Warum ich genug habe vom Gelaber über das Gelaber

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Nicht Bloggen macht depressiv ...

ommerzeit = karger Nachrichtenfluss. Auch für SPIEGEL-Online, drum darf Verena Dauerer dort unter der Überschrift “Laber mich nicht voll” ein bisschen über das Podcasten schwadronieren. Gleich am Anfang erfahren wir, dass die Sache “letztlich nicht mehr als ein ambitionierter Bürgerfunk” sei. Schon okay – aber Verena, glaubst du wirklich, das heute noch jemand den 80-er-Jahre-Begriff “Bürgerfunk” kennt, wenn er nicht gerade Sozialpädagoge ist? Okay, weiter im Text. Nach ein paar Begriffserklärungen (Podcasten sei eine “clevere” Zusammenlegung) und dass alles so wahnsinnig “hip” sei (“schnieke” findet sich auch im gleichen Satz – diesen Begriff würde ich jetzt mal auf die 60-Jahre datieren) kommt Verena zu ihrem Kern der Sache: Obwohl das Prinzip des Podcastens ganz “famos” sei (20-er Jahre) ähnle es doch dem “Geplätscher” (zeitlos) vieler “Hobby-Blogger” und “nerve” (70-er Jahre). Und so weiter …
Ach ja, ich will da jetzt gar nicht groß inhaltlich widersprechen – natürlich sind viele Blogs und Podcasts “dürftig” – aber darum geht es doch gar nicht. Unsere Verena begeht den gleichen Denkfehler …

… den man schon immer begangen hat, wenn das “einfache” Volk (= bei Verena die “Hobby-Blogger”) sich in das Mediengeschehen einmischte: man kennzeichnet es als “Müll”. Vor 10 Jahre, als in bundesdeutschen Talkshows über das neue Phänomen “Chat” gesprochen wurde, hat man es permanent mit “CB-Funk” verglichen, danach die Hompages mit “Basteleien”, danach die Blogs als “Tagebücher von gelangweilten Frauen” usw. Und immer nach dem Motto “das” Internet wird “vollgemüllt”; bei Verena: Podcast ist okay “solange man es nicht anhören muss”. Ja, mein Gott, wer um alles in der Welt zwingt einen denn, ständig das Internet zu durchstreifen und sich “Müll” anzusehen oder anzuhören? Wenn Euch was nicht gefällt, dann klickt doch weg! Und wer von Podcasting nichts hält – wird der gefesselt und geknebelt und ihm ein iPod ans Ohr gehalten? So ein Stuss!
In irgendeinem Diskussionsforum las ich mal die Beschwerde, dass durch die einfache Blogger-Technik jetzt noch mehr Unsinn im Netz landen würde, der bei Google auftauchen würde. Hallo?! Google arbeitet nun mal so – so what? Soll die Suchmaschine nur Seiten nach deinem Gusto anzeigen? Da musst du halt selber suchen, dir Bookmarks anlegen, RSS-Reader einstellen oder einen Dienst nehmen, den du für die Suche bezahlst (das bietet Google übrigens auch an). Aber bezahlen tun wir nicht gern, nicht wahr? Wir wollen ja gepampert werden, das gesamte Internet soll sich nach dem eigenen Geschmack richten, wir wollen einfach vor der Glotze hocken und jammern …
Nein, nein – der Denkfehler entsteht im Kopf dieser Leute, die sich “das Internet” als ein Zimmerchen vorstellen, das nicht aufgeräumt ist und sie jetzt sich selber durchkämpfen müssen. Aber “das Internet” hat eine andere Struktur, ist beherrschbar, bietet tolle Möglichkeiten. Private Initiativen waren und sind es, die tolle Open-Source-Software hervorgebracht haben (Firefox ist da nur ein Beispiel, das zeigt, dass der Hobby-Begriff unserer Verena nichts taugt), die Initiativen fördern, die Communities und Verflechtungen fördern usw. usw.
Also nochmals zusammenfassend: Dass es natürlich jede Menge Blödsinn im Web gibt, ist klar und muss eigentlich nicht weiter erwähnt werden. Aber es gibt Strategien, sich das “Gute”, das “Interessante”, das “Wertvolle” herauszusuchen – und niemand soll mir da vorschreiben, was ich mir heraussuchen möchte! Und ansonsten gilt einfach das, was auch für die Glotze gilt: Abschalten – und aufhören, rumzujammern. Oder halt das verlängerte Rückrat heben und die Sache besser machen.

Und hier noch ein Link zum Thema: “Blog-Depressionen” :-)

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