Frontal 21 – Medien machen dumm
Ach ja, das ZDF-Magazin 21 hat wieder zugeschlagen. Vor 3 Wochen wärmte das dienstagabendliche Boulevard-Magazin bereits locker-flockig den abgestandenen Scheinzusammenhang zwischen Computerspielen und Aggression auf unter der Überschrift “Massenmord als Kindersport” (fürwahr: bei solchen Einfällen erblasst sogar BILD vor Neid!). Und gestern nun erdreisteten sich die Macher, denen man nun wirklich nicht vorwerfen kann, dass sie ihre Zeit mit sachlich-fundierter Recherche verschwenden würden, doch tatsächlich einen Zusammenhang zwischen der Anzahl von DVD-Playern und Schulerfolg herzustellen. Diesmal hieß der Slogan tatsächlich “Per Mausklick in die Dummheitsfalle.” Mann, oh Mann … Na ja, meinen ausführlichen Kommentar dazu habe ich diesmal im Blog meiner Studenten geschrieben.





Wie war das?
“Computer games don’t affect kids, I mean if Pac man affected us as kids, we’d all be running around in darkened rooms, munching pills and listening to repetitive electronic music.”
Und in Schweden steigt die Anzahl der Geburten immer genau während der Monate, in denen die Störche aus ihrem Winterquartier zurück kommen. Was folgern wir daraus?
Das es nachts kälter ist als draussen?
…dass man keiner Statistik glauben soll die man nicht selber gefälscht hat. Denn statistisch lässt sich so ziemlich alles irgendwie beweisen.
Bei “Beweisen” und “Statistik” in einem Satz dürfte Dir der durschnittliche Mathematiker den Hals umdrehen.
Es liegt weniger an den Statistiken als an den Leuten, die sie interpretieren. Die meisten Statistiken sind nämlich gar nicht so übel. Aber es gibt wenig Leute, die überhaupt von statistischer Dateninterpretation eine Ahnung haben. Und es gibt natürlich welche, die absichtlich bestimmte Zahlen herauslesen. Und dass jemand Korrelation mit Kausalität verwechselt – das entschuldige ich schon bei meinen Studenten im Grundstudium nicht mehr.
Es ist doch so was von engstirnig, eine einzige Sache für die extremen Gewaltausbrüche, die sich unbestrittener Weise in letzter Zeit häufen, verantwortlich machen zu wollen.
Kinder wachsen ohne Eltern auf, weil die zusehen müssen, ihrer Familie das Überleben oberhalb der Armutsgrenze zu ermöglichen (Wobei sie nicht unbedingt erfolgreich sein müssen). Deshalb haben sie so viel Zeit fürs Zocken.
Sie (die Kinder) verdummen nicht aufgrund ihrer Hobbies, sondern aufgrund mangelnder Etats für Schule und Bildung.
Jugendliche und junge Erwachsene sind perspektiv- und hoffnungslos nicht aufgrund deprimierender Inhalte von Spielen, sondern weil sie keinen Ausbildungsplatz kriegen.
Die Darstellung von Gewalt in den täglichen Nachrichten und in Filmen führt mindestens ebenso zur Abtsumpfung wie Gewalt in Spielen. Dokumentarfilme über Schulmassaker regen mit Sicherheit mehr zur Nachahmung von Gewalttaten an, als virtuelle Katzen, die man als Schalldämpfer über die Shotgun zieht.