noch Deiner Deiner Einladung (zum “begleiteten Selbstmitleid”) folgen:

    [...]Ich (!) sollte Euch leid tun!

    Das erklärt Dir aber zumindest schonmal zweifelsfrei mein Grönemeyer-Zitat!

    Und das (:diese Selbstaussage):

    ['ich raff nix, weil:'] ich bin ja [...] ein Mann

    ist der Idealfall von einem (wenn auch ironischen) “submissiven Inferioritätsbekenntnis”
    (Dann hätten wir’s ja jetzt inetwa klar – oder? ;-)

  13. Na ja, was Du mit Deinem “InferioDingsBums” meinst, ist immer noch nicht klar. Mit Verlaub: Ich habe weder die Zeit noch die Lust, Google anzuwerfen, nur weil jemand anderer unbedingt bestimmte Wörter benutzen will, die nun mal absolut nicht zur Alltagskommunikation gehören. Ein männlicher Kommentator hätte halt mal eben die zwei Begriffe übersetzt – und fertig …

    Na ja, ich will nicht, dass das wieder ein ewig langer 2-er-Dialog wird über eine Sache, die sonst keinen interessiert. Nehmen wir das jetzt einfach mal als wohlwollendes Statement :-)

  14. Aber der “haploide Chromosomensatz” ist Alltagssprache…
    “InferioDings” = “Unterlegenheitsbekenntnis”
    und “submissiv” kannste auch mit “unterwürfig”
    oder meinetwegen ‘devot’ übersetzen (,das kann man nur im Deutschen nich gut hintereinander packen, daher d. auswärtige Version.)

    Natürlich bin ich wohlwollend – und sogar ehrlich:
    Die Story ist wirklich gut geschrieben (erst Recht für einen journalistischen Laien – falls das überhaupt so ist)! – Und auch unterhaltsam: Hübsche Dramaturgie, griffiger ‘Plot’! – Alles Bestens! (Falls ich mir ein Urteil überhaupt erlauben darf.) Aber sie entspricht im Ausgang für meinen Geschmack (nicht speziell als Frau!) zu sehr einem PC-gemäßen Rollen- und Geschlechterverständnis: Der Ich-Erzähler(m) macht sich ‘krumm’, die Pointe macht ihn zum Deppen: ["er hat nichts geblickt … ja … nein, das macht doch nichts, ich bin ja nicht wegen seiner Intelligenz mit ihm befreundet … du weisst schon, seine Qualitäten..."].
    Das ist devot – das ist dieses o.g. “Clint-Eastwood-Ding”! Irgendwie haben z.Z. alle Männer offenbar den Eindruck, sie müssten zeigen, dass sie ‘verstanden haben’, dass sie womöglich noch bessere Feministen sind, als ihre Frauen oder Alice S.
    Die Story ist mir also (nur von ihrer Quintessenz her) zu brav, erwartungskonform, angepasst, erwartbar frauenfreundlich – aber sonst durchaus einfallsreich und dabei wie gesagt auch gut erzählt! Sorry, dass ich überhaupt mitgepostet hab’ gehör’ hier ja nich’ zur community, bin über einen Link bei google auf die Seite gekommen, kenne die Sachen nich’, Die Du sonst so schreibst. Sorry, aber ich dachte spontan: Wenn das die Seiten von und für ‘ganze Kerle’ sind, was bitte schreiben denn dann die ‘Warmduscher’ und ‘Schattenparker’ für Stories zum Tehma Geschlechterkampf und Intelligenz?

  15. P.S.:
    es sollte natürlich ‘Thema’ heissen im letzten Satz, und “Geschlechterkampf” natürlich in jedem Sinne in Anführungszeichen…

  16. Okay, dann lassen wir das einfach mal so stehen. Ob ich nun ein ganzer Kerl bin oder ein halber oder ein Schattenparker – das ist mir nun wirklich herzlich egal. Das sind so Trendy-Begriffe, mit denen ich nichts anfangen kann. Ich schreibe einfach so, wie ich Lust habe und nicht, um einer bestimmten Rolle zu genügen. Mein Blog ist da übrigens ganz ähnlich … ;-)

  17. Ich finde die Geschichte blöd! Als ehemalige, ich betone ehemalige, Feministin denke ich, dass das Miteinanderumgehen in dieser Geschichte sehr stereotyp – sexuelle und sonstige wichtige Qualitäten – gestaltet ist. Das gehört zusammen.
    So würde ich mit meinem Partner nicht umgehen wollen! Höchstens im Scherz! War es ein Scherz?????? Ich glaube, der Mann hat sich nicht wohl gefühlt! Es ist nicht in Ordnung, dass sie am Ende mit ihrer Freundin über ihn im Sinne dieser Geschlechterstereotypen herzieht.
    Solche Untersuchungen sind meistens sowieso in irgendeiner Weise ideologisch verzerrt – was mann oder frau reintut, kommt auch wieder raus und fertig!!!!!! Es gibt zu jedem Untersuchungsergebnis ein gegenteiliges. Man müsste die Untersuchungsbedingungen und Methoden genauer reflektieren, um abschätzen zu können, ob das Ergebnis redlich ermittelt ist oder nicht. C.
    In Ordnung?

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