Ich will schreiben lernen!
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eute startete die Aktion “Ich will schreiben lernen”. Angesichts von geschätzten 4 Millionen in Deutschland lebenden Analphabeten bzw. leseschwachen Erwachsenen sicherlich ein löbliches Vorhaben. Überraschend: Die Initiatoren (u. a. der Deutsche Volkshochschulverband) haben dazu ein umfangreiches Selbstlern-Internetprojekt entwickelt.
Etwas verblüfft war ich da schon, denn Internet = Web = Buchstaben = lesen-und-tippen-können = teure-Maschine-haben-in-die-man-tippen-kann usw. You got it?
Wie auch immer: Wissbegierig, wie wir Männer nun mal sind, habe ich die URL aufgerufen. Die lautet übrigens “www.ich-will-schreiben.lernen.de”. 27 Buchstaben. Plus Satzzeichen. Ich hätte da ja eine Domain wie z. B. “abc.de” oder so reserviert. Aber okay, das wäre zu einfach.
Also gut, überspringen wir das, schließlich kann man sich die URL ja von einem Freund eintippen lassen.
So, jetzt startet eine Oberfläche, die hübsch in Flash programmiert ist. Man geht also davon aus, dass die Zielgruppe technisch schon auf der Höhe der Zeit ist und auf jeden Fall etwas mit “Wollen Sie das Flash-Plugin-von Macromedia downloaden?” anfangen kann. Und natürlich über DSL verfügt.
Na ja, jetzt will ich mal nicht zu sarkastisch sein: Positiv fand ich dann schon, dass die Seite ansonsten auf optischen Schnickschnack verzichtet. Und grundsätzlich (fast) alle Menüpunkte und Texte via Audiodatei auf Wunsch vorgelesen werden.
Aber jetzt kam die nächste Hürde: …
… ich wollte mich anmelden, um mir das Angebot anzusehen. Fein, dachte ich mir, schau mal eben den Menüpunkt “Kosten” an. Hinter diesem Punkt verbirgt sich ein ziemlich langer Text, der eigentlich nur aussagt, dass es nichts kostet. Gut, wieder schlauer. Also ein Passwort geben lassen. Mit ein bisschen Rumraten kam ich dann auch soweit. Toll. Nicht etwa, dass man jetzt ein eigenes Passwort reinschreiben darf, wie z. B. “mimi”. Nein, man erhält ein zufallsgeneriertes Kuddelmuddel. Aber das Schärfste: Da die Layoutgestalter wohl noch verschwommene Vorstellungen von ihrem ersten Schuljahr hatten, ist alles in Großbuchstaben (unsere Zielgruppe muss also auch die Shift-Taste kennen) und jeder Buchstabe in einzelnen Kästchen. Man kann also nicht mal eben copy&past benutzen. Man muss sich einen Zettel holen (oder Word mal eben starten) und Buchstabe für Buchstabe notieren.
Okay, zu diesem Zeitpunkt war ich dann doch schon ziemlich erschöpft und habe nur mal die erste Lektion durchgemacht. Die akustisch-vorlesen-und-Buchstabe-eintippen-Idee ist, wie gesagt, nicht schlecht.
gehauchte Frauenstimmen
Jetzt noch mal ein paar kurze Klicks ins Menü, wo es z. B. den Punkt “Nachrichten” gibt. Na ja, dachte ich zunächst, früher hat man so was “Radio” genannt und es ging ganz ohne Internet. Aber, clever sind sie ja, unsere Entwickler, hier steht jeweils der schriftliche Text zu einem aktuellen Tagesgeschehen und der wird vorgelesen. Aber Hallo – und wie der vorgelesen wird! Ich habe mir “Schröder lehnt Korrekturen an Hartz IV ab” angehört – bezaubernd! Denn ab hier wurde es den Contentlieferanten wohl zuviel, ständig einen Sprecher aufzutreiben. Also setzen sie eine mechanische Stimme ein. Aber was für eine! Ein lese vor sich hinhauchende rauchige Frauenstimme. Na, das macht doch Lust auf mehr!
Übrigens: Ich wollte dann doch noch wissen, wer eigentlich hinter der Sache steht. Und da auf der Frontpage was von “Apoll” stand, dachte ich zunächst “Alles klar – Brille? Viel Mann!” Unter dieser sinnigen Abkürzung wird dann doch aber was anderes verstanden … ein bisserl was sollen Sie ja selbst noch rauskriegen
Um nicht falsch verstanden zu werden: Grundsätzlich finde ich die Idee gut. Ob sie allerdings den angesprochenen Adressaten wirklich einen Nutzen bringt, der in Relation zum Aufwand steht, kann nur das Gesamtkonzept entscheiden (und eine vernünftige Evaluation).
So, und jetzt für alle, die nicht so viel tippen wollen, hier klicken, um auf www.ich-will-schreiben-lernen.de zu gelangen.





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