Fluchtort Toilette
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or einiger Zeit rief mich eine Redakteurin der Süddeutschen Zeitung an und bat mich um meine Meinung zum Leseverhalten von Männern auf dem Klo. Nun, derartige Anrufe können einen Soziologen nicht erschüttern, und das kleine Interview findet sich in der aktuellen Ausgabe des Magazins der Süddeutschen. Nett finde ich ja die Rubrik-Überschrift “Rätsel des Alltags” …
Die Redakteurin hatte mir nach unserem Gespräch erklärt, dass sie nun ihren Freund besser verstehen würde – und so was baut mich immer auf …
Jedenfalls habe ich die Sache zum Anlass genommen, mir einige Gedanken über Motive von Männern, die bevorzugt das Stille Örtchen als Leseort nehmen, zu machen. Dabei entstand eine Typologie, die vielleicht auch manche Leserin dieses Blogs tiefere Einblicke in die Seele und Sehnsüchte ihres Partners gibt:
Frauen und Männer leben in verschiedenen Welten. Dafür gibt es viele Beispiele, aber eins, das dies besonders verdeutlicht, ist das unterschiedliche Leseverhalten der Geschlechter. Die Frau liest auf dem Sessel, dem Sofa oder im Bett. Der Mann liest auf dem Klo. Und das ausgiebig. Und gerne. Und oft. Wann immer er auf dem Weg zu diesem Örtchen etwas in die Finger kriegt, das Buchstaben, Zeichnungen oder Bilder enthält, wird es sofort zum treuen Begleiter für die nächsten Minuten erklärt. Frauen können das nicht verstehen. Männer schon.
Was ist nun aber der Hintergrund dieses eigenartig anmutenden Verhaltens? Das ist nicht leicht zu beantworten, da es unterschiedliche Gründe bei unterschiedlichen Männern gibt:
Da haben wir zunächst den lonesome Wolf, der grundsätzlich die Einsamkeit liebt, sich unbeobachtet und jenseits von Menschenmassen oder der Partnerin frei und ungezwungen fühlt. Er hat also ein angenehmes Gefühl in diesen vier Wänden und möchte diese Empfindung durch die Hinwendung zu seiner bevorzugten Lektüre noch steigern.
Anders hingegen bei jenem Manne, der in angespannten Familienverhältnissen lebt. Junge Väter z. B., die bereits auf Grund einer verkürzten Nachtruhe (durch die lautstarken Stimmchen des Nachwuchses) oder durch die Ansprüche der Partnerin erschöpft und ermüdet sind, sehen in diesem Raum eher eine Fluchtmöglichkeit. Hier ist ein Rückzug legitim, niemand kann einem hier vorwerfen, dass man sich nicht genügend um die Familie kümmere usw. Derartig erleichtert greift jener Mann doppelt gerne zum Lesestoff, fällt doch nun die Anspannung von ihm ab und kann er zugleich die unangenehme Begegnung mit der Außenwelt unbewusst hinauszögern, da ihm eine innere Stimme sagt Nur noch das Kapitelchen zu Ende lesen.
Damit ist aber noch nicht die Art des Lesestoffes geklärt. Warum werden schlichte Zeitungen, Illustrierte oder Comic-Hefte bevorzugt? Das ist durch den dritten Typus des lesenden Mannes erklärbar:
Dessen (Arbeits-)Alltag wird dominiert von fachbezogener oder inhaltsschwerer Literatur: Die Süddeutsche am Morgen, die Steuerordner im Büro, Kant am Abend entweder weil der Beruf oder sein Ansehen Derartiges verlangt. In jenem Private Room, wie der Angelsache gerne dazu sagt, wird aber nicht erwartet, dass er die redaktionelle Arbeit am neuen Brockhaus fortsetzt oder die Fragebögen für die Führerscheinprüfung ausfüllt. Nein, hier ist es gesellschaftlich legitimiert, sich mit einfacherer Literatur zu beschäftigen. Da darf dann auch mal das Micky-Maus-Heft des Sprösslings mitgenommen werden, denn es handelt sich ja nur um das Klo. Dort ist das Lesen von kindischen oder simplen Printerzeugnissen gewissermaßen gesellschaftlich sanktioniert. Das ist so ähnlich wie das Tragen von Pappnasen. Würde jemand damit z. B. im Sommer durch die Gegend laufen, würde man an seinem Geisteszustand zweifeln. Wenn er diese hingegen zur Faschingszeit trägt, dann würde man zwar auch an seinem Geisteszustand zweifeln, hat aber die Hoffnung, dass es sich nur um ein temporäres Phänomen handelt.
Ein letztes Wort an die Partnerinnen lesender Männer: Sie kennen jetzt die Gründe für dieses Verhalten, und Sie haben gesehen, dass die Grundlage Entspannung, Kontemplation und Wissbegierde bilden. Also erstrebenswerte Eigenschaften, die Sie fördern und unterstützen sollten. Wie wäre es z. B., wenn Sie ihm eine kleine Auswahl von Comic-Heften und Sportzeitungen auf den Örtchen liebevoll arrangieren und darauf achten, dass die Exemplare regelmäßig gegen neue ausgetauscht werden? Glauben Sie mir: Er wird es Ihnen durch eine lang andauernde Beziehung danken!
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- [ jan | ogisch ] = [ ja | logisch ] - klohlesungen das ist mal was … männerblog.de erklärt warum es auf dem kloh immer was zu lesen sein muss … bei ...





Mh .. ich für meinen Teil lese einfach alles was mir in die Finger kommt und gefällt und dass überall. Auf dem Klo sind allerdings Comics am Besten, weil sie in einzelne Strips aufgespalten sind und so angepasst an das jeweilige Bedürfniss sind. Meine Frau liest übrigens auf der Toilette genausogerne, verbringt sie doch im Moment (bedingt durch die zweite Schwangerschaft) eine Menge Zeit dort.
Wenn es im Bad etwas wärmer wäre, dann würde ich den Griff zum Comic sicherlich auch nicht scheuen. Aber der Gedanke, halbnackt im Kalten zu sitzen, ist wohl für viele Frauen der Knackpunkt
Jana
Meine Lesesucht im Bad begann bei einer Bekannten. Die hatte Fussbodenheizung, viel zu tun und alle Calvin&Hobbes Bücher im Bad.
Das ist ein männliches Phänomen?
Ich habe schon als kleines Mädchen wenn ich auf dem Klo sass, Shampoobeschriftungen gelesen, weil es einfach so langweilig war.
Wenn jemand Lektüre in seinem Bad hat, dann sieht er mich meist nicht so schnell wieder, gestern Abend habe ich mir einen Stockholmführer mit auf’s Klo genommen.
Die Klolektüre für Fortgeschrittene ist es aber, sich nicht einfach nur ein Buch mit aufs Klo zu nehmen, sondern es gleich den ganzen Laptop. Der wärmt einem auch schön die Beinchen, wenn es kälter wird.
Was bin ich froh, in einem Haus mit zwei Toiletten zu wohnen, da kann ich eine zweckentfremden, ohne, dass andere ewig warten müsse.
Hab ich eine eigene Wohnung, wird es eine Minibibliothek im Badezimmer geben.
Interessant, dass der Artikel gerade jetzt kommt – hatte ich mir doch auch so gerade meine Gedanken gemacht:
Auch ich lese auf dem Klo. Dies fing schon damals an, bevor ich überhaupt lesen konnte, in dem ich die Comics von meinem großen Bruder durchgeblätter habe und endet heute dabei, das ich mein Buch meist mit aufs Klo nehme.
Unterbrochen war die Leidenschaft durch meinen Ex-Freund bei dem war Sommer wie Winter das Fenster gekippt und daher hab ich mich nur solange wie nötig dort aufgehalten, weil ich Angst hatte festzufrieren.