“Killing Blogs” – Der erste Thriller rund um einen Weblog

Dies ist einer der ersten Thriller (vielleicht der erste überhaupt?), dessen Handlung sich zentral mit dem Thema Blogging beschäftigt. Denn das Schreiben von Weblogs ist keineswegs so harmlos, wie es den Anschein hat. Es kann sogar tödlich sein
Kapitel 1
17 Minuten. 17 Minuten hatte er es ausgehalten. Das war seine persönliche Bestzeit. Aber länger ertrug er es nun wirklich nicht mehr. Er griff zu dem kleinen schwarzen Kästchen und versetzte mit der Fernbedienung der SAT1-Produktion den Todesstoß.
“Melanie S. – tödlicher Online-Rausch” – so war die Eigenproduktion des Senders überschrieben. Alles war nach Schema F abgelaufen: 16-jährige Hauptdarstellerin gerät im Chat (Kamera fährt auf Monitor, schwarzer Hintergrund, große Buchstaben) an unbekannten Typen, der zunächst Mails schreibt (eintrudelnde Pixel-Brieftaube auf Bildschirm, zur Sicherheit gleichzeitiger Gong) und sie dann treffen will. Hauptdarstellerin verschwindet, Freund sucht, gerät schließlich an Melanies Computer, der passwortgeschützt ist (riesiges Eingabefeld umgeben von kryptischen grünen Zeichen auf schwarzem Grund). Freundin des Freundes überlegt mit, wie Passwort heißen könnte und gibt schließlich entscheidenden Hinweis: Name des Hamsters (“Bernie”), den Melanie verlor, als sie 4 Jahre alt war, rückwärts geschrieben eingeben (Klein- und Großschreibung egal).
Wie es weitergehen würde, war auch klar:

Tendierte das Billig-Autorenteam mehr zu einer Love-Story, würde noch ein grobgerastertes Bild in einer Datenbank auftauchen. Wollten sie ihr Machwerk hingegen als “Thriller” ausgeben, so würde noch eine Diskette/CD-ROM/Laserdisk auftauchen.
Horst überlegte, ob er nicht bei Gelegenheit eine Ghostwriter-Konvertierungssoftware entwickeln sollte. Man könnte den Text eines alten Märchen nehmen, sagen wir, Ali Baba und die 40 Räuber. Die Software würde dann Begriffe wie z. B. Schatz gegen geheime CD-ROM austauschen. Oder Räuber gegen bestechlicher Politiker. Und den Beruf der Hauptperson in unserem Beispiel Teppichverkäufer gegen erfolgreicher Web-Designer usw. Gekoppelt würde das mit einer intelligent-strukturierten Vornamendatenbank. Aus Ali Baba würde DJ Baba und aus Salome z. B. Sister S.. Hm, Salome kam nicht in Ali Baba vor woraus stammte der Name gleich noch? Bei Gelegenheit mal Google befragen, dachte er, während er sich einen leichten Rotwein einschenkte und sein Notebook aufklappte. Nein, es war kein Apple-Notebook. 99 % aller Filmproduktionen zeigten die Darsteller mit Apple-Notebooks, weil die so ein hübsches Design hatten. Horst musste an seinen Geldbeutel denken er hatte ein No-Name-Gerät beim Media-Markt erworben. Anfangs hatte er das Gerät auf seinen Knien balanciert. Das sah immer so lässig in der Fernsehwerbung aus. Aber das Ding wurde mit der Zeit schwer. Und der Akku wurde heiß. Und es wackelte, so dass seine Schreibgeschwindigkeit nachließ. Zum Glück hatte sein Sofatisch eine Höhe, die zur Not ausreichte.
Horst startete den Browser und rief noch ein paar andere Programme auf. Ja, es war Samstagabend und endlich hatte er wieder Zeit, sich um sein neues Lieblingsprojekt zu kümmern: Weblog-weiterfeilen-und-neue-Einträge-dazu-tun. Vor einem Jahr hatte er mal eine Homepage zusammgehämmert, so nach dem Motto Ich bin der Horst und hab Euch alle lieb. Das war irgendwie unbefriedigend. Die Blogidee hatte ihm hingegen gleich gefallen. Ein Kollege im Büro hatte da mal zufällig so was auf dem Monitor. Satte drei Wochen hatte Horst dann das Web per Google nach Infos über Blogs durchforstet: Welches System sollte man nehmen? Welche Funktionen waren sinnvoll? Wie sind die Lizenzbedingungen usw. usw. Immer, wenn er dachte, jetzt könne er starten, kam plötzlich aus irgendeiner Ecke eine neue Idee. So hatte er beispielsweise vor 4 Wochen noch nicht gewusst, was Trackbacking ist! War das vorstellbar? Nein und sein Blog musste das natürlich auch unbedingt haben! Vor 3 Wochen war sein Blog dann online gegangen! Gedankenzwickel hatte er ihn genannt. Sabrina, die Kontoristin in der Firma, in der er arbeitete, stammte aus Österreich und hatte ihm einmal erklärt, dass Brückentage dort Zwickeltage heißen würden. Und die Einträge in seinem Blog sollten auch hineingeschoben sein, gewissermaßen ganz persönliche Zwischenrufe. Außerdem sollten sie zwicken und zwacken ihn selbst oder den Leser. Horst mochte Wortspiele, obwohl er kein großer Könner in solchen Dingen war.
Wie auch immer: Jetzt wollte er erstmal sehen, ob sich jemand überhaupt auf seinen Blog verirrt und eventuell sogar einen Kommentar zu einem seiner ersten dürren Einträge hinterlassen hatte. Okay, viel Hoffnung machte er sich nicht. Er hatte den Blog bei einigen Blogverzeichnissen und bei Google angemeldet wenn es mehr als 10 Besucher täglich sein sollten, dann wäre das wohl schon ein Wunder zu nennen.
Gerade, als die Internetverbindung stand, läutete das Telefon. 23:10 Uhr zeigte der kleine Reisewecker auf dem Fernseher. Eigentlich rief ihn um diese Zeit keiner seiner Freunde an. Schon gar nicht samstags, da waren die alle unterwegs. Einen Moment schwankte Horst zwischen der Pflege seines Weblogs und der Annahme des Gesprächs die Neugier siegte. Am anderen Ende hauchte eine weibliche Stimme, die ihm völlig unbekannt war:
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Hallo,
in welchen Abständen möchtest du die Geschichte fortsetzen?
Das klingt aber schon sehr, sehr viel versprechend
)
Bin ziemlich gespannt – und Horst ist mir schon jetzt überaus sympathisch!
Wohlan denn – ich harre!
@Coke: danke!
@Arne: Momentan denke ich mal so alle 10 – 14 Tage wird ein kleines Kapitel auftauchen.
Dann werde ich hier wohl auch in regelmäßigen Abständen reinschauen: curiosity kiled the cat
Anscheinend funktioniert der Trackback nicht ganz, schade, ich habe gerade in meinem Blog auf einen der ersten Blog-Thriller reagiert *g*.
Danke für den Hinweis, Klaus. Ich habe das umgehend mit meinem MovableType-Blog getestet, wie du siehst, scheint es aber zu funktionieren.
Hm, Du benutzt Typepad? Wie sieht es da generell mit Trackbacks zu WordPress-Blogs aus?
Tja, gepingt habe ich erneut, aber anscheinend wieder vergeblich…
Wenn es weiter Probleme gibt, kannst du auch von hier trackbacken: http://kalsey.com/tools/trackback/
Klasse Idee!
Mach weiter!
Einfach klein anfangen, gut machen, besser werden und vielleicht wird was Großes draus.
Hatte auch mal die Idee zu nem Fortsetzungsroman / Krimi (1988 angefangen) fallen gelassen.
Vielleicht magst Du mal reinschauen, Ideen hab ich auch noch…
Herzliche Grüße