ein-mann-will-nach-oben.jpgUrsprünglich sollte das Buch “Die Frauen und der Träumer heißen”. Geschrieben von Hans Fallada 1942, veröffentlicht posthum 1953 ist es, auf seine Weise, eine beeindruckende Schilderung Berliner (Arbeiter-)Milieus zwischen 1900 und 1930. So richtig bekannt wurde das Buch aber erst durch die gleichnamige ZDF-Staffel von 1978. Sofort ins Herz geschlossen hatten die Zuschauer vor allem jene Rieke Busch, die mit Ursela Monn hervorragend besetzt war. Jenes Berliner Arbeitermädel, das Karl Siebrecht (Mathieu Carrière) im Zugabteil kennen lernt und ihn unter seine Fittiche nimmt. Jener Karl, der aus der Kleinstadt kommt und es bis “ganz oben” schaffen will, aus eigener Kraft. Rieke selbst hält ihn zunächst für völlig lebensuntüchtig: “Da will er zwee mal die Woche dat Hemde gewaschen haben! Dabei weiß doch jeder, dat von de ville Lauge die Wäsche nur dünne wird!” Mit dabei: Kalli Flau, der Freund, der sich in Rieke verliebt. Die aber hat Karl ins Herz geschlossen, obwohl sie weiß, dass aus ihnen nichts werden wird:

“Na lass, ick vasteh dir doch nich. Ick bin so, und du bist anders, det is so, und de bleibt so.”

Glück in Riekes Welt ist, wenn sie ihren Vater mal nicht betrunken von der “Destille” um die Ecke holen muss, wenn sie sich eine Nähmaschine auf Pump leisten kann, um für einen Textilhersteller arbeiten zu können, wenn sie den Kuchen in den Kaffee tauchen darf. Für Karl ist das eine kleine, eine enge Welt. Er will die Gepäckbeförderung zwischen den Berliner Bahnhöfen aufbauen, wird hereingelegt, gründet einen Fuhrpark, der vom ersten Weltkrieg zerstört wird usw. usw.
Acht mal wurde die Fernsehverfilmung auf 3sat wiederholt – endlich sind die 13 Folgen als DVD-Box erhältlich (ca. 36 Euro). Allerdings lohnt die Buchausgabe, denn die Filmstaffel hält sich nur in den ersten 6, 7 Folgen an das Original. Man merkt auch deutlich, dass die Veränderungen in den letzten Folgen inhaltlich abflachen. Das Buch hingegen kann den Spannungsbogen durchhalten und ist in seiner Handlung auch viel plausibler.
Und wer da auf den Geschmack gekommen ist, dem empfehle ich von Fallada noch “Wer einmal aus dem Blechnapf frisst” oder, wer es gefühlvoller mag, “Kleiner Mann – was nun?”, mit dem er berühmt wurde.

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