Frauen mögen Technik
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atürlich sind Frauen Technik gegenüber aufgeschlossen – wenn man ihnen nur mit einleutenden Worten die Vorteile der geplanten Neuanschaffung erklärt. Wie man das richtig macht, habe ich vor einiger Zeit mal in einer Kurzgeschichte beschrieben (darin geht es um den Kauf eines kleinen Handheld-Organizers – Sie können den Gegenstand aber beliebig austauschen gegen DVD-Recorder, Notebooks oder Fensehsessel mit integrierten Massageelementen).
“Nein!” – Die beste von allen verfügbaren Lebensabschnittspartnerinnen schaute mich durchdringend mit ihren herrlichen hellblauen Augen über den Frühstückstisch hinweg an. “Du hast Dir bereits an Weihnachten dieses Digital-Foto-Dings gekauft! Was willst Du mit noch mehr Elektroschrott in der Tasche?!”
Ich stöhnte gequält auf. Das “Digital-Foto-Dings” war eine für damalige Verhältnisse recht gute Digitalcam gewesen, hatte allerdings nur 4 Megapixel. Dennoch wäre ich durchaus bereit, mit dieser Cam noch einige Monate zu leben, wenn ich jetzt endlich bei diesem neuen Palm Tungsten T3 zuschlagen dürfte. Bernd, Kollege, Abteilung “Personalwesen”, Single (!), hatte mich innerhalb von 60 Sekunden davon überzeugt,
dass es unschätzbare Vorteile bringt, Excel-Tabellen jederzeit im Querformat anschauen zu können.
“Jennyleinchen”, flötete ich, “erstens liegt Weihnachten schon eine Ewigkeit zurück …”
“Neun Monate sind keine Ewigkeit”, unterbrach mich die stets realistisch denkende Frühstückspartnerin.
“Sind sie sehr wohl”, entgegnete ich ein klein wenig störrisch, “immerhin entstehen in solchen Zeiträumen ganze Generationen!” Jennyleinchen schnaubte nur verächtlich und biss in ihr Honigbrötchen. Ich fuhr also fort:
“Außerdem wird es dir, mein Engel, sofort einleuchten, dass ein Mann in einer Position nicht ohne einen vernünftig geführten Terminkalender die nächste Sprosse der Karriereleiter erklimmen kann …”
Ein zweiter Schnauber kam von der anderen Tischseite, gepaart mit dem dumpfen Plop eines rasch runtergeschluckten Honigbrötchenbissens, gekrönt von einem verächtlich durch Restbrösel gedämpften “Pah!”, gefolgt von einer etwas klareren Stimme: “Die nächste Sprosse der Karriereleiter! Wenn ich das schon höre! Du bist Sachbearbeiter im Stadtplanungsamt, BAT IV, und wirst das bleiben, bis Du 67 bist!”
Das kränkte mich zwar ein wenig, aber ich wusste, dass die leicht erregbare Tagesabschnittspartnerin ihre Worte nicht so meinte und mich sicher später um Entschuldigung bitten würde. Also ignorierte ich einfach ihren letzten Satz und fuhr fort:
“Schau mal, mein Sonnenschein, der Tungsten …” Ich unterbrach mich, denn ich sah, wie sie ihre Augenbrauen hochzog, so dass ich mich korrigierte: “… dieses lustige silberne Terminkästchen, das ich Dir bei Horten gezeigt habe …” “Sprich nicht mit mir, als wäre ich ein Kind! Das bringt mich in Rage!”
Beschwichtigend hob ich die Hand und beschloss, einen Mittelweg zu gehen: “Also dieser neue Palm, der speichert sogar Fotos! Damit könnte ich stolz allen meinen Kollegen Fotos von Dir …”
Die Kaffeetasse meiner lebhaften Gefährtin knallte unsanft auf den IKEA-Tisch. “Stefan – untersteh’ Dich! Damals war ich nicht ganz nüchtern und Du sagtest, Du wolltest Dein Digital-Dings unbedingt mal bei schummriger Beleuchtung ausprobieren und …” Schnell hob ich beschwichtigend die Hände:
“Doch nicht diese Fotos, Engelein! Nein, ich dachte da an die vom vergangenen Jahr in Paris …”
“Aha!” Dieses “Aha” traf mich wie ein Pfeil. “Vom letzten Jahr also! Ich bin Dir wohl inzwischen zu dick geworden! Und das nur, weil ich ein einziges Mal die Kleidergröße …”
Meine Stimme wurde flehentlich: “Aber nein, meine Salzstange, überhaupt nicht! Du siehst so wunderbar wie am ersten Tag aus!” Krampfhaft versuchte ich, vom Palm-Foto-Argument wegzukommen. “Sieh mal, ich könnte auf der Speicherkarte auch den gesamten Bundesbahnfahrplan …”
“Du fährst mit dem Auto zur Arbeit!” Puh, geschafft, sie dachte nicht mehr an die Kleidergröße. Jetzt schnell ein Schlenker auf sie zu: “Richtig, meine klar denkende Partnerin. Ich dachte ja nur, falls ich mal eine Panne habe … Aber ich könnte endlich auch Word- und Excel-Dateien unterwegs bearbeiten …”
“Wo ist ‘unterwegs’? Während der Autofahrt? Im Büro hast Du doch Deinen PC. Und hier zu Hause auch. Oder willst Du künftig etwa auch noch arbeiten, wenn wir ins Kino gehen?”
Um Zeit zu gewinnen, biss ich in mein Brötchen und murmelte mit vollen Backen: “Nein, nein, natürlich nicht.”
Puh, diesmal war es aber ganz besonders schwierig. Auch die Internetanbindung, Bluetooth usw. würden dieses hochintelligente Exemplar der weiblichen Gattung höchstwahrscheinlich nicht überzeugen.
Mit einer betont langsamen Geste legte ich mein Brötchen hin, kaute, schluckte, sagte nichts, sah sie nur an. Stille ertrug meine lebensbejahende Freundin meistens nicht lange. So auch in diesem Fall:
“Also was nun? Können wir dieses Palm-Dingens nun endlich zu den Akten legen?”
Ich nickte. Sie wurde misstrauisch: “Das heißt also, Du wirst Dir so ein völlig überflüssiges Teil nicht kaufen?”
Ich nickte abermals.
Mein beständiges Schweigen versetzte sie in Alarmbereitschaft: “Was soll das denn?!” Das “Das” in ihrem Satz war mit unnatürlich hoher Stimme gesprochen. “Zuerst machst Du mir die Hölle heiß, wegen dem technischen Schnickschnack – und mit einem Mal willst Du es nicht mehr?!”
Ich schaute sie von unten her an und entgegnete sanft: “Schatzilein, ich wollte Dir doch nur …”
“Ah!” Ihre Stimme gewann an Festigkeit. “Jetzt bin ich es wieder. Ich bin mal wieder an allem schuld! Dabei habe ich doch lediglich mit Dir zusammen über das Für und Wider der Angelegenheit sachlich diskutiert, wie das in guten Partnerschaften üblich ist! Aber nein, der Herr dreht mir gleich einen Strick daraus!”
Sie lehnte sich mit verschränkten Armen zurück und ich erwiderte im untertänigsten Ton, der mir möglich war: “Engelchen, ich will doch nur, dass Du glücklich …”
“Aaah!” Nun war ihre Stimme schon fast triumphierend. “Der Herr gibt alles auf, nur damit sein armes Weiblein glücklich ist, was?! Wie ich diese Macho-Sprüche hasse! Als ob ich bestimmen würde, was du tun sollst! Du bist doch frei! Kauf Dir doch das Zeug, wenn es Dich so sehr reizt!”
Ich seufzte: “Nein, nein, das wäre nicht recht …”
“Nicht recht?!” Sie fuhr fast in ihrem Stuhl auf. “Was heißt hier ‘nicht recht’?! Willst Du mir jetzt auch noch Schuldgefühle einreden? Nicht mit mir! Da hast Du Dich geschnitten! Heute gleich nach der Arbeit rennst Du gefälligst zu Horten und holst Dir das Ding. Und dann ist Ruhe! Ist das klar?!”
Ich senkte bescheiden den Blick und erwiderte mit sanfter, leiser Stimme: “Aber natürlich, jetzt, wo Du es sagst … Du hast wie immer recht, Herzilein!”
Ein letzter misstrauischer Blick kam von meinem wunderhübschen und stets klar denkenden Gegenüber, dann vertiefte sie sich in die Morgenzeitung, während ich intensiv darüber nachdachte, welche Speichererweiterungskarte ich mir wohl zu dem Tungsten kaufen würde …





ts
eine Science Fiction Geschichte! na, warum nicht.
dir und deinen Lieben ein wunderbares 2005 und einen guten Rutsch!
Nenn’ es nicht “Fiction” – nenn’ es “Alltagserfahrung von Männern, die nicht das Glück haben, mit einer verständnisvollen Bloggerin verheiratet zu sein”!
Danke für die Wünsche – Dir ebenso ein gutes 2005!
Puh. Zum Glück gab es noch ein gutes Ende. Die Geschichte an sich erinnert mich unangenehm an ähnliche Diskussionen hier…
Tja, klasse thematisiert!!!
Wir Frauen und Technik-Nein, das ist kein Paradoxon! Nur weil Marketing gemacht wird und immer nur Männer auftauchen, heißt es schließlich nicht gleich, dass wir keine Ahnung davon haben. Wir lieben Technik sogar-Jaja, glaubt mir nicht, aber konsumgoettinnen.de hat da eine zuverlässige Quelle (nämlich US-amerikanische Umfragen).
Also ich kann für mich sagen, ich bin ein absoluter Technikfreak