Ein Löffel Zuversicht

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Kann man, wenn man will?

946 tauchte am Broadway die Farmerstochter Annie Oakley aus Ohio auf, fuchtelte mit einem Gewehr herum und bezwang den Scharfschützen Frank Butler (physisch und psychisch). Dazu sang sie „Alles, was Du kannst, kann ich noch viel besser“*. Mal abgesehen davon, dass ich das Fuchteln mit Gewehren nicht mag, muss man doch sagen: selbstbewusst, die junge Frau. Sie weiß nicht nur, was sie will (den Frank), sondern sie traut sich auch zu, ihre Ziele zu erreichen. Eine Portion dieser Zuversicht täte vielen von uns wahrscheinlich auch ganz gut. Damit meine ich jetzt nicht die frömmelnden Suggestionen eines Dale Carnegie oder das Kasperletheater von (ehemaligen) Motivationstrainern wie diesem Jürgen Höller. Wer sich selbst gegenüber zwanghaft trainieren will, Enttäuschung, Misserfolg oder depressive Zeiten zu unterdrücken, wird früher oder später scheitern.
Aber wenn ich mir so die Zahlen ansehe, nach denen

die Deutschen momentan so hohe Rücklagen haben, wie noch nie in ihrer Geschichte, und trotzdem immer wieder darüber gejammert wird, wie sehr man doch von diesem Staat ausgebeutet werde, denke ich schon, dass Manches eine Frage der Sichtweise ist. Dass es auch anders geht, zeigt die aktuelle Ausgabe von GEO. Die Zeitschrift (Auflage 1,3 Millionen) feiert ihren 30. Geburtstag mit einem Heft ganz in Gold gehalten – und mit 20 Artikeln, „die Hoffnung machen“. Da wird über die brasilianische Stadt Curitiba berichtet, die „Stadt der Leute“, in der eine Gemeinde so „wagemutig“ war, alle Parks, Bibliotheken, Verkehrsmittel und Ämter einmal wirklich nach den Bedürfnissen ihrer Bewohner auszurichten. – Oder es wird über das Vorgehen jener Bank in Bangladesch berichtet, die „Mikrokredite“ von einigen hundert oder tausend Dollar vergibt für Geschäftsideen, die mit Nähmaschinen, Hühnerfarmen oder Reisfeldern zu tun haben. Muhammad Yunus, der Bankier, macht Geschäfte mit 6 Millionen Familien. 98,4 % der Kredite werden zurückgezahlt. Monatlich. Pünktlich. Aus freien Stücken. – Oder das Beispiel der Molekularbiologin Eva Harris wird geschildert, die zusammen mit anderen Forschern versucht, jenseits der Pharmaindustrie teures medizinisches Gerät auf preisgünstige Art und Weise – mit Bestandteilen aus einem Baumarkt – nachzubauen.

Könnte man so etwas wie „Zuversicht“ oder „Glücklich sein“ nicht einfach mal als Schulfach unterrichten? Ja, das kann man. Jedenfalls startet England gerade einen Pilotversuch**. Die Konzeption für dieses Fach hat sogar Martin Seligman, der schon vor Jahrzehnten die “erlernte Hilflosigkeit” untersucht hat. Wenn dieser Versuch erfolgreich ist, dann soll das Fach landesweit unterrichtet werden. Ich habe allerdings das Gefühl, dass unsere Kultusbehören zuerst die Frage stellen würde, wie man die Noten in so einem Fach vergibt …

* Nebenbei: Aus dem Musical “Annie Get Your Gun” stammt auch der Titel „You Can’t Get a Man with a Gun“ – bevor da die Mädels auf falsche Gedanken kommen ;-)
** Der Pilotversuch wird am Wellington College durchgeführt. Auf deren Homepage sind auch Einzelheiten zum Lehrplan zu finden.

2 Kommentare

  1. Siegfried
    Sep 18, 2006

    Hi,
    nun ja, das Privatvermögen ist sicher größer geworden in den letzten Jahren. Allerdings sehr unsymmetrisch. Wenn man die Entwicklung getrennt nach Reichen und Armen betrachtet, dann hat das Privatvermögen der Reichen un 20% bis 30% zugenommen, das der Armen um 20% bis 50% abgenommen (unterschiedlich in Ost- und Westdeutschland).

  2. Herbert
    Sep 18, 2006

    Ja, Du hast sicher recht, dass die Entwicklungen für unterschiedliche Gruppen unterschiedlich ausfallen (wobei mir jetzt Deine Zahlen etwas zu “grob” sind; hier mal ein anderes Beispiel der Differenzierung). Das wäre noch mal ein Thema für sich. Trotzdem glaube ich, dass es der überwiegenden Mehrheit der Deutschen im finanziellen Bereich nicht gerade schlecht geht (Beispiel).

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