Bruchstücke des Lebens
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E namenloses Foto im Meer der Pixel des Bilderdienstes Imageshack (Foto groß): Mitten in den Trümmern einer Welt steht ein Barbier und rasiert einen Kunden oder Freund. Niemand von uns weiß, was diese beiden Menschen zuvor erlebt haben. Es ist dieses Stück Normalität, die sie sich in eine zusammenbrechende Welt hineinholen … Fallada beschreibt in seinem Roman “Jeder stirbt für sich allein” den Gefängnisaufenthalt eines älteren Mannes, der sich in der Nazi-Zeit sich zusammen mit seiner Frau mit einfachen Postkarten gegen das schreiende Unrecht aufgebäumt hat. Einer seiner wichtigsten Gedanken im Gefängnis ist, dass, wenn er die morgendliche sorgfältige Rasur aufgibt, er sich selbst aufgibt …
Es ist eine hässliche Welt, es ist eine schöne Welt, es ist keine schwarzweiße Welt, in der wir leben. Es ist die Welt, in der der eine Alt-Bundeskanzler seine gesammelten Lebenslügen gerade in einem zweiten Band verkauft und der andere in einem Interview auf die Frage, ob er nicht auch mal das Bundesverdienstkreuz angeboten bekommen habe, schlicht erklärt: “Sicher, aber wissen Sie, Frau Maischberger, ein echter Hanseat nimmt keine Orden an.” Es ist die Welt, in der Menschen in den reichen Ländern so viel für die Not anderer Menschen spenden wie noch nie – und gleichzeitig Staatsmänner ermächtigen, das Völkerrecht zu brechen und Menschenrechte mit Füßen zu treten … Es ist die Welt eines Kenny M., der damals mit 11 Jahren unter Einsatz seines eigenen Lebens seinen 4-jährigen Bruder rettete, als der in einem zugefrorenen See einbrach. Und der heute mit 21 Jahren in Hightech-Stiefeln in ein Land maschiert und bereit ist, jederzeit zu töten, wenn man es ihm befiehlt … Es ist die Welt jenes Hamid B., der als kleiner Junge sich für seine Geschwister aufopferte, der lachte, der war wie jeder andere Junge und der heute dazu bereit ist, Dynamit um seinen Körper zu binden, damit möglichst viele Körper zerfetzt werden. … Es ist die Welt in der Menschen an die Götter Jahweh, Allah, Jesus, Kommunismus oder Demokratie glauben in deren Namen sie Krankenhäuser bauen und foltern.
Damals, während des ersten Golfkriegs, übermittelten die Nachrichten eine winzige Szene, nur einige Sekunden lang. Es hatte sich das (irrtümliche) Gerücht ausgebreitet, dass der Krieg schon zu Ende wäre. Und man sah einen Iraker, wie er seine Waffe wegwarf und vor Freude tanzte – und mit Sicherheit hätte man auch solche Bilder von amerikanischen Soldaten einfangen können. … Es ist die Welt, in der die meisten Menschen den Frieden wollen. Die meisten. Und das ist ein guter Anfang für das neue Jahr, denke ich.





Danke
Ja, ich denke auch, dass die meisten Menschen Frieden wollen. Einige wenige leben im Krieg ihre unterdrückte Brutalität aus. Aber die meisten würden gerne in Frieden leben. Warum ist das nur so schwer? – Danke für deinen Text. Hat mich bewegt.
Liebe Grüße, Irmgard
Guten Abend,
aber ich finde diesen Blog überaus ansprechend und komme bestimmt mal wieder vorbei.
leider weiß ich nicht mehr genau, wie ich hier her gelangt bin
Ich war übrigens heute Mittag schon mal hier, aber ich musste bis jetzt über das Bild nachdenken. Es ist.. hm, wie nenne ich es am besten.. sehr beeindruckend. Es drückt tausend Dinge gleichzeitig aus und ist so erschreckend wie faszinierend, so grauenvoll wie friedlich. Und der Text dazu ist toll (das sage ich nicht nur als Quasi-Hanseatin). Was den Frieden anbelangt denke ich, dass die, die den Krieg kämpfen müssen den Frieden wollen, aber die, die den Krieg planen (und denen nichts passiert) wollen nur mehr Macht oder Geld oder beides. Im Golfkrieg geht es um die Region (also um das Öl) und nicht zuletzt natürlich auch darum, dass der kleine George das Werk vollenden wollte oder sollte, an dem der ältere George gescheitert war. Doch ich werde mich jetzt nicht weiter reinsteigern- immerhin kenne ich hier ja auch niemand’-). Also, tolle Page.
Schöne Grüße
Amber